IAA: Deutsche Autobranche verliert ihr Heimspiel an die Chinesen

Die Zeiten, in denen die deutschen Automobilbauer ihrer heimatlichen Leistungsschau auf der IAA entgegenfieberten, dürften vorbei sein. Denn vor dem morgigen Start der Automesse deutet sich bereits an, dass die Veranstaltung eher zu einer großen China-Show mutiert.
China, Auto, Elektroautos, Elektroauto, E-Auto, EV, Geely, Galaxy Light
Geely

Andeutung gab es schon

Als die Messe vor zwei Jahren aus ihrer Coronapause kam und mit neuem Konzept in München an den Start ging, waren die hierzulande noch fast unbekannten Hersteller aus Fernost bereits auffällig präsent. "Was vor zwei Jahren zu sehen war, war erst der Anfang", erklärte Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management (CAM), gegenüber der Wirtschaftswoche.

Die chinesischen E-Auto-Produzenten waren damals Neulinge, die mit vielversprechenden Konzepten und Modellen antraten. Inzwischen sind sie etablierte Konkurrenten für die deutschen Konzerne, die ihnen ihren wichtigsten Markt - eben China - streitig machen. Während VW beispielsweise bei Verbrennern auch in dem riesigen Land der Platzhirsch war, kommen die Wolfsburger bei Elektroautos nicht annähernd auf die Absatzzahlen der chinesischen Wettbewerber.


Dabei können die chinesischen Produzenten nicht nur durch den Preis vorangehen - Branchenkenner rechnen bereits damit, dass sie die deutschen Anbieter auch im Hinblick auf Innovationen ausstechen könnten - oder zumindest mit ihnen mithalten. Darauf wiesen zuletzt bereits verschiedene Untersuchungen hin.

Sprungbrett nach Europa

Die Folge dessen könnte nach der Messe zu erleben sein. Denn längst wird damit gerechnet, dass die chinesischen Hersteller die diesjährige IAA vor allem auch nutzen werden, um in größerem Maßstab in den europäischen Markt einzusteigen. Sowohl BYD als auch einige andere Hersteller arbeiten immerhin bereits seit einiger Zeit daran, hierzulande auch ein Vertriebs- und Servicenetz zu etablieren.

Auch in der deutschen Industrie ist man sich der Gefahren durch die neuen Konkurrenten sehr wohl bewusst. Hildegard Müller, Präsidentin des Branchenverbandes VDA, sieht die Ursache für die Probleme der hiesigen Hersteller aber nicht bei diesen selbst, sondern bei fehlenden Reformen in Deutschland. Neben den Dauerbrennern wie Überregulierung und zu langsamen politischen Entscheidungen, beklagte sie vor allem, dass man mit den "höchsten Energiekosten" zu kämpfen habe. Das allerdings stimmt bei genauerer Betrachtung nicht: Die Ausgaben für Strom sind im europäischen Vergleich eher Mittelklasse - und für die Werke in China, die nicht mit den dortigen Konkurrenten mitkommen, sind die Energiepreise hierzulande ohnehin zu vernachlässigen.

Zusammenfassung
  • IAA könnte eher zu großer China-Show werden
  • Chinesische E-Auto-Produzenten sind etablierte Konkurrenten
  • Deutsche Autobauer können bei E-Autos in China nicht mithalten
  • Chin. Hersteller könnten deutsche Anbieter bei Innovationen ausstechen
  • Erwartung, dass chinesische Hersteller IAA für Markteintritt in Europa nutzen
  • Deutsche Industrie sieht Gefahren durch neue Konkurrenten
  • VDA-Präsidentin Müller beklagt fehlende Reformen und hohe Energiekosten

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Hager E-Ladestation im Preisvergleich
Derzeit keine Angebote im Preisvergleich
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!