Angespielt: Diablo 4 - Blizzard liefert eine fast perfekte Enttäuschung
13 Jahre mussten Diablo 4-Fans warten und seit Juni ist das Game endlich da. Das Spielprinzip ist zwar unverändert, das Action-Rollenspiel macht aber dennoch vieles anders als der Vorgänger. Das ist lobenswert, doch Blizzard schlägt hier von einem Extrem ins andere. Unser Test dazu.
Denn Blizzard sieht Diablo 4 als bewussten Gegenentwurf zum Vorgänger. Dabei spielt weniger eine Rolle, ob die Idee von Diablo 3 funktioniert hat oder nicht - alleine ihre Existenz führt dazu, dass es Diablo 4 anders machen will. Und das ist durchaus problematisch, weil der Entwickler sich dabei immer wieder selbst verkrampft.
Nicht falsch verstehen: Das ist auch eine gute Sache, denn vielen - auch uns - war Diablo 3 schlichtweg zu bunt und comichaft. Das lag in erster Linie am Vergleich zu den ersten beiden Teilen. Diablo 4 sollte wieder realistischer, düsterer und auch blutiger werden - und im Vorfeld gab es auch kaum jemanden, der dagegen protestiert hat.
Doch nach vielen Stunden im Spiel kann man das Gefühl bekommen, dass die Entwickler bzw. Designer es hier zu "gut" gemeint haben. Denn überspitzt formuliert existieren im Spiel nur zwei Farben, nämlich Braun und Grau. Oder zumindest wurde den Designern verboten, den Regler für Farbsättigung weiter als zur Hälfte aufzudrehen.
Das sieht zwar tatsächlich düster und entsprechend atmosphärisch aus, aber leider auch ziemlich langweilig. Das merkt man nach einigen Stunden Spielzeit besonders, da alle Außenbereiche der Welt von Diablo 4 irgendwie gleich aussehen, man kann sogar von austauschbar sprechen.
Das bedeutet jetzt aber nicht, dass die Grafik schlecht aussieht, im Gegenteil. Blizzard hat viel Wert auf kleine und oftmals blutige Details gelegt, nette Animationen lockern das Gameplay auch beim normalen Durchschreiten der Spielwelt auf. Auch die Kämpfe sind hervorragend mit Animationen durchchoreografiert - wenn man angesichts der Dauer-Action denn überhaupt Zeit hat, darauf zu achten.
Gleichwertig ist es bei der Atmosphäre: Das Düstere und Blutige steht Diablo 4 wesentlich besser als die Optik des Vorgängers. Dennoch nutzt sich das Ganze auch einigermaßen schnell ab. Praktisch jede Quest und Nebenaufgabe hat grauenvolle Details zu bieten, ständig wird jemand grausam getötet oder muss ein Familienmitglied gerächt werden (oftmals beides), sodass man irgendwann einmal aufhört, sich die Dialoge anzuhören und durchzulesen.
Denn bekanntlich kann man in diesem Blizzard-Spiel nur dann vorankommen, wenn man die eigene Ausrüstung ständig optimiert und verbessert. Denn nur dann kann man - vor allem auf den höheren Schwierigkeitsstufen - die wieder deutlich härteren Gegner und Bosse meistern.
Das Besiegen von Gegnern, Öffnen von Schatztruhen sowie (das viel zu seltene) Auftauchen des Schatzgoblins und freudige Warten darauf, welche Gegenstände der besiegte Elite-Gegner hinterlassen wird oder könnte, ist und bleibt die zentrale Mechanik des Spiels. Und hier ist wohl jeder Genre-Fan von der ersten Sekunde und dem ersten legendären Item angefixt.
Eine spannende Funktion ist hier die neue Möglichkeit, beim Okkultisten - zielgerichtet - seine eigenen legendären Gegenstände zu erschaffen, indem man in Dungeons freigespielte Fähigkeiten bzw. Aspekte mit Rüstungen und Waffen kombiniert, die man gefunden hat. Schade hingegen ist, dass es in Diablo 4 keine Set-Gegenstände gibt. Die gute Nachricht: Diese sollen zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.
Das Gegenteil von Diablo 4 ist Diablo 3
Diablo 3: Dieses Spiel steht am Anfang von Diablo 4. "Duh", wird nun jeder überkritische Leser sagen, und "zählen können sie bei WinFuture wenigstens" spotten. Dennoch muss man den Vorgänger praktisch bei jedem Punkt, über den man bei Diablo 4 spricht, erwähnen. Mehr noch: Diablo 3 definiert praktisch alles, was Blizzard bei Diablo 4 macht - und das ist nicht immer eine gute Idee.Denn Blizzard sieht Diablo 4 als bewussten Gegenentwurf zum Vorgänger. Dabei spielt weniger eine Rolle, ob die Idee von Diablo 3 funktioniert hat oder nicht - alleine ihre Existenz führt dazu, dass es Diablo 4 anders machen will. Und das ist durchaus problematisch, weil der Entwickler sich dabei immer wieder selbst verkrampft.
Düster, düsterer, Diablo 4
Das vielleicht beste Beispiel ist die Optik. Das ist sicherlich die offensichtlichste Änderung, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer Diablo 4 zum ersten Mal startet und zu spielen beginnt, der sieht schnell, wenn nicht sogar sofort, dass der neueste Höllentrip fundamental anders aussieht.Nicht falsch verstehen: Das ist auch eine gute Sache, denn vielen - auch uns - war Diablo 3 schlichtweg zu bunt und comichaft. Das lag in erster Linie am Vergleich zu den ersten beiden Teilen. Diablo 4 sollte wieder realistischer, düsterer und auch blutiger werden - und im Vorfeld gab es auch kaum jemanden, der dagegen protestiert hat.
Doch nach vielen Stunden im Spiel kann man das Gefühl bekommen, dass die Entwickler bzw. Designer es hier zu "gut" gemeint haben. Denn überspitzt formuliert existieren im Spiel nur zwei Farben, nämlich Braun und Grau. Oder zumindest wurde den Designern verboten, den Regler für Farbsättigung weiter als zur Hälfte aufzudrehen.
Das sieht zwar tatsächlich düster und entsprechend atmosphärisch aus, aber leider auch ziemlich langweilig. Das merkt man nach einigen Stunden Spielzeit besonders, da alle Außenbereiche der Welt von Diablo 4 irgendwie gleich aussehen, man kann sogar von austauschbar sprechen.
Das bedeutet jetzt aber nicht, dass die Grafik schlecht aussieht, im Gegenteil. Blizzard hat viel Wert auf kleine und oftmals blutige Details gelegt, nette Animationen lockern das Gameplay auch beim normalen Durchschreiten der Spielwelt auf. Auch die Kämpfe sind hervorragend mit Animationen durchchoreografiert - wenn man angesichts der Dauer-Action denn überhaupt Zeit hat, darauf zu achten.
Gleichwertig ist es bei der Atmosphäre: Das Düstere und Blutige steht Diablo 4 wesentlich besser als die Optik des Vorgängers. Dennoch nutzt sich das Ganze auch einigermaßen schnell ab. Praktisch jede Quest und Nebenaufgabe hat grauenvolle Details zu bieten, ständig wird jemand grausam getötet oder muss ein Familienmitglied gerächt werden (oftmals beides), sodass man irgendwann einmal aufhört, sich die Dialoge anzuhören und durchzulesen.
Horror oder an der Grenze zur Parodie?
Auch wenn es abgedroschen klingt: Auch hier wäre weniger mehr gewesen. Richtig guter Horror funktioniert dann am besten, wenn sich der Zuseher in Sicherheit wiegt und dann aus heiterem Himmel der Schockmoment kommt. Zur Parodie verkommt Horror hingegen, wenn wie in Peter Jacksons Braindead ein konstanter "Strom" an Blut und Gedärmen zu sehen ist. Das ist im Fall von Braindead höchst unterhaltsam und zum Brüllen komisch, aber nicht im Sinne der Erfinder von Diablo.Irgendwas mit Hölle
Auch bei der Hauptstory kommen wir nicht um Kritik herum: Lilith ist zwar ein hervorragender Bösewicht und man weiß lange nicht, was sie eigentlich vorhat (vielleicht waren wir aber auch nur abgelenkt). Das hat sicherlich viel Reiz, letztlich zieht sich die Story aber doch einigermaßen zäh durch ihre sechs Akte. Nach dem ersten Durchspielen werden viele froh sein, diese "Arbeit" nicht länger absolvieren zu müssen, sondern die Story-Zwischensequenzen ohne schlechtes Gewissen überspringen zu können.Die gute alte Sucht
Viele werden die Story-Sequenzen und Side-Quests aber ohnehin bereits beim ersten Mal überspringen, denn die Diablo-Story ist ganz klassisch mit der fast schon sprichwörtlichen Handlung eines Pornofilmes vergleichbar: Kann man haben, ein Muss ist sie für den Genuss nicht. So werden alle, die so weit gelesen haben, zweifellos bestätigen können: Diablo lebt in erster Linie von der guten alten Sammelsucht (und, hust, von den monotonen Handbewegungen).Denn bekanntlich kann man in diesem Blizzard-Spiel nur dann vorankommen, wenn man die eigene Ausrüstung ständig optimiert und verbessert. Denn nur dann kann man - vor allem auf den höheren Schwierigkeitsstufen - die wieder deutlich härteren Gegner und Bosse meistern.
Das Besiegen von Gegnern, Öffnen von Schatztruhen sowie (das viel zu seltene) Auftauchen des Schatzgoblins und freudige Warten darauf, welche Gegenstände der besiegte Elite-Gegner hinterlassen wird oder könnte, ist und bleibt die zentrale Mechanik des Spiels. Und hier ist wohl jeder Genre-Fan von der ersten Sekunde und dem ersten legendären Item angefixt.
Eine spannende Funktion ist hier die neue Möglichkeit, beim Okkultisten - zielgerichtet - seine eigenen legendären Gegenstände zu erschaffen, indem man in Dungeons freigespielte Fähigkeiten bzw. Aspekte mit Rüstungen und Waffen kombiniert, die man gefunden hat. Schade hingegen ist, dass es in Diablo 4 keine Set-Gegenstände gibt. Die gute Nachricht: Diese sollen zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht werden.
Wochenlange Experimente mit Skills
Kein Aber haben wir beim Thema Fähigkeiten und dem Talentbaum zu bieten. Denn in der zweiten Kerndisziplin macht Blizzard dieses Mal alles richtig. Denn die jeweiligen Klassen haben schier unzählige Möglichkeiten zu unterschiedlichen Builds, nach dem arg simplifizierten System von Diablo 3 bietet der aktuelle Teil wieder enorme Tiefe. Man kann herrlich experimentieren und auch kuriose Lösungen erschaffen, stundenlang YouTube-Videos ansehen, um einen möglichst starken Build zu finden und auch kleine Fehler machen, die alles zunichtemachen.
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