Volvo und Polestar kritisieren Deutschland:
"China macht keine Pause"
Friedrich Merz will das Verbrenner-Verbot 2035 kippen, doch aus dem Norden kommt scharfer Gegenwind. Volvo und Polestar halten diesen Kurs für fatal: Wer jetzt bremst, überlässt den Markt kampflos China und gefährdet damit Hunderttausende Arbeitsplätze.
Die Führungsetagen der schwedischen Autobauer Volvo und Polestar warnen eindringlich davor, die gesetzten Klimaziele zu verwässern. Sie sehen in einer Verzögerung nicht nur ein verheerendes Signal für den Klimaschutz, sondern vor allem eine massive wirtschaftliche Gefahr durch die Konkurrenz aus Fernost.
Die Position der Bundesregierung zielt darauf ab, das Datum 2035 zu kippen und technologieoffene Lösungen, einschließlich "effizienter" Verbrennungsmotoren und E-Fuels, länger zuzulassen. Merz begründet dies unter anderem mit der zögerlichen Haltung der Verbraucher gegenüber Elektrofahrzeugen und der Notwendigkeit, Industriearbeitsplätze zu sichern. Doch für die schwedischen Hersteller ist das ein fataler Trugschluss. Michael Lohscheller, CEO von Polestar, bezeichnete das Pausieren der Pläne als eine strategische Fehlentscheidung. Wenn Europa bei dieser Transformation nicht die Führung übernehme, würden es andere Länder tun.
Auch Håkan Samuelsson, CEO von Volvo Cars, teilt diese Einschätzung. Er argumentiert, dass chinesische Hersteller bereits Fabriken in europäischen Ländern wie Ungarn errichten, um Zölle zu umgehen und logistische Vorteile zu nutzen. Es sei illusorisch zu glauben, man könne diese Konkurrenz durch Protektionismus dauerhaft aus der EU fernhalten. Stattdessen müsse man sich dem Wettbewerb durch Innovation stellen.
Samuelsson zog dabei eine interessante historische Parallele zur Sicherheitsgeschichte von Volvo: Als der Ingenieur Nils Bohlin 1959 den Dreipunktgurt entwickelte, gab es massive Widerstände gegen eine Einführung. Ohne gesetzliche Verpflichtungen hätten heute vermutlich immer noch 30 Prozent der Fahrzeuge keine Sicherheitsgurte, und auch der Katalysator hätte sich ohne Zwang wohl kaum flächendeckend durchgesetzt. Volvo gab das Patent für den Gurt damals übrigens frei, um die Sicherheit für alle zu erhöhen - ein Mindset, das Samuelsson heute vermisst.
Um die Akzeptanz der E-Mobilität zu erhöhen, identifizierten die Manager drei wesentliche Hürden, die die Industrie überwinden muss:
Trotz der Tatsache, dass sowohl Volvo als auch Polestar eng mit dem chinesischen Geely-Konzern verflochten sind, betonten beide die europäische Identität ihrer Marken. Die Design- und Entwicklungszentren befinden sich weiterhin im schwedischen Göteborg, und man folge strikt europäischen ESG-Regeln (Environmental, Social and Governance). Volvo sei heute "so schwedisch wie Abba und Ikea", auch wenn das Kapital teilweise aus China komme. Die Botschaft bleibt klar: Nur durch konsequente technische Entwicklung und verlässliche politische Fristen lässt sich der Industriestandort Europa gegen die globale Konkurrenz behaupten.
Was meint ihr dazu? Sollte die EU am strikten Verbrenner-Aus festhalten oder braucht die heimische Industrie mehr Zeit und Technologieoffenheit? Wir sind gespannt auf eure Meinung in den Kommentaren.
Siehe auch:
Streit um das Verbrenner-Aus
Die Debatte um die Zukunft der europäischen Automobilindustrie erreicht einen neuen Höhepunkt. Während Bundeskanzler Friedrich Merz und damit die deutsche Regierung darauf drängen, das für 2035 geplante Verbot von neuen Verbrennungsmotoren in der EU aufzuweichen, formiert sich Widerstand aus dem hohen Norden.Die Führungsetagen der schwedischen Autobauer Volvo und Polestar warnen eindringlich davor, die gesetzten Klimaziele zu verwässern. Sie sehen in einer Verzögerung nicht nur ein verheerendes Signal für den Klimaschutz, sondern vor allem eine massive wirtschaftliche Gefahr durch die Konkurrenz aus Fernost.
Die Position der Bundesregierung zielt darauf ab, das Datum 2035 zu kippen und technologieoffene Lösungen, einschließlich "effizienter" Verbrennungsmotoren und E-Fuels, länger zuzulassen. Merz begründet dies unter anderem mit der zögerlichen Haltung der Verbraucher gegenüber Elektrofahrzeugen und der Notwendigkeit, Industriearbeitsplätze zu sichern. Doch für die schwedischen Hersteller ist das ein fataler Trugschluss. Michael Lohscheller, CEO von Polestar, bezeichnete das Pausieren der Pläne als eine strategische Fehlentscheidung. Wenn Europa bei dieser Transformation nicht die Führung übernehme, würden es andere Länder tun.
Polestar-Prototyp lädt den Akku in Rekordgeschwindigkeit
Warnung vor Chinas Dominanz
Wie Lohscheller gegenüber dem Guardian ausführte, würde eine Aufweichung der Ziele der chinesischen Automobilindustrie direkt in die Hände spielen. Die Hersteller aus China würden ihre Transformation nicht pausieren, sondern den Markt aggressiv übernehmen. Eine Verschiebung der europäischen Ziele gefährde Hunderttausende von Arbeitsplätzen auf dem Kontinent, da der technologische Vorsprung unwiederbringlich verloren ginge. Die chinesische Strategie sei langfristig angelegt und lasse sich durch ein Zögern in Europa nicht aufhalten.Auch Håkan Samuelsson, CEO von Volvo Cars, teilt diese Einschätzung. Er argumentiert, dass chinesische Hersteller bereits Fabriken in europäischen Ländern wie Ungarn errichten, um Zölle zu umgehen und logistische Vorteile zu nutzen. Es sei illusorisch zu glauben, man könne diese Konkurrenz durch Protektionismus dauerhaft aus der EU fernhalten. Stattdessen müsse man sich dem Wettbewerb durch Innovation stellen.
Samuelsson zog dabei eine interessante historische Parallele zur Sicherheitsgeschichte von Volvo: Als der Ingenieur Nils Bohlin 1959 den Dreipunktgurt entwickelte, gab es massive Widerstände gegen eine Einführung. Ohne gesetzliche Verpflichtungen hätten heute vermutlich immer noch 30 Prozent der Fahrzeuge keine Sicherheitsgurte, und auch der Katalysator hätte sich ohne Zwang wohl kaum flächendeckend durchgesetzt. Volvo gab das Patent für den Gurt damals übrigens frei, um die Sicherheit für alle zu erhöhen - ein Mindset, das Samuelsson heute vermisst.
Innovation statt Rückblick
Ein zentraler Kritikpunkt der schwedischen Manager ist die mentale Einstellung in Deutschland. Lohscheller, selbst gebürtiger Deutscher und ehemaliger Chef von Opel, beobachtet in seinem Heimatland den Drang, die industrielle Vergangenheit zu verteidigen, statt notwendige Veränderungen anzunehmen. In China und den USA hingegen herrsche eine Mentalität vor, die stets nach dem nächsten Projekt und der nächsten Idee frage. Er verglich die Situation mit einem Marathonlauf: Man könne nicht nach jahrelangem Training bei Kilometer 30 plötzlich entscheiden, nur einen Halbmarathon zu laufen, nur weil es anstrengend werde.Um die Akzeptanz der E-Mobilität zu erhöhen, identifizierten die Manager drei wesentliche Hürden, die die Industrie überwinden muss:
- Reichweite: Diese Sorge sei technisch weitgehend gelöst, da moderne Fahrzeuge Reichweiten von über 500 Kilometern bieten. Polestar testet bereits Technologien, die reale Reichweiten nahe an der 1000-Kilometer-Marke ermöglichen.
- Ladezeit: Das Ziel der Entwicklung sind 15 bis 20 Minuten für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent. Dies entspreche einer natürlichen "biologischen Pause" auf Langstrecken und mache das Laden kaum spürbar.
- Preis: Hier bestehe der größte Handlungsbedarf. Durch Skaleneffekte und günstigere Batteriezellchemie müsse die Industrie wettbewerbsfähige Preise erreichen, um auch das Volumensegment zu bedienen.
Trotz der Tatsache, dass sowohl Volvo als auch Polestar eng mit dem chinesischen Geely-Konzern verflochten sind, betonten beide die europäische Identität ihrer Marken. Die Design- und Entwicklungszentren befinden sich weiterhin im schwedischen Göteborg, und man folge strikt europäischen ESG-Regeln (Environmental, Social and Governance). Volvo sei heute "so schwedisch wie Abba und Ikea", auch wenn das Kapital teilweise aus China komme. Die Botschaft bleibt klar: Nur durch konsequente technische Entwicklung und verlässliche politische Fristen lässt sich der Industriestandort Europa gegen die globale Konkurrenz behaupten.
Was meint ihr dazu? Sollte die EU am strikten Verbrenner-Aus festhalten oder braucht die heimische Industrie mehr Zeit und Technologieoffenheit? Wir sind gespannt auf eure Meinung in den Kommentaren.
Zusammenfassung
- Schwedische Autobauer kritisieren deutsche Pläne zum Kippen des Verbrennerverbots
- Volvo und Polestar warnen: China übernimmt Markt, wenn Europa beim E-Auto zögert
- Aufweichung der Klimaziele gefährdet laut schwedischen Herstellern Arbeitsplätze
- Kritik an deutscher Mentalität, die an Vergangenheit festhält statt Neues zu wagen
- Drei Haupthürden für E-Mobilität: Reichweite, Ladezeit und besonders der Preis
- Trotz Verbindung zu China betonen Volvo und Polestar ihre europäische Identität
- Nur mit konsequenter Entwicklung und klaren Fristen bleibt Europa wettbewerbsfähig
Siehe auch:
- Aufweichung des Endes von Verbrenner-Autos: EU zeigt sich offen
- Verbrenner-Aus 2035: Bundesregierung fordert neue EU-Lockerungen
- Bundeskanzler Merz stellt sich gegen EU-Verbrenner-Verbot ab 2035
- Trump untersagt Kalifornien, Verbrenner ab 2035 zu verbieten
- ADAC-Pannenstatistik: Elektroautos sind zuverlässiger als Verbrenner
Thema:
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