EU-Studie will illegale Streams in maximal 30 Minuten geblockt sehen

Eine neue Studie für das EU-Parlament fordert ein hartes Vorgehen gegen illegale Sport-Streams. Die Übertragungen sollen europaweit innerhalb von 30 Minuten zwingend gesperrt werden. Dabei rücken auch VPN-Anbieter ins Visier.
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EU-Studie fordert schnelle Netzsperren

Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat eine neue Untersuchung vorgelegt, die ein härteres Vorgehen gegen illegale Livestreams von Sportereignissen empfiehlt. Laut dem Autor der Studie, Professor Giovanni Maria Riccio, reichen die bisherigen freiwilligen Richtlinien der Europäischen Union nicht aus. Er fordert, dass illegale Übertragungen künftig verbindlich innerhalb von 30 Minuten nach Meldung der Rechteinhaber blockiert werden müssen.

Um das Ziel zu erreichen, sollen nicht nur klassische Internetanbieter in die Pflicht genommen werden. Die Studie fordert nämlich, die Sperrmaßnahmen auf die gesamte technische Infrastruktur auszuweiten. Dazu gehören VPN-Dienste, Content Delivery Networks sowie Betreiber von DNS-Servern wie Google oder Cloudflare. Die betroffenen Unternehmen müssten den Zugang zu unrechtmäßigen Inhalten in Echtzeit unterbinden, solange das jeweilige Event noch läuft.


Vorbild ist das italienische Modell

Wie TorrentFreak berichtet, orientieren sich die Vorschläge stark an der Gesetzgebung in Italien. Dort wurde bereits das System Piracy Shield etabliert, das von der Kommunikationsbehörde AGCOM überwacht wird. Die aktuelle Untersuchung empfiehlt, dass jeder EU-Mitgliedsstaat eine ähnlich unabhängige Behörde einrichtet. Diese Instanzen sollen die Einhaltung der strengen Zeitvorgaben bei den Netzsperren kontrollieren und die Maßnahmen länderübergreifend koordinieren.

Die vorgeschlagenen Methoden bergen jedoch hohe technische Risiken. Netzsperren auf Basis von IP-Adressen oder DNS-Einträgen gelten oft als unpräzise. Da sich teilweise Hunderte legitime Webseiten eine einzige IP-Adresse mit einem illegalen Stream teilen, kommt es regelmäßig zum sogenannten Overblocking, also zu Unrecht gesperrten Seiten. In der jüngeren Vergangenheit führten derartige Maßnahmen in Spanien und Italien dazu, dass unbeteiligte Dienste, Schul-Webseiten oder Netzwerke von Hilfsorganisationen fälschlicherweise komplett blockiert wurden.

Ursachen der Piraterie bleiben bestehen

Neben den technischen Hürden beleuchtet die Untersuchung auch die tieferen Gründe für das Verhalten der Nutzer. Demnach treibe das stark fragmentierte und oft teuer gewordene Angebot an legalen Sportübertragungen viele Menschen in die Piraterie. Wenn Fans mehrere kostenintensive Abonnements abschließen müssen, um ihre favorisierten Ligen zu verfolgen, helfen auch die schnellsten Netzsperren kaum gegen das grundsätzliche Konsumproblem.

Bislang handelt es sich bei dem Papier lediglich um eine externe Beratung für das EU-Parlament und nicht um einen konkreten Gesetzentwurf. Da die Europäische Kommission jedoch derzeit die Urheberrechtsrichtlinien überarbeitet, könnten die Ergebnisse der Studie in zukünftige Gesetze einfließen. Gutheißen kann man das wohl nicht, denn Verbraucherschützer und Netzaktivisten befürchten in dem Fall weitreichende Einschränkungen der digitalen Privatsphäre und einen gefährlichen Präzedenzfall für die generelle Kontrolle des Internets.

Was haltet ihr von den geforderten 30-Minuten-Sperren für Live-Sport? Seht ihr darin eine Gefahr für das freie Internet oder einen nötigen Schritt? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Eine neue EU-Studie empfiehlt schnellere Sperren für Sport-Piraterie
  • Illegale Live-Übertragungen sollen binnen 30 Minuten gesperrt werden
  • Sperrmaßnahmen sollen auch VPN-Dienste und DNS-Betreiber betreffen
  • Als Vorbild dient das italienische Netzsperren-System Piracy Shield
  • Experten warnen vor Overblocking und fälschlich gesperrten Webseiten
  • Teure und zerstückelte legale Abonnements treiben Fans zur Piraterie

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