Senf dazu: Redmond, wir haben ein Problem - Windows 10-Updates

Windows 10, Schredder, Banksy
Seit dem Wochenende ist klar, dass Microsoft das Herbst-Update zurückzieht und die Verteilung bis auf weiteres stoppt. Grund waren ein einige Tage zuvor bekannt gewordener massiver Bug, der Dateien löscht. Einige Tage? Mitnichten. Mittlerweile ist klar: Die Fehler wurden bereits Monate vorher an Microsoft übermittelt.

Peinlich und peinlicher

Peinlich. Das ist noch die freundliche Umschreibung dessen, was sich Microsoft in den vergangenen Tagen geleistet hat. Denn zum zweiten Mal haben die Redmonder ein Update, mit Verlaub, verkackt (bereits im Frühjahr gab es Probleme). Und das ist noch freundlich formuliert. Denn Abstürze und Bugs, die bei Software-Updates nun einmal immer wieder vorkommen, sind zwar lästig, in der Regel aber auch im Nachhinein lösbar.

Nutzer-Dateien, die das Betriebssystem wie ein Banksy-Kunstwerk schreddert, sind aber eine Todsünde. Denn Windows 10 löschte unter bestimmten und noch nicht eindeutig geklärten Umständen Teile des Benutzer-Verzeichnisses. Und futsch waren Dokumente, Bilder und Videos.

Noch peinlicher ist aber das, wie es dazu gekommen ist. Denn Nutzer haben dieses Fehlverhalten bereits vor Monaten an die Redmonder übermittelt und zwar über das Windows Insider Program. Denn diese Beta-Schiene ist schließlich genau für diesen Zweck erschaffen worden: Interessierte Nutzer suchen und finden Fehler in Windows 10 und Microsoft fixt diese dann.

Das war zumindest die Idee und das hat anfangs auch ziemlich gut funktioniert. Doch 2018 kann und muss man sich dem Urteil von Martin Geuß auf seinem Blog Dr. Windows anschließen: Das Insider-Programm hat sich überlebt.

Denn die jüngste Windows 10-Katastrophe ist bereits die zweite dieses Jahres: Im Frühjahr wurde das bereits "fertige" Update quasi in allerletzter Sekunde gestoppt, diese Mal rannte man ins offene Messer.


Insider-Farce

Das Insider-Programm ist dadurch zur Farce geworden. Denn es erfüllt nicht mehr seine ursächliche Aufgabe, nämlich das Aufspüren von Fehlern. Generell ist nicht mehr zu leugnen, was Kritiker wie Woody Leonhard seit Monaten predigen: Eine funktionierende Qualitätskontrolle gibt es bei Microsoft vor Updates nicht mehr. Leonard hat sich das "MS-DEFCON System" ausgedacht und warnt allmonatlich und inzwischen auch halbjährlich davor, Patches und Updates zu installieren. Eine Weile konnte man den Windows-Experten als übervorsichtig, ja paranoid bezeichnen, inzwischen muss man zugeben: Er hat recht, wer Updates sofort installiert ist selber schuld.

Das betrifft auch das Insider-Team: Natürlich wissen wir nicht, wie es in den Büros in Redmond zugeht, der Eindruck von außen ist aber eindeutig: Da läuft was grundlegend falsch. Das fängt bei der Führung an: Dona Sarkar mag zwar eine nette und kompetente Person sein, sie ist aber in den vergangenen Monaten eher mit PR-Maßnahmen, Twitter-Selfies und Konferenzbesuchen beschäftigt gewesen als mit dem Insider-Programm selbst.

Auch das Insider-Programm selbst ist inzwischen eher eine leere Marketing-Hülle denn ein echtes Test-Umfeld. Statt fokussierter Diskussionen und Bugfixes geht es immer mehr über Nebenschauplätze und Ninja-Katzen. Dazu kommt, dass die Vorabversionen selbst immer unübersichtlicher werden. Seit der Einführung des Skip Ahead-Rings ist es immer schwieriger zu erkennen, was eigentlich gerade passiert und welche Features aktuell sind oder gerade ernsthaft getestet werden.

Druck führt zu Fehlern

Schließlich kann und muss man auch die Entscheidung hinterfragen, dass sich Microsoft auf zwei Updates pro Jahr festgelegt hat. Das führt zu Druck und Druck führt zu Fehlern. Denn ganz ehrlich: Das Oktober-Update bietet kaum etwas Neues und Microsoft hätte sich die Veröffentlichung sparen oder auch ruhig verschieben können. Vermisst hätten wir es nicht, das bisschen "Feinschliff" wäre verzichtbar gewesen und hätte auch nicht den schweren Bug mit sich gebracht.

Microsoft muss aktuell aufpassen. Die Geschäfte mit der Cloud laufen bestens und man ist schon lange nicht mehr von Windows abhängig. Dennoch sollte Microsoft nicht vergessen, dass Windows das Fundament des Unternehmens ist. Da hilft es auch sicherlich gar nicht, wenn man, wie angekündigt, nach dem Oktober-Update Windows-Entwickler abzieht und in die Cloud-Abteilung steckt.

Man sollte sich also in Redmond gaaanz dringend hinsetzen und überlegen, was man anders machen kann. Denn dass etwas falsch läuft, ist inzwischen nicht mehr zu leugnen.


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