"Vista Capable"-Desaster: Keiner will Schuld sein
Hintergrund ist das "Windows Vista Capable"-Programm aus dem Jahr 2006. Ursprünglich sollten nur Rechner mit einer bestimmten Hardware-Ausstattung mit einem entsprechenden Aufkleber versehen werden dürfen. Zugunsten Intels senkte man aber die Anforderungen später.
Verschiedene älter Intel-Chipsätze wurden dadurch wieder aufgewertet, was den langjährigen Microsoft-Partner glücklich machte. Bei Hewlett Packard war man jedoch nicht erfreut, immerhin hatte man bereits viel in die Entwicklung neuer Systeme investiert, die den neueren Anforderungen entsprachen.
"Sie haben es vollständig an Verantwortung gegenüber Hewlett Packard als strategischem Partner missen lassen und uns eine Menge Geld gekostet", schrieb Richard Walker, Manager des Computerkonzerns, in einer E-Mail an den damaligen Windows-Chef Jim Allchin.
"Ihre Glaubwürdigkeit ist in meinem Unternehmen ernstlich beschädigt", hieß es weiter. Man hätte zumindest erwartet, dass Microsoft sich bei einem seiner größten weltweiten Partner vor der Veröffentlichung einer entsprechenden Änderung meldet und das Thema diskutiert.
Allchin zeigte sich verwundert über das Schreiben und wandte sich wenige Minuten nach dessen Empfang an Microsoft-Chef Steve Ballmer. "Ich war nicht da und stoße nach meiner Rückkehr auf solch ein Durcheinander", schrieb er. "Mit wurde mitgeteilt, dass dies alles mit einem Telefongespräch zwischen dir und Paul (Otellini, Intel-Chef) anfing. Ich will dem auf den Grund gehen und herausfinden, wie wir so unsensibel mit der Situation umgehen konnten."
Ballmer wies die Verantwortung allerdings weit von sich. "Ich habe nichts damit zu tun", antwortete er. Demnach habe Will Poole, ein anderer Manager im Windows-Team, sich darum gekümmert, mit Otellini telefoniert und die Sache geklärt. "Ich bin nicht über Details informiert", erklärte Ballmer.
Das Verfahren, in dem die E-Mails nun auf den Tisch kamen, fordern mehrere PC-Käufer Schadensersatz. Ihr Vorwurf: Microsoft ließ Rechner als Vista-fähig anpreisen, die nur mit einer Basisversion des Betriebssystem arbeiten konnten. Dadurch wurden zusätzliche teure Aufrüstungen oder Neukäufe nötig, wenn man auf das neue System Upgraden und es in vollem Umfang nutzen wollte.
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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