Umwelt-Zeitbombe: Brasilianischer Flugzeugträger soll versenkt werden

Ein Flugzeugträger, der an die brasilianische Marine verkauft wurde, sorgt dieser Tage für Aufregung und Proteste. Denn das Schiff, das zu sinken droht, ist eine tickende Umwelt-Zeitbombe und darf in keinen Hafen einlaufen. Brasilien will das Geisterschiff deshalb im Meer versenken. Die São Paulo, die ursprünglich 1963 unter dem Namen Foch in Dienst gestellt wurde, ist ein von Frankreich gebauter Flugzeugträger, der im Jahr 2000 von der brasilianischen Marine gekauft wurde. Mit zwölf Millionen Dollar war der Preis auch verhältnismäßig gering, das lag natürlich am hohen Alter des Schiffes.

Doch nun dürfte die Umwelt den Preis dafür bezahlen, in diesem Fall im übertragenen Sinne. Denn der 2018 endgültig außer Dienst gestellte Flugzeugträger wurde von der brasilianischen Marine nie generalüberholt und galt nach mehreren Bränden als irreparabel beschädigt bzw. wäre dies nicht wirtschaftlich gewesen.

Eine türkische Werft kaufte das Schiff vor einigen Jahren und wollte es verwerten bzw. ausschlachten, die São Paulo wurde auch in Richtung der Türkei geschleppt. Doch dem 32.000 Tonnen schweren Kriegsschiff wurde von der türkischen Regierung das Einlaufen in einen Hafen verweigert - aus Umweltbedenken.

Vermutlich 600 Tonnen Asbest an Bord

Dabei ging es in erster Linie um die Menge des Asbests: Denn die Schätzungen der brasilianischen Behörden gaben an, dass "nur" knapp zehn Tonnen Asbest an Bord sein sollten - das türkische Umweltministerium hielt das aber für stark untertrieben. Denn das Schwesterschiff Clemenceau hatte vermutlich mehr als 600 Tonnen des krebserregenden Stoffes an Bord (Frankreich sprach offiziell aber von nur 45 Tonnen).

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Seit der São Paulo das Einlaufen verweigert wurde, irrt sie als "Geisterschiff" auf den Meeren herum, denn auch sonst fand sich kein Hafen, der den vom Sinken bedrohten Flugzeugträger einlaufen lässt. Daraufhin drohte die türkische Werft, das Schiff in internationalen Gewässern aufzugeben. Die São Paulo durfte deshalb nach Brasilien zurückkehren, aber auch dort bleibt ihr das Einlaufen in einen Hafen verwehrt.

An der Gefahr hat sich nichts geändert, das Risiko des Sinkens wird eher größer, da die São Paulo gleich mehrere Lecks hat. Das ist auch der Grund, warum die brasilianische Marine mitgeteilt hat, dass sie den Träger im Atlantik versenken wird: "Angesichts des sich verschlechternden Schwimmzustands und der Unvermeidbarkeit eines unkontrollierten Sinkens gibt es keine andere Möglichkeit, als den Rumpf abzusprengen und planmäßig zu versenken", teilte die Marine mit (via Reuters).

Dagegen protestieren aber zahlreiche Umweltorganisationen scharf, doch bisher erfolglos. Mitte dieser Woche lehnte ein brasilianischer Bundesrichter einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung ab. Begründung: Die Marine habe die Umweltauswirkungen gegen andere Faktoren abgewogen.

Eine Rolle spielt hier der Umstand, dass das Schiff in brasilianischen Gewässern versenkt werden soll, wonach das Basler Übereinkommen nicht zur Wirkung komme, so die Behörden und die Marine (via New York Times). Denn dieses Übereinkommen sieht an sich vor, dass Länder giftige Abfälle, die sie nicht erfolgreich ausführen können, wieder einführen müssen.

Zusammenfassung
  • Brasilianische Marine kauft altes Flugzeugträger, tickende Umwelt-Zeitbombe, darf in keinen Hafen einlaufen.
  • Asbest an Bord, Schätzungen zwischen 10 und 600 Tonnen.
  • Türkische Regierung verweigert Einlaufen, Geisterschiff irrt herum.
  • Brasilianische Marine will Schiff im Atlantik versenken.
  • Proteste von Umweltorganisationen, Richter lehnt Antrag ab.
  • Brasilianische Gewässer, Basler Übereinkommen nicht anwendbar.
  • Risiko des Sinkens wird größer, Lecks an Bord.

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