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Senf dazu: Netflix blamiert sich, nimmt Anti-Sharing-FAQ zurück

Netflix sucht schon lange nach Wegen, wie man das Teilen des Kontos einschränken kann. Nun schien man eine Lösung ge­fun­den zu haben und die war knallhart. Allerdings war sie auch al­les andere als durchdacht und wurde schnell wieder zu­rück­ge­nom­men. Für Net­flix ist das blamabel.
Winfuture, Kommentar, Senf dazu
Bei Netflix lief es im Vorjahr alles andere als gut. Der Streaming-Riese verlor in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen erstmals in seiner jüngeren Geschichte Abonnenten. Also beschloss man, nach Wegen zu suchen, wie man Leute zum Abschluss eines Abos bringen und auch zwingen kann. Denn viele teilen sich aus Kostengründen einen Zugang.

Kein Wunder: Das Premium-Abo kostet mittlerweile 18 Euro im Monat, gleichzeitig werden die Inhalte aber auch nicht mehr oder besser. Im Gegenteil: Aus Kostengründen schraubt Netflix die aufwendigen Produktionen immer mehr zurück, dafür werden billig produzierte Reality-Inhalte immer mehr. Es ist kein Wunder, dass sich so mancher denkt, dass ihm das keine 18 Euro im Monat wert ist bzw. er oder sie sich ein Abo in Zeiten der Rezession nicht leisten kann.

Netflix 2017: "Passwort-Teilen ist Liebe"

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Netflix vor Jahren selbst mehr oder weniger direkt für das Teilen des Passworts geworben hat, denn 2017 schrieb man: "Liebe bedeutet, ein Passwort zu teilen." Sei's drum, rein rechtlich bzw. hinsichtlich der AGB spielt das keine Rolle, externes Konto-Sharing ist nicht erlaubt.


Doch die diese Woche präsentierte Lösung war ein Schuss ins eigene Knie: Netflix veröffentlichte eine FAQ, die zwar Konto-Sharing deutlich erschwerte, aber auch die legale Nutzung extrem unbequem und umständlich machte. So sollte man Netflix auf Reisen auf externen bzw. fremden Geräten wie dem Hotel-TV nur mit einem Einmal-Code nutzen können, dieser sollte gerade einmal sieben Tage lang gültig sein (und auch dann zum Einsatz kommen, wenn man gesperrt wird).

Dazu kam, dass man sich einmal im Monat übers eigene Netzwerk bzw. WLAN verifizieren musste. Konsequenz bei Verstößen war die Sperre des Kontos - allerdings war nicht klar, ob das Konto komplett oder nur der Zugang von außen blockiert werden sollte.

Doch offenbar kam man bei Netflix schnell darauf, dass das eine mehr als dumme Idee war: Denn heute ist die FAQ nicht mehr so hart formuliert, die neuen strengen Maßnahmen wurden wieder entfernt. Kein Wunder: Denn eine derartig restriktive Maßnahme hätte Kunden nur verschreckt. Man hätte vermutlich mehr Abonnenten wegen der drohenden Unannehmlichkeiten verloren, als man durch das Sharing-Verbot gewonnen hätte. Denn es ist völlig unklar, wie viele Menschen man zu einem eigenen Abo motiviert hätte - vermutlich nicht viele.

Zuerst denken, dann sperren

Und das alles hätte man auch vorher wissen können und müssen. Man kann wohl ausschließen, dass hier ein Praktikant eine neue FAQ geschrieben hat, "mausgerutscht" ist und sie ohne das Wissen des Managements freigeschaltet hat.

Netflix war einst ein Hoffnungsträger für eine zentrale Anlaufstelle für alle Inhalte, die das Serien- und Film-Herz begehrt. Heute ist man aber nur noch ein Schatten seiner selbst. Dafür kann man zum Teil nichts, denn die Fragmentierung und die Konkurrenz setzt dem Streaming-Pionier zweifellos enorm zu. Nun verspielt man aber mit unüberlegten, ja schlicht dummen Aktionen die Sympathie vieler Kunden. Deshalb darf man sich auch nicht wundern, wenn die irgendwann einmal das Weite suchen.

Zusammenfassung
  • Netflix versuchte Konto-Sharing einzuschränken: Lösung schnell wieder entfernt.
  • Kosten steigen, Inhalte schlechter: viele teilen sich einen Zugang.
  • Einmal-Code nur 7 Tage gültig, Konto-Sperre bei Verstößen.
  • Netflix hatte früher selbst für Konto-Sharing geworben.
  • Unüberlegte, dumme Aktionen verspielen Kunden-Sympathie.
  • Netflix ist nur noch ein Schatten seiner selbst.
  • Kunden suchen das Weite, wenn man sie verschreckt.

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