Neuer Staatstrojaner bringt Smartphones komplett unter Kontrolle

Ein neuer Staatstrojaner, der mit hoher Sicherheit vom italienischen Hersteller Hacking Team stammt, ermöglicht Regierungsorganisationen einen umfassenden Zugang zu infizierten Smartphones. Entdeckt wurde die Malware vom Security-Unternehmen Kaspersky und dem Citizen Lab.
Trojaner, Antivirus, Bundestrojaner
Warner Bros
Die Spionage-Software wird laut einem Bericht der Partner unter dem Namen Remote Control System (RCS) an staatliche Stellen in aller Welt verkauft. Auf Wunsch erhalten diese dabei wahlweise Fassungen, mit denen die Plattformen Android, iOS, Blackberry und Windows Mobile, wobei letztere darauf hinweist, dass das Tool schon seit einiger Zeit besteht.

Darauf deutet aber auch die Verbreitung hin, denn diese ist größer als die anderer entsprechender Tools - zumindest von dem, was bisher nachgewiesen werden konnte. Bei der Analyse der Malware zeigte sich zumindest eine ganze Reihe von weltweit verteilten Kontroll-Servern, die von RCS genutzt werden, um Informationen zurückzusenden. Die meisten davon stehen in den USA. Hier sind es immerhin 64. Hinzu kommen aber auch 49 Stück in Kasachstan, 35 in Ecuador, 32 in Großbritannien, 24 in Kanada und 15 in China.

Die Wanze ist immer dabei

Auch Deutschland ist mit zwei Servern in der langen Liste von Staaten vertreten. Das bedeutet aber wohl nicht zwingend, dass die Behörden, die den Staatstrojaner einsetzen, auch in diesen Ländern zu finden sind. Allerdings sind staatliche Stellen durchaus auch dafür bekannt, Server eher im Rechtsbereich ihres Landes anzubinden.

RCS bringt es nicht nur auf eine hohe Verbreitung, sondern auch auf einen umfassenden Funktionsumfang. Ein infiziertes Smartphone wird faktisch vollständig unter die Kontrolle des Angreifers gestellt. Dieser kann dann Daten auslesen und mit Kamera und Mikrofon die Umgebung des Mobiltelefons überwachen. Weitere Module sorgen dafür, dass die GPS-Positionen und Messenger-Gespräche mitgeloggt und an die Kontrollserver übermittelt werden.

Eine Infektion erfolgt in der Regel, indem die Malware in eine App eingebettet wird, die man dem Anwender dann unterschiebt. Etwas problematisch stellt sich dabei aber wohl der Angriff auf iOS-Geräte heraus. Denn ohne Jailbreak geht hier laut der Analyse nichts.
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