Ende von Windows 10: Berliner Behörden verschlafen Windows-Update

Die Berliner Verwaltung steckt in einer IT-Krise: Nur zwölf Prozent der fast 100.000 Behörden-Computer wurden bisher auf Windows 11 umgestellt. Mit dem Support-Ende für Windows 10 im Oktober 2025 drohen massive Sicherheitslücken und hohe Kosten.
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Windows 11-Migration in Berlin stockt

Die Berliner Stadtverwaltung kämpft mit einem gravierenden IT-Problem: Lediglich zwölf Prozent der knapp 100.000 Arbeitsplatzrechner in Senatsverwaltungen und Bezirksämtern laufen bereits unter Windows 11. Das geht aus aktuellen Zahlen der Senatskanzlei hervor. Problematisch wird es, da Microsoft den regulären Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 einstellt.

Von den berlinweit 96.613 Windows-Rechnern erhielten bisher nur 11.744 Geräte das erforderliche Betriebssystem-Update. Die Umstellungsquote liegt sowohl in den Senats- als auch in den Bezirksverwaltungen bei knapp über zehn Prozent. Besonders prekär zeigt sich die Situation in der für Digitalisierung zuständigen Senatskanzlei: Hier wurden bislang nur fünf von 534 Computern auf das neue System migriert.

Extreme Unterschiede zwischen den Behörden

Die Geschwindigkeit der Windows-11-Einführung variiert dramatisch zwischen den verschiedenen Verwaltungseinheiten. Während die Verwaltung für Inneres und Sport bereits über 3.000 Rechner erfolgreich umgestellt hat und auch die Bildungsverwaltung ähnlich weit vorangeschritten ist, bewegen sich andere Senatsverwaltungen noch im ein- oder zweistelligen Bereich. Die Ge­sund­heits­ver­wal­tung beispielsweise hat erst 25 von über 800 Computern aktualisiert.

Senatsverwaltungen Windows 10 Windows 11
Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung 2932 129
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie 10.838 3082
Senatsverwaltung für Finanzen (inkl. LvWA) 5744 441
Senatsverwaltung für Inneres und Sport 23.469 3420
Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz 3337 60
Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt 856 182
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen und Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (Shared Service) 5265 112
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe 454 5
Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege 807 25
Der Regierende Bürgermeister, Berliner Senatskanzlei 534 5
Summe 54.236 7461

Bei den zwölf Berliner Bezirksämtern sieht es kaum anders aus: Treptow-Köpenick führt mit einer beeindruckenden Quote von 70,57 Prozent, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg mit 48 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf, wo die Umstellung bislang nicht einmal begonnen wurde. Steglitz-Zehlendorf kommt auf magere 0,15 Prozent, Reinickendorf auf 0,20 Prozent.

Bezirksämter Windows 10 Windows 11
Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf 3263 256
Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg 1040 960
Bezirksamt Lichtenberg 3314 0
Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf 1853 0
Bezirksamt Mitte 2984 89
Bezirksamt Neukölln 3448 15
Bezirksamt Pankow 4069 135
Bezirksamt Reinickendorf 2518 5
Bezirksamt Spandau 2804 374
Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf 2054 3
Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg 2683 1000
Bezirksamt Treptow-Köpenick 603 1446
Summe 30.633 4283

Fachverfahren bereiten zusätzliche Sorgen

Neben der Hardware-Migration stellt die Kompatibilität der genutzten Fachverfahren eine weitere Hürde dar. Von den insgesamt 407 in der Verwaltung eingesetzten IT-Fachverfahren wurden bisher nur 136 auf ihre Windows-11-Tauglichkeit überprüft. Für die verbleibenden 271 Programme steht diese Prüfung noch aus - darunter auch Software, die seit Jahrzehnten im Einsatz ist.

Staatssekretärin Martina Klement, die auch als Chief Digital Officer Berlins fungiert, räumte ein, dass der Senat für die Mehrheit der Programme derzeit nicht sicher sagen könne, ob diese mit Windows 11 kompatibel seien. Ein Sprecher der Senatskanzlei zeigte sich dennoch optimistisch: Bislang lagen keine Hinweise für Inkompatibilität vor. Webbasierte Anwendungen sollten grundsätzlich ohne Anpassungen unter Windows 11 funktionieren.


Millionenschwere Konsequenzen drohen

Stefan Ziller, digitalisierungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, bezweifelt, dass die Frist noch eingehalten werden kann. Nach dem Support-Ende bietet Microsoft weder technischen Support noch kostenlose Sicherheitsupdates an. Um dennoch Schutz vor Cyberangriffen zu gewährleisten, müsste Berlin dann Extended Security Updates (ESU) bei Microsoft einkaufen.

Die Kosten für diesen Notfall-Support verdoppeln sich jährlich und sind maximal drei Jahre lang verfügbar - bis Oktober 2028. Für Privatnutzer verlangt Microsoft 30 US-Dollar (etwa 26 Euro) pro Jahr und Gerät. Für Behörden und Unternehmen dürften die Preise deutlich höher liegen. Bei knapp 85.000 bisher nicht aktualisierten Rechnern könnte dies schnell zu Mehrausgaben in mindestens sechsstelliger Höhe führen.

Wiederholtes Versagen bei IT-Modernisierung

Die aktuelle Situation ist kein Einzelfall in der Berliner Verwaltungsgeschichte. Im Sommer 2019 waren erst 21,5 Prozent der damals rund 80.000 PCs von Windows XP auf Windows 10 migriert worden. Auch 2023 wurde bekannt, dass in Berliner Ämtern noch Dutzende Microsoft-Server mit Windows 2008 liefen - teilweise über 15 Jahre alte Systeme ohne jeglichen Herstellersupport.

Diese wiederkehrenden Probleme werfen Fragen zur IT-Strategie der Hauptstadt auf. Während andere Bundesländer und Kommunen bereits erfolgreich auf Windows 11 umgestellt haben, scheint Berlin erneut den Anschluss zu verpassen. Die Senatskanzlei betont jedoch, dass "mit Hochdruck" an der Umstellung gearbeitet werde und man weiterhin den rechtzeitigen Vollzug vor dem Support-Ende plane.

Wie bewertet ihr diese erneute IT-Panne der Berliner Verwaltung? Soll­ten mehr Ressourcen in die Digitalisierung fließen oder seht ihr andere Lösungswege? Lasst uns eure Meinung in den Kommentaren wissen.

Zusammenfassung
  • Nur zwölf Prozent der fast 100.000 Behörden-Computer in Berlin mit Windows 11
  • Support-Ende für Windows 10 droht im Oktober 2025, mit Sicherheitsrisiken
  • Umstellungsquote variiert stark zwischen Verwaltungseinheiten und Bezirken
  • Kompatibilität von 271 der 407 genutzten Fachverfahren bisher nicht überprüft
  • Extended Security Updates nach Support-Ende würden hohe zusätzliche Kosten bedeuten
  • Ähnliche IT-Migrationsprobleme gab es bereits bei früheren Windows-Versionen
  • Die Senatskanzlei arbeitet laut eigener Aussage mit Hochdruck an der Umstellung

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