Senf dazu: Sony erhöht den PS5-Preis und nennt Abzocke "Inflation"
Heute hat Sony für einen Knalleffekt gesorgt: Denn man hat angekündigt, den Preis der PlayStation 5 um satte 50 Euro anzuheben. Das sind bei der PS5 mit Laufwerk 10 % mehr, bei der Digital-PS5 sind es sogar 12,5 %. Sony beruft sich auf Inflation. Wir sagen: Es ist Abzocke.
Freilich, so viel gleich vorweg: Sony hat jedes Recht, seine Preise so zu gestalten, wie man es möchte. Wenn man meint, dass es eine gute Idee ist, an den immer noch schwer verfügbaren Konsolen mehr zu verdienen, dann ist das auch völlig legitim. Denn nein, der Sony-Slogan "For The Players" war schon immer bloß PR, bei (jedem) börsennotierten Unternehmen gilt: "For The Shareholders", also die Aktionäre.
Doch bitte erspart uns schwache Ausreden wie den Verweis auf die aktuelle, für das Unternehmen schwierige Wirtschaftslage sowie die Inflation. Denn auch wenn es eine Milchmädchenrechnung ist: Das Argument geht überhaupt nicht auf, vor allem nicht in Höhe von 50 Euro. Die Rechtfertigung für PlayStation-Chef Jim Ryan ist jedenfalls folgende: "Wir beobachten weltweit hohe Inflationsraten und ungünstige Währungstrends, die sich auf die Verbraucher auswirken und Druck auf viele Branchen ausüben."
Das klingt auf den ersten Blick auch irgendwie nachvollziehbar, schließlich ist die Weltwirtschaft auch ein immens komplexes Konstrukt. Doch sieht man sich einige der Zahlen an (noch mal: per Milchmädchenrechnung), dann geht das vorn und hinten nicht auf.
Aber noch einmal: Währungseffekte sind ebenfalls eine komplexe Angelegenheit, man kann all diese Prozentzahlen nicht einfach so in einen Topf werfen. Aber zurück nach Deutschland und der Inflation von 7,5 Prozent: Mit dieser könnte Sony vielleicht besser argumentieren, wenn man die PlayStation 5 hierzulande auch bauen würde.
Aber bekanntlich wird in Europa kaum Hardware gebaut, die PlayStation 5 entsteht teils in China und teils in Japan. Und in beiden asiatischen Ländern liegt die Inflation bei etwa 2,5 Prozent, also einem Wert, der vom deutschen weit entfernt ist - das stellt für beide Länder eine signifikante Erhöhung dar, aber rechtfertigt es eine Preiserhöhung von zehn bzw. 12,5 Prozent?
Der vielleicht "beste" Beweis, dass dieser Preis Sony nicht vor existenzielle Probleme stellen wird, sind einerseits die Geschäftszahlen (im zweiten Quartal 2002 gab es ein Plus von rund 1,7 Milliarden Dollar), andererseits ein Blick in die USA. Denn in Nordamerika wird der Preis nicht angehoben.
Salopp formuliert: Mit uns (alias PlayStation-Fans) kann man's ja machen. Sony kalkuliert, dass sich Gamer trotzdem eine PS5 kaufen werden. Und wenn nicht, egal, man kann ohnehin nicht so viele Geräte liefern, wie man es gerne hätte.
Ob der Schuss nicht dennoch nach hinten losgeht, ist eine andere Frage. Denn so essenziell Konsole und Gaming für viele ist: Es ist und bleibt ein Luxus. Wenn man eng kalkulieren muss, weil man sich Strom, Gas und Essen (auch bekannt als "das Leben") kaum noch leisten kann, dann wird der eine oder andere auf den Luxus PS5 verzichten (müssen).
Bei Sony geht man den anderen Weg. Und hoffentlich werden die Kunden die Konsequenzen ziehen. Denn wie ein Konzern jedes Recht hat, die Preise zu verlangen, die er für richtig hält, hat auch jeder Konsument das Recht, ein Produkt nicht zu kaufen.
Immerhin: Man darf froh sein, nicht in Japan zu leben. Denn dort steigt der Preis von 39.980 Yen auf 49.478 Yen, also von 293 auf 363 Euro - das sind rund 70 Euro und damit eine Erhöhung um fast ein Viertel. In Japan hat man noch weniger Konkurrenz zu befürchten, jedenfalls nicht von Microsoft.
Das Wortspiel ist sicherlich nicht originell, trifft aber dennoch zu: Aus "For The Players" ist längst "For The Payers" geworden.
Doch bitte erspart uns schwache Ausreden wie den Verweis auf die aktuelle, für das Unternehmen schwierige Wirtschaftslage sowie die Inflation. Denn auch wenn es eine Milchmädchenrechnung ist: Das Argument geht überhaupt nicht auf, vor allem nicht in Höhe von 50 Euro. Die Rechtfertigung für PlayStation-Chef Jim Ryan ist jedenfalls folgende: "Wir beobachten weltweit hohe Inflationsraten und ungünstige Währungstrends, die sich auf die Verbraucher auswirken und Druck auf viele Branchen ausüben."
Das klingt auf den ersten Blick auch irgendwie nachvollziehbar, schließlich ist die Weltwirtschaft auch ein immens komplexes Konstrukt. Doch sieht man sich einige der Zahlen an (noch mal: per Milchmädchenrechnung), dann geht das vorn und hinten nicht auf.
Inflation?
In Deutschland lag die Inflation im Juli 2022 bei 7,5 Prozent. Das ist viel und wird Konsumenten in den nächsten Monaten - vor allem im Winter - finanziell ordentlich durchschütteln. Doch was hat das mit einer Konsole zu tun? Nun, natürlich sind Währungseffekte ein bedeutender Punkt: Denn ein starker Yen belastet den Export der japanischen Wirtschaft. Und ja, der Yen ist derzeit gegenüber dem Euro stärker. Aber: Es sind keinesfalls Welten. Vor einem Jahr lag der Yen bei etwa 130, aktuell bekommt man für einen Euro 136 Yen - das ist eine Erhöhung von weniger als fünf Prozent. Infografik Konsolen-Gaming: Xbox Series X/S überholt PlayStation 5
Aber noch einmal: Währungseffekte sind ebenfalls eine komplexe Angelegenheit, man kann all diese Prozentzahlen nicht einfach so in einen Topf werfen. Aber zurück nach Deutschland und der Inflation von 7,5 Prozent: Mit dieser könnte Sony vielleicht besser argumentieren, wenn man die PlayStation 5 hierzulande auch bauen würde.
Aber bekanntlich wird in Europa kaum Hardware gebaut, die PlayStation 5 entsteht teils in China und teils in Japan. Und in beiden asiatischen Ländern liegt die Inflation bei etwa 2,5 Prozent, also einem Wert, der vom deutschen weit entfernt ist - das stellt für beide Länder eine signifikante Erhöhung dar, aber rechtfertigt es eine Preiserhöhung von zehn bzw. 12,5 Prozent?
Der vielleicht "beste" Beweis, dass dieser Preis Sony nicht vor existenzielle Probleme stellen wird, sind einerseits die Geschäftszahlen (im zweiten Quartal 2002 gab es ein Plus von rund 1,7 Milliarden Dollar), andererseits ein Blick in die USA. Denn in Nordamerika wird der Preis nicht angehoben.
Xbox Series X ist in den USA eine echte Alternative
Der Grund ist simpel: In den USA ist Microsoft wesentlich stärker aufgestellt als in Europa und anderen Regionen. Sony kann es sich also nicht leisten, den Preis zu erhöhen, da der direkte Konkurrent für viele eine echte Option ist. Bei uns ist das nicht so, weil man sich in der Regel jenes Gerät kauft, das auch die Freunde haben. Lies: zumeist die PS5.Salopp formuliert: Mit uns (alias PlayStation-Fans) kann man's ja machen. Sony kalkuliert, dass sich Gamer trotzdem eine PS5 kaufen werden. Und wenn nicht, egal, man kann ohnehin nicht so viele Geräte liefern, wie man es gerne hätte.
Ob der Schuss nicht dennoch nach hinten losgeht, ist eine andere Frage. Denn so essenziell Konsole und Gaming für viele ist: Es ist und bleibt ein Luxus. Wenn man eng kalkulieren muss, weil man sich Strom, Gas und Essen (auch bekannt als "das Leben") kaum noch leisten kann, dann wird der eine oder andere auf den Luxus PS5 verzichten (müssen).
Es geht auch anders
Bei anderen Unternehmen weiß man das ebenfalls: So hat ausgerechnet heute Starlink bekannt gegeben, die Preise zu senken. Damit wolle man "Kaufkraftparität der Kunden widerspiegeln", man weiß also, dass der Euro dieser Tage nicht mehr ganz so locker sitzt.Bei Sony geht man den anderen Weg. Und hoffentlich werden die Kunden die Konsequenzen ziehen. Denn wie ein Konzern jedes Recht hat, die Preise zu verlangen, die er für richtig hält, hat auch jeder Konsument das Recht, ein Produkt nicht zu kaufen.
Immerhin: Man darf froh sein, nicht in Japan zu leben. Denn dort steigt der Preis von 39.980 Yen auf 49.478 Yen, also von 293 auf 363 Euro - das sind rund 70 Euro und damit eine Erhöhung um fast ein Viertel. In Japan hat man noch weniger Konkurrenz zu befürchten, jedenfalls nicht von Microsoft.
Das Wortspiel ist sicherlich nicht originell, trifft aber dennoch zu: Aus "For The Players" ist längst "For The Payers" geworden.
Thema:
Witold PryjdaSenior Redakteur
Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.
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