110 Billiarden Kilometer: Forscher arbeiten an Karte von Pilzgeflechten

Unter der Erdoberfläche verbirgt sich ein gigantisches Netzwerk aus Pilzen, das eine entscheidende Rolle für den globalen Kohlenstoffhaushalt spielt. Ein Forschungsprojekt will dieses nun kartographieren und es so besser kennenlernen.
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Nahezu allgegenwärtig

Wie eine neue Forschungsarbeit im Fachjournal Science zeigt, bilden sogenannte arbuskuläre Mykorrhizapilze ein unterirdisches Geflecht von kaum vorstellbarer Größe: Würden alle Pilzfäden aneinandergereiht, ergäbe sich eine Länge von rund 110 Billiarden Kilometern. Das entspricht etwa 730 Millionen Mal der Entfernung zwischen Erde und Sonne.

Die Pilze leben in enger Symbiose mit Pflanzenwurzeln. Über ihre feinen Fäden transportieren sie Wasser und Nährstoffe zu den Pflanzen und nehmen im Gegenzug Kohlenstoff auf. Nach Angaben der Forschenden speichern diese Netzwerke weltweit rund 300 Megatonnen Kohlenstoff. Das entspricht dem Vier- bis Sechsfachen der Kohlenstoffmenge, die in allen Menschen auf der Erde zusammen gebunden ist. PilzkarteKarte der Dichte von Mykorrhiza-Geflechten Für die Untersuchung wertete ein internationales Forschungsteam Daten aus mehr als 16.000 Bodenproben aus. Mithilfe von KI-Technologien wurden daraus globale Karten der Pilzdichte erstellt. Ergänzend analysierten die Wissenschaftler die Struktur der Pilzfäden mit einem hochauflösenden Bildgebungssystem, um deren Breite und Gesamtmasse genauer zu bestimmen.


Besonders dichte Vorkommen fanden die Forschenden in Grasland-Ökosystemen. Zu den wichtigsten Hotspots zählen die Everglades in Florida, das Sudd-Sumpfgebiet im Südsudan sowie die tibetische Steppe. Die Ergebnisse liefern weitere Hinweise darauf, dass Graslandschaften bedeutende Kohlenstoffsenken darstellen. Dennoch stehen sie oft weniger im Fokus des Naturschutzes als Wälder.

Unterschätzte Pilze

Mehr als 70 Prozent aller Landpflanzen sind auf die Zusammenarbeit mit diesen Pilzen angewiesen. Neben der Speicherung von Kohlenstoff stabilisieren sie Böden und helfen Pflanzen, Umweltstress besser zu bewältigen. Die Forscher warnen daher, dass über den Zustand vieler dieser unterirdischen Netzwerke bislang wenig bekannt ist und ihre Bedeutung in der Praxis zu wenig Beachtung findet.

Zudem zeigte die Studie, dass die Dichte der Pilzgeflechte in landwirtschaftlich genutzten Böden etwa 50 Prozent geringer ist als in nicht bewirtschafteten Flächen. Zwar seien die Ursachen noch nicht vollständig geklärt, doch die Ergebnisse deuten auf mögliche Auswirkungen der Landnutzung hin.

Zusammenfassung
  • Arbuskuläre Mykorrhizapilze bilden ein Netzwerk von etwa 110 Billiarden Kilometern Länge
  • Die Pilze leben in Symbiose mit Pflanzen und tauschen Nährstoffe gegen Kohlenstoff
  • Für die Studie werteten Forschende über 16000 Bodenproben mithilfe von KI aus
  • Besonders dichte Pilzgeflechte finden sich in Grasland-Ökosystemen wie Everglades und Tibet
  • Landwirtschaftlich genutzte Böden weisen rund 50 Prozent weniger Pilzgeflechte auf
  • Mehr als 70 Prozent aller Landpflanzen sind auf die Zusammenarbeit mit diesen Pilzen angewiesen

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