Nach Mord an der Tankstelle:
Freude und Häme in "Querdenken"-Chats
Ereignisse, die viele Menschen erschüttert zurücklassen, zeigen immer deutlicher, dass in einigen Kreisen die Decke der Zivilisation sehr dünn geworden ist. Die so genannte Querdenker-Szene feiert in ihren Social Media-Kanälen aktuell den Mord an einem Studenten.
Das Opfer arbeitete, wohl zur Finanzierung seines Studiums, an einer Tankstelle in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz. Am Samstagabend wollte ein 49-Jähriger Mann dort nach den bisherigen Erkenntnissen Bier kaufen und wurde von dem Studenten aufgefordert, gemäß der Infektionsschutzverordnung im Verkaufsraum eine Maske zu tragen. Statt dem nachzukommen, verließ er die Tankstelle, kehrte etwas später wieder und erschoss den Verkäufer.
In der Redaktion des Berliner Tagesspiegels hat man es nun auf sich genommen, einen Blick in die einschlägigen Telegram-Gruppen zu werfen, in denen sich eine wilde Mischung aus Anhängern diverser Verschwörungsmythen, Esoterikern und Rechtsradikalen tummelt. Die Reaktionen dort zeugen von einem fortgeschrittenen Grad an Menschenverachtung. Die Äußerungen reichen von völligem Verständnis für den mutmaßlichen Täter bis hin zu der Annahme, dass dies nun das langersehnte Signal für einen Umsturz sein könnte.
Screenshots aus Telegram-Gruppen
"Kein Mitleid. Die Leute immer mit dem Maskenscheiß nerven. Da dreht irgendwann mal einer durch. Gut so", heißt es in einem Kanal beispielsweise. Ein anderer findet: "Wenns die richtigen trifft, hab ich nichts dagegen." Anderswo glaubt man an die genannte Signalwirkung: "Jetzt geht's los!!!". Schon mehrfach haben Anhänger der Szene geglaubt, dass der lang ersehnte Tag gekommen ist, an dem eine vermeintlich existente Mehrheit der Regierung die Macht entreißt.
Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen sieht es allerdings ganz danach aus, dass genau die Situation eingetreten ist, die Beobachter der Querdenken-Szene schon länger befürchteten. Die Anhänger entfernen sich immer weiter von der Realität und radikalisieren sich in ihren Telegram-Kanälen so stark, dass irgendwann jemand zur Waffe greift. Dieses Muster ist schon mehrfach in anderen Zusammenhängen aufgetreten, in denen rechte Ideologien sich immer weiter hochschaukeln und letztlich vermeintliche Einzeltäter zuschlagen.
Siehe auch: Facebook schmeißt rund 150 "Querdenken"-Accounts und -Gruppen raus
In der Redaktion des Berliner Tagesspiegels hat man es nun auf sich genommen, einen Blick in die einschlägigen Telegram-Gruppen zu werfen, in denen sich eine wilde Mischung aus Anhängern diverser Verschwörungsmythen, Esoterikern und Rechtsradikalen tummelt. Die Reaktionen dort zeugen von einem fortgeschrittenen Grad an Menschenverachtung. Die Äußerungen reichen von völligem Verständnis für den mutmaßlichen Täter bis hin zu der Annahme, dass dies nun das langersehnte Signal für einen Umsturz sein könnte.
Screenshots aus Telegram-Gruppen
"Kein Mitleid. Die Leute immer mit dem Maskenscheiß nerven. Da dreht irgendwann mal einer durch. Gut so", heißt es in einem Kanal beispielsweise. Ein anderer findet: "Wenns die richtigen trifft, hab ich nichts dagegen." Anderswo glaubt man an die genannte Signalwirkung: "Jetzt geht's los!!!". Schon mehrfach haben Anhänger der Szene geglaubt, dass der lang ersehnte Tag gekommen ist, an dem eine vermeintlich existente Mehrheit der Regierung die Macht entreißt.
Auch False Flag-Mythen
Zu finden sind darüber hinaus natürlich auch diverse andere Strömungen - so beispielsweise jene, die an eine "False flag"-Operation glauben. So wird in einer Gruppe namens "Servus Deutschland" darüber gemutmaßt, dass es sich in Wahrheit um eine Aktion der Bundesregierung handelt, mit der Stimmung gegen Menschen gemacht werden soll, die sich nicht impfen lassen wollen. Die Querdenken Darmstadt-Gruppe sieht hingegen einen Versuch, die kommende Wahl noch kurzfristig zu beeinflussen.Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen sieht es allerdings ganz danach aus, dass genau die Situation eingetreten ist, die Beobachter der Querdenken-Szene schon länger befürchteten. Die Anhänger entfernen sich immer weiter von der Realität und radikalisieren sich in ihren Telegram-Kanälen so stark, dass irgendwann jemand zur Waffe greift. Dieses Muster ist schon mehrfach in anderen Zusammenhängen aufgetreten, in denen rechte Ideologien sich immer weiter hochschaukeln und letztlich vermeintliche Einzeltäter zuschlagen.
Siehe auch: Facebook schmeißt rund 150 "Querdenken"-Accounts und -Gruppen raus
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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