Drohnen-Alternative: Schlangenroboter prüfen Hochspannungsleitungen

Um die Stromversorgung zu sichern, setzt ein Netzbetreiber in China auf kriechende Roboter-Schlangen an Hochspannungsleitungen. Die klugen Maschinen scannen die Kabel nach Defekten und ersetzen bisherige, völlig störanfällige Wartungsdrohnen.

Roboter-Schlangen auf Stromkabeln

In der südwestchinesischen Stadt Kunming setzt der lokale Netzbetreiber seit Kurzem schlangenähnliche Roboter zur Inspektion von Hochspannungsleitungen ein. Die flexiblen Maschinen wickeln sich um die Kabel und suchen mit Kameras sowie Sensoren nach defekten Isolierungen oder überhitzten Kontakten. Der Zeitpunkt des Einsatzes der "Leitungsschlangen" war kein Zufall, er fand vor Kurzem gezielt während der nationalen Hochschulaufnahmeprüfung Gaokao statt, um in der Prüfungsphase eine stabile Stromversorgung sicherzustellen.

Ein technischer Aspekt der Konstruktion ist die autonome Energieversorgung. Ein Modul am Ende des Roboters nutzt elektromagnetische Induktion, um Strom direkt aus der aktiven Leitung zu beziehen. Dadurch entfallen externe Akkus, Ladepausen oder Begleitfahrzeuge. Die mehrgliedrige Bauweise erlaubt es der Maschine zudem, physische Hindernisse wie Isolatoren auf den Leitungen zu überwinden.

Vorteile gegenüber Flug-Drohnen

Bisher übernehmen in der Regel Drohnen die Kontrolle der Netze. Wie die South China Morning Post berichtet, stoßen die Fluggeräte jedoch an ihre Grenzen. Starke elektromagnetische Felder der Hochspannungsleitungen stören häufig die Flugsteuerung und die Sensoren der Apparate. Der direkt auf dem Kabel fahrende Roboter ist gegen derartige Interferenzen immun.

Ein weiteres Problem für Drohnen sind Flugverbotszonen, etwa in der Nähe von Flughäfen. Das Stromnetz in Kunming verläuft teilweise am Changshui International Airport. Hier spielen die Kriechroboter ihre Stärken aus, da sie den Luftraum nicht verletzen. Laut den Ingenieuren des Guandu District Power Supply Bureau sind die Systeme dreimal effizienter als menschliche Inspektionsteams, die sich bei manuellen Prüfungen oft in Gefahr begeben.

Herausforderungen und Ausblick

Trotz der technischen Vorzüge gibt es auch Einschränkungen. Das System wurde von einem staatlichen Versorger exklusiv für das eigene Netz entwickelt. Derzeit gibt es keine Informationen über Preise, Lizenzen oder Exportpläne. Netzbetreiber in westlichen Ländern setzen für die Inspektion weiterhin primär auf Drohnen, während sich kabelgebundene Roboter als kommerzielle Produktkategorie noch nicht flächendeckend durchgesetzt haben.

Um eine lückenlose Überwachung zu gewährleisten, kombiniert der chinesische Netzbetreiber die Roboter-Schlangen zudem mit weiteren Technologien. So kommen in besonders gefährlichen oder schwer zugänglichen Umgebungen zusätzlich vierbeinige Roboterhunde sowie stationäre Kameras zum Einsatz.

Was meint ihr zu dieser Form der automatisierten Wartung? Teilt eure Gedanken und Bedenken zu der Technologie gerne unten in den Kommentaren mit uns!

Zusammenfassung
  • Schlangenartige Roboter inspizieren Hochspannungsleitungen in Kunming
  • Der Einsatz sichert die Stromversorgung während der Gaokao-Prüfungsphase
  • Per Induktion beziehen die Maschinen ihren Strom direkt aus den Leitungen
  • Die Geräte sind immun gegen elektromagnetische Felder von Hochspannungskabeln
  • In der Nähe von Flughäfen verletzen die Kriechroboter keinen Luftraum
  • Ingenieure bescheinigen dem System eine dreifach höhere Effizienz als Teams
  • Vierbeinige Roboterhunde ergänzen die Überwachung in schwierigen Gebieten

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