"Schlecht für jeden":
Kia kritisiert moderne Touch-Cockpits in Autos

Ablenkung, Sicherheitsrisiken und verschachtelte Menüs: Kia erteilt der reinen Touch-Bedienung im Auto eine klare Absage. Der Her­stel­ler setzt stattdessen auf taktile Schalter für wichtige Funktionen, um das intuitive "Muskelgedächtnis" der Fahrer zu nutzen.
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Kia

Kritische Funktionen müssen blind bedienbar sein

In einer Ära, in der Fahrzeugcockpits zunehmend wie Tablets auf Rädern wirken, sendet der südkoreanische Automobilhersteller Kia ein deutliches Signal an die IT-affine Kundschaft und Endanwender: Die vollständige Digitalisierung von Bedienelementen ist nicht der Weisheit letzter Schluss.

Während Konkurrenten physische Schalter oft auch aus Kostengründen zugunsten von Touchoberflächen und Sprachsteuerung eliminieren, bekräftigt Kia die Notwendigkeit taktiler Bedienelemente für essenzielle Funktionen. Die strategische Entscheidung zielt darauf ab, die Sicherheit und Bedienbarkeit im Straßenverkehr zu gewährleisten.

Kritische Funktionen müssen blind und ohne Verzögerung bedienbar sein. Jochen Paesen, Leiter des Innendesigns bei Kia, argumentiert, dass bestimmte Aufgaben im Fahrzeug keine Fehlertoleranz zulassen. Wenn ein Fahrer den Blick von der Straße abwenden muss, um sich durch digitale Untermenüs zu navigieren, leidet nicht nur der Komfort, sondern vor allem die Verkehrssicherheit. Ein physischer Knopf bietet hierbei eine sofortige Orientierung.

Usability schlägt Design-Spielerei

Wie Jochen Paesen in einem Interview mit der britischen Fachzeitschrift Autocar ausführte, ist ein User Interface, das drei Klicks oder Menüebenen erfordert, um eine Basisfunktion zu erreichen, schlichtweg "schlecht für jeden". Kia positioniert sich damit bewusst gegen den Trend einiger chinesischer Hersteller, die den Markt derzeit mit bildschirmdominierten Innenräumen und digitalen Gimmicks fluten, um technologischen Fortschritt zu suggerieren.


Zwar erkennt man bei Kia an, dass diese neuen Marktteilnehmer den Innovationsdruck erhöhen und interessante neue Ideen ("Novelty") einbringen. Dennoch zeigen interne Marktstudien der Koreaner, dass die Grundbedürfnisse der Nutzer weltweit fast identisch sind: Sie wollen ein Werkzeug, das funktioniert, ohne erst erlernt werden zu müssen. Das Auto soll den Fahrer unterstützen und nicht durch komplexe Bedienlogiken herausfordern. Ein überladenes Interface mag im Showroom beeindrucken, erweist sich im Alltag jedoch oft als Hindernis.

Die Branche im Wandel

Kia steht mit dieser Haltung nicht mehr alleine da. Die Industrie scheint einen Wendepunkt erreicht zu haben, an dem die Grenzen der ausschließlichen Touchbedienung offenbart werden. Verschiedene Hersteller korrigieren mittlerweile ihre Strategien. Etwa Volkswagen, die nach massiver Kritik an unbeleuchteten Touch-Slidern und kapazitiven Lenkradtasten die Rückkehr zu physischen Tasten am Lenkrad angekündigt haben.

Ein haptisches Feedback und das sogenannte "Muscle Memory" (Muskelgedächtnis) ermöglichen eine Bedienung, die flache Glasoberflächen schlicht nicht bieten können. Wer etwa blind auf einer Tastatur tippen kann, weiß um den Wert physischer Referenzpunkte.

Kia plant zwar, den digitalen Anteil in kommenden Fahrzeuggenerationen weiter auszubauen, das allerdings in einer sorgfältigen Balance. Updates und Infotainment bleiben digital und profitieren von OTA-Updates (Over-the-Air), während Lautstärke, Klimatisierung und fahrkritische Funktionen ihren physischen Platz behalten.

Bevorzugt ihr im Cockpit cleane Touch-Displays oder wollt ihr für Klima und Radio echte Knöpfe zurück? Schreibt uns eure Meinung gerne unten in die Kommentare!

Zusammenfassung
  • Kia widersetzt sich dem Trend zur vollständigen Digitalisierung im Auto
  • Physische Knöpfe bleiben für sicherheitsrelevante Funktionen erhalten
  • Jochen Paesen kritisiert komplizierte Menüstrukturen mit drei Klicks
  • Nutzerbedürfnisse weltweit ähnlich: Autos müssen intuitiv bedienbar sein
  • Kia plant Balance zwischen digitalen Updates und physischen Bedienelementen
  • Auch andere Hersteller wie VW kehren zu physischen Tasten zurück
  • Haptisches Feedback bietet Vorteile, die Touchscreens nicht leisten können

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