Groß und komplex: Stromerzeugung per Kernfusion wird zu teuer
Forscher wecken Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Kernfusion. Selbst wenn entsprechende Anlagen irgendwann wirklich zur Stromproduktion eingesetzt werden könnten, werden sie schlicht zu teuer sein, um konkurrieren zu können.
Die Studie zeigt, dass sogenannte Lernraten - also die Kostenreduktion bei wachsender Verbreitung einer Technologie - für Fusionskraftwerke wahrscheinlich nur zwischen zwei und acht Prozent liegen. Bisherige Prognosen gingen oft von deutlich höheren Werten von bis zu 20 Prozent aus. Damit würden die Kosten langsamer sinken als in vielen Szenarien angenommen, die der Kernfusion eine zentrale Rolle im Energiesystem der Zukunft zuschreiben.
Grundlage der Untersuchung ist ein Vergleich technologischer Eigenschaften. Demnach zeichnen sich Fusionskraftwerke durch besonders große Anlagengrößen, eine extrem hohe technische Komplexität und einen gewissen Anpassungsbedarf an Standortbedingungen aus. Diese Kombination ist aus anderen Industrien bekannt und dort typischerweise mit geringeren Lernraten verbunden.
Die beiden wichtigsten Ansätze, magnetische und laserbasierte Fusion, weisen laut den Experten ähnliche Herausforderungen auf. Beide benötigen komplexe Systeme mit vielen voneinander abhängigen Komponenten, etwa zur Erzeugung und Kontrolle des Plasmas oder zur präzisen Brennstoffzufuhr. Diese technische Verzahnung erschwert schnelle Verbesserungen und eine kostengünstige Standardisierung.
Die Autoren warnen, dass zu optimistische Kostenannahmen Investitionsentscheidungen und energiepolitische Planungen verzerren könnten. Stattdessen plädieren sie für realistischere Modelle und mehr Forschung an alternativen Fusionskonzepten, die möglicherweise geringere Komplexität und damit bessere Kostensenkungspotenziale bieten. Trotz großer Hoffnungen und milliardenschwerer Investitionen bleibt die Kernfusion damit vorerst eine Technologie mit ungewisser wirtschaftlicher Perspektive und wohl kein kurzfristiger Heilsbringer für die Energiewende.
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Lernraten sind viel zu gering
Laut der Analyse der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich werden die Kosten von Fusionskraftwerken deutlich langsamer sinken als bislang angenommen. Damit könnte die Technologie eine geringere Rolle in zukünftigen klimaneutralen Energiesystemen spielen als erhofft.Die Studie zeigt, dass sogenannte Lernraten - also die Kostenreduktion bei wachsender Verbreitung einer Technologie - für Fusionskraftwerke wahrscheinlich nur zwischen zwei und acht Prozent liegen. Bisherige Prognosen gingen oft von deutlich höheren Werten von bis zu 20 Prozent aus. Damit würden die Kosten langsamer sinken als in vielen Szenarien angenommen, die der Kernfusion eine zentrale Rolle im Energiesystem der Zukunft zuschreiben.
Grundlage der Untersuchung ist ein Vergleich technologischer Eigenschaften. Demnach zeichnen sich Fusionskraftwerke durch besonders große Anlagengrößen, eine extrem hohe technische Komplexität und einen gewissen Anpassungsbedarf an Standortbedingungen aus. Diese Kombination ist aus anderen Industrien bekannt und dort typischerweise mit geringeren Lernraten verbunden.
Die beiden wichtigsten Ansätze, magnetische und laserbasierte Fusion, weisen laut den Experten ähnliche Herausforderungen auf. Beide benötigen komplexe Systeme mit vielen voneinander abhängigen Komponenten, etwa zur Erzeugung und Kontrolle des Plasmas oder zur präzisen Brennstoffzufuhr. Diese technische Verzahnung erschwert schnelle Verbesserungen und eine kostengünstige Standardisierung.
Sogar teurer als Kernkraft
Hinzu kommt, dass die Anfangsinvestitionen enorm hoch sein dürften. Schätzungen für erste kommerzielle Anlagen reichen von rund 1.400 bis zu 43.000 Dollar (etwa 1.288 bis 39.560 Euro) pro Kilowatt Leistung. Allein die enorme Spannbreite spiegelt die Unsicherheit in der Branche wider. Selbst bei optimistischen Annahmen könnten Fusionskraftwerke daher langfristig teurer bleiben als alternative CO₂-arme Energiequellen wie die ohnehin sehr teure Kernspaltung, Wasserkraft oder Geothermie.Die Autoren warnen, dass zu optimistische Kostenannahmen Investitionsentscheidungen und energiepolitische Planungen verzerren könnten. Stattdessen plädieren sie für realistischere Modelle und mehr Forschung an alternativen Fusionskonzepten, die möglicherweise geringere Komplexität und damit bessere Kostensenkungspotenziale bieten. Trotz großer Hoffnungen und milliardenschwerer Investitionen bleibt die Kernfusion damit vorerst eine Technologie mit ungewisser wirtschaftlicher Perspektive und wohl kein kurzfristiger Heilsbringer für die Energiewende.
Zusammenfassung
- ETH Zürich bezweifelt die Wirtschaftlichkeit von Fusionskraftwerken
- Lernraten liegen nur bei zwei bis acht Prozent statt erhoffter zwanzig
- Große Anlagen und hohe Komplexität erschweren Kostensenkungen deutlich
- Magnetische und laserbasierte Fusion haben ähnliche Herausforderungen
- Anfangsinvestitionen reichen von 1.400 bis 43.000 Dollar pro Kilowatt
- Fusionskraftwerke könnten langfristig teurer als Alternativen bleiben
- Kernfusion bleibt vorerst kein Heilsbringer für die Energiewende
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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