35 Jahre nach dem Ausstieg:
Italien will wieder Atomkraftwerke bauen

Die italienische Regierung strebt die Wiedereinführung der Nutzung der Kernenergie an. Als ersten Schritt lädt man verschiedene Behörden, Institutionen und Unternehmen zu einem koordinierenden Treffen ein.
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Plattform soll Rahmen umreißen

Am 21. September soll sich die "Nationale Plattform für nachhaltige Kernenergie" erstmals treffen und damit beginnen, einen möglichen Rahmen für die erneute Einführung der Kernkraftnutzung in Italien auszuarbeiten. Das teilte der Minister für Umwelt und Energiesicherheit, Gilberto Pichetto Fratin (Forza Italia), mit.

Die "Plattform" soll als Bindeglied und Koordinierungsstelle zwischen den verschiedenen nationalen Akteuren fungieren, die auf unterschiedliche Weise mit der Kernenergie, der Sicherheit und dem Strahlenschutz sowie den radioaktiven Abfällen zu tun haben. Ziel sei vor allem die Entwicklung von Technologien mit möglichst geringen Umweltauswirkungen und hohen Sicherheits- und Nachhaltigkeitsstandards. Infografik Stromerzeugung: Folgekosten von Atomstrom am höchstenStromerzeugung: Folgekosten von Atomstrom am höchsten Die italienische Regierung, die von einer Koalition mehrerer rechter Parteien gebildet wird, stößt damit in die gleiche Kerbe wie auch verschiedene andere Kräfte des rechten Lagers in Europa. Auch hierzulande wird die Kernkraft von AfD, FDP und Teilen der Union immer wieder in Stellung gebracht, obwohl Union und FDP den Ausstieg selbst vollzogen hatten. Auch Schweden plante einen deutlichen Ausbau, inzwischen ist die Ankündigung zehn neuer Atommeiler aber stillschweigend von der Regierungsseite verschwunden - die Kraftwerke kämen zu spät und wären viel zu teuer, so die neue Einschätzung.

Neuer Volksentscheid

In Italien kann die amtierende Regierung allerdings nicht einfach eigenständig einen Einstieg in die Kernkraftnutzung beschließen und umsetzen. Denn das Land hatte sich nach dem GAU im Atomkraftwerk Tschernobyl mit einer Volksabstimmung für einen Ausstieg entschieden. Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega hatte daher bereits vor einiger Zeit erklärt, erneut eine Volksabstimmung durchführen zu wollen.

Der Trend in Richtung Kernkraft stellt dabei die Gegenbewegung zur Umstellung auf eine Energieerzeugung aus regenerativen Quellen dar. Dabei geht es vor allem um zwei gegensätzliche wirtschaftliche Ansätze. Während die Kernkraft ausschließlich durch große Energiekonzerne betrieben werden kann, der dann auch die Erträge zufließen, setzt die Nutzung regenerativer Quellen auf eine dezentrale Erzeugung bei zahlreichen Unternehmen aller Größenordnungen und auch Privatpersonen, sodass sich die Gewinne breit verteilen.

Zusammenfassung
  • Italien strebt Wiedereinführung der Kernenergie an
  • Nationale Plattform für nachhaltige Kernenergie soll Rahmen schaffen
  • Plattform dient als Koordinierungsstelle zwischen nationalen Akteuren
  • Ziel: Entwicklung von Technologien mit geringen Umweltauswirkungen
  • Rechte Parteien in Italien und Europa unterstützen Kernkraft
  • Volksabstimmung in Italien über Kernkraftnutzung notwendig
  • Kernkraftausstieg Italiens 1987 durch Volksabstimmung, 1990 vollzogen

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