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Senf dazu: Die Streaming-Industrie läuft unaufhaltsam in ihr Verderben
Vergangene Nacht hat Disney+ angekündigt, dass der Preis in den USA steigen wird, und zwar um satte 38 Prozent. Konkret geht es von aktuell acht auf elf Dollar hoch. Und damit macht Disney wohl denselben Fehler wie Netflix. Denn viele Kunden können sich das nicht länger leisten.
Wir schreiben das Jahr 2014: Piraterie ist damals noch ein Massenphänomen - nicht, weil die Filesharer grundsätzlich böse waren, sondern weil es einfach keine legalen Alternativen gab. Doch dann kam Netflix und nicht nur wir jubelten damals in einem Test: Endlich gab es einen Streaming-Dienst, der Serien- und Filmfans das mühsame Abgrasen dubioser Plattformen weitgehend ersparte. Für zwölf Euro (Ultra-HD-Paket) bekam man zwar klein lückenloses Angebot, doch Netflix hatte eine so große Auswahl, dass man schlicht aus Bequemlichkeit nicht mehr zu Piraterie greifen musste.
Doch schon damals beklagte der Autor dieser Zeilen, dass sich die Konzerne kaum vom Beharren auf Exklusivität lösen werden, da es um zu viel Geld geht. Es gab auch keinen Grund dazu. Denn die Branche boomte, Netflix hatte Wachstumsraten, die selbst abgebrühten FDP-Politikern die Tränen der Rührung in die Augen treiben würden.
Konkret bezahlt er oder sie 18 Euro für Netflix, für Disney+ aktuell neun und bald vermutlich zwölf Euro, Amazon schlägt sich monatlich mit neun Euro zu Buche, Apple TV+ kostet fünf Euro und Sky nehmen wir mit zehn Euro an (Film- und Serien-Paket im Angebot). Dazu kommt noch vielleicht Joyn Plus für sieben Euro und ab Dezember werden viele wohl auch noch zu Paramount+ greifen. Das nennen wir an dieser Stelle jetzt einfach, wie es ist: verdammt viel Geld. Infografik Streaming-Kampf: Amazon und Netflix in Deutschland Kopf an Kopf
Und sieht man sich die Entwicklung in den USA an, dann ist der Trend zur Fragmentierung immer größer: Dort gibt es auch noch HBO Max, Hulu, Peacock und von den Sport-Streaming-Angeboten wollen wir erst gar nicht reden, weder hierzulande noch in den USA.
Das Fiese ist: Die Medienkonzerne agieren nach dem "kochender Frosch"-Prinzip: Das stimmt in der Realität zwar nicht, aber wir wollen dennoch bei diesem Bild bleiben: Denn Netflix erhöht seit Jahren die Temperatur des Wassers langsam, sodass der Froschkunde nicht merkt, dass er gekocht wird. Das ist durchaus clever, aber der Kunde merkt in Realität sehr wohl schon, dass er immer mehr zahlt, aber immer weniger bekommt.
Disney+ erhöht den Preis in den USA schlagartig. Der Frosch würde ja gerne aus dem Topf springen, muss aber erst die nächste Star-Wars-Serie fertigschauen. "Aber was ist das! Oh, was Neues von Marvel?" Damit ist Disney eher so etwas wie der Drogendealer vom Schulhof. Man wurde günstig angefixt und bekommt nun die Rechnung präsentiert. Besonders "originell" von Disney: Man erhöht die Preise mitten in der Rezession.
Natürlich werden jetzt Rufe nach einem Alles-in-einem-Dienst laut, doch es wäre naiv zu glauben, dass so etwas je kommt. Die Medienkonzerne investieren zu viel Geld in ihre Exklusivproduktionen, die Spirale aus Kosten und der deren Weitergabe an die Kunden wird sich weiterdrehen.
Disney+ für 12 Monate gratis Telekom beschenkt Mobilfunk-Kunden
Doch schon damals beklagte der Autor dieser Zeilen, dass sich die Konzerne kaum vom Beharren auf Exklusivität lösen werden, da es um zu viel Geld geht. Es gab auch keinen Grund dazu. Denn die Branche boomte, Netflix hatte Wachstumsraten, die selbst abgebrühten FDP-Politikern die Tränen der Rührung in die Augen treiben würden.
60 Euro im Monat
Wir kommen nun zum Jahr 2022. Statt zwölf Euro im Monat für Netflix bezahlt der Film- und Serien-Fan aktuell 50 bis 60 Euro - und das pro Monat. Wir gehen hier davon aus, dass der geneigte Serienjunkie möglichst viele Exklusivproduktionen sehen will, sich die bestmögliche Qualität wünscht, das Konto nicht teilt und eben nicht zu illegalen Downloads greift.Konkret bezahlt er oder sie 18 Euro für Netflix, für Disney+ aktuell neun und bald vermutlich zwölf Euro, Amazon schlägt sich monatlich mit neun Euro zu Buche, Apple TV+ kostet fünf Euro und Sky nehmen wir mit zehn Euro an (Film- und Serien-Paket im Angebot). Dazu kommt noch vielleicht Joyn Plus für sieben Euro und ab Dezember werden viele wohl auch noch zu Paramount+ greifen. Das nennen wir an dieser Stelle jetzt einfach, wie es ist: verdammt viel Geld. Infografik Streaming-Kampf: Amazon und Netflix in Deutschland Kopf an Kopf
Und sieht man sich die Entwicklung in den USA an, dann ist der Trend zur Fragmentierung immer größer: Dort gibt es auch noch HBO Max, Hulu, Peacock und von den Sport-Streaming-Angeboten wollen wir erst gar nicht reden, weder hierzulande noch in den USA.
Kommen jetzt die "Streaming Cutter"?
Der Erfolg von Streaming wurde in den USA vor allem mit dem Begriff Cable Cutting bezeichnet: Denn Kunden kündigten ihre teuren Kabelverträge, die um die 100 Dollar pro Monat kosten können. Zwar ist und bleibt Streaming bequemer, weil die Inhalte "on demand" abgerufen werden können, preislich macht es aber mittlerweile kaum noch einen Unterschied, ob man Kabel oder mehrere Streaming-Abos bezieht.Das Fiese ist: Die Medienkonzerne agieren nach dem "kochender Frosch"-Prinzip: Das stimmt in der Realität zwar nicht, aber wir wollen dennoch bei diesem Bild bleiben: Denn Netflix erhöht seit Jahren die Temperatur des Wassers langsam, sodass der Froschkunde nicht merkt, dass er gekocht wird. Das ist durchaus clever, aber der Kunde merkt in Realität sehr wohl schon, dass er immer mehr zahlt, aber immer weniger bekommt.
Disney+ erhöht den Preis in den USA schlagartig. Der Frosch würde ja gerne aus dem Topf springen, muss aber erst die nächste Star-Wars-Serie fertigschauen. "Aber was ist das! Oh, was Neues von Marvel?" Damit ist Disney eher so etwas wie der Drogendealer vom Schulhof. Man wurde günstig angefixt und bekommt nun die Rechnung präsentiert. Besonders "originell" von Disney: Man erhöht die Preise mitten in der Rezession.
Natürlich werden jetzt Rufe nach einem Alles-in-einem-Dienst laut, doch es wäre naiv zu glauben, dass so etwas je kommt. Die Medienkonzerne investieren zu viel Geld in ihre Exklusivproduktionen, die Spirale aus Kosten und der deren Weitergabe an die Kunden wird sich weiterdrehen.
Zurück zum Start: Piraterie
Eine legale Lösung gibt es vermutlich nicht. Die Streaming-Anbieter und Medienkonzerne werden sich aber wieder daran gewöhnen müssen, dass die Piraterie explosionsartig zunehmen wird. Denn die Menschen werden weiterhin Serien und Filme sehen wollen. Auf den Komfort eines Streaming-Dienstes können sie aber verzichten - im Gegensatz zur Heizung im Winter.Disney+ für 12 Monate gratis Telekom beschenkt Mobilfunk-Kunden
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