Trotz KI-Boom und Wachstum:
Microsoft kann Anleger nicht überzeugen

Trotz Umsatz- und Gewinnsteigerung reagieren Anleger enttäuscht auf Microsofts jüngst veröffentlichte Quartalszahlen. Das Cloud-Wachstum verlangsamt sich und die Aktie gerät unter Druck. Der Konzern in­ves­tiert zudem weiter massiv in KI-Infrastruktur.
Microsoft, Logo, Microsoft Corporation, Geschäftszahlen, Microsoft Logo
Microsoft hat die Geschäftszahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2024 vorgelegt. Der Softwareriese aus Redmond konnte seinen Umsatz um 15 Prozent auf 64,7 Milliarden US-Dollar steigern. Der Nettogewinn legte um 10 Prozent auf 22 Milliarden Dollar zu. Damit übertraf Microsoft die Erwartungen der Analysten leicht. Dennoch reagierten die Anleger enttäuscht - die Aktie fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um bis zu 8 Prozent.

Cloud-Wachstum verlangsamt

Grund für die negative Reaktion an der Börse war vor allem das langsamere Wachstum in Microsofts wichtiger Cloud-Sparte. Die Intelligent Cloud, zu der unter anderem die Azure-Plattform gehört, steigerte den Umsatz zwar um 19 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten jedoch mit etwas mehr gerechnet. Besonders enttäuschend war das Wachstum des Azure-Geschäfts, das sich auf 29 Prozent belief - nach 31 Prozent im Vorquartal. Experten hatten hier ein Plus von 31 Prozent erwartet.


Microsoft-Finanzchefin Amy Hood führte das verlangsamte Azure-Wachstum unter anderem auf Kapazitätsengpässe zurück. Die Nachfrage nach KI-Diensten übersteige derzeit das Angebot. Der Konzern investiert massiv in den Ausbau seiner Cloud- und KI-Infrastruktur. Die Investitionsausgaben explodierten im vergangenen Quartal um fast 80 Prozent auf 19 Milliarden Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr 2024 summierten sich die Investitionen auf 55,7 Milliarden Dollar.

KI-Wette zahlt sich aus

CEO Satya Nadella verteidigte die hohen Ausgaben: "Wir müssen jetzt investieren, um die Chancen der KI-Revolution zu nutzen." Tatsächlich scheinen sich die KI-Investitionen bereits auszuzahlen. Laut Microsoft trugen KI-Dienste 8 Prozentpunkte zum Azure-Wachstum bei - nach 7 Prozentpunkten im Vorquartal. Hood stellte für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2025 eine Beschleunigung des Azure-Wachstums in Aussicht, wenn die Investitionen Früchte tragen.


In anderen Bereichen konnte Microsoft durchaus positive Entwicklungen vermelden. So legte der Umsatz mit Office-Produkten und deren Cloud-Diensten um 12 Prozent zu. Die Zahl der Microsoft 365 Consumer-Abonnenten stieg um 10 Prozent auf 82,5 Millionen. Auch das Geschäft mit dem Karriere-Netzwerk LinkedIn entwickelte sich mit einem Plus von 10 Prozent erfreulich. Und der Umsatz mit Windows OEM-Lizenzen ging um knapp 4 Prozent nach oben.

Gaming-Sparte profitiert

Im Gaming-Segment profitierte Microsoft von der Übernahme von Activision Blizzard. Der Umsatz mit Xbox-Inhalten und -Diensten schoss um 61 Prozent in die Höhe, wovon allerdings 58 Prozentpunkte auf das Konto von Activision Blizzard gingen. Die Zahl der monatlich aktiven Spieler über alle Plattformen hinweg erreichte laut Nadella die Marke von 500 Millionen.

Weniger erfreulich entwickelte sich das Hardware-Geschäft. Der Umsatz mit Xbox-Konsolen brach um 42 Prozent ein. Auch die Surface-Sparte schwächelt weiter - hier ging der Umsatz um 11 Prozent zurück. Damit verzeichnete das Surface-Geschäft bereits das siebte Quartal in Folge rückläufige Erlöse.

Microsoft setzt große Hoffnungen auf die kürzlich vorgestellten KI-fähigen Sur­face-Geräte. Deren Verkaufsstart fiel allerdings erst ans Ende des Be­richts­quar­tals, sodass sich Effekte erst in den kommenden Monaten zeigen dürften. Infografik: Die aktuelle Roadmap der Microsoft Xbox StudiosDie aktuelle Roadmap der Microsoft Xbox Studios

Ausblick enttäuscht

Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2025 stellte Microsoft einen Umsatz zwischen 63,8 und 64,8 Milliarden Dollar in Aussicht. Das impliziert ein Wachstum von 13,8 Prozent, liegt aber unter den Analystenschätzungen von 65,24 Milliarden Dollar. Beim Azure-Wachstum rechnet Hood mit 28 bis 29 Prozent - auch das wäre eine weitere Verlangsamung.

Die verhaltene Prognose dürfte mit ein Grund für die negative Marktreaktion gewesen sein. Allerdings hatte sich die Microsoft-Aktie in den vergangenen Wochen auch sehr stark entwickelt und zeitweise die Marke von 3 Billionen Dollar Börsenwert überschritten. Vor diesem Hintergrund dürften auch Gewinnmitnahmen eine Rolle gespielt haben.

Trotz der aktuellen Enttäuschung bleibt Microsoft gut positioniert, um von den Megatrends Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz zu profitieren. Der Konzern investiert massiv in diese Zukunftsfelder und dürfte mittelfristig die Früchte dieser Strategie ernten. Kurzfristig könnten die hohen Ausgaben und das verlangsamte Wachstum allerdings für Gegenwind an der Börse sorgen.

Wie bewertet ihr die aktuellen Zahlen und den Ausblick von Microsoft? Haltet ihr die massiven KI-Investitionen für gerechtfertigt oder übertreibt der Konzern es möglicherweise? Teilt eure Einschätzungen zu Microsofts Geschäftsentwicklung in den Kommentaren.

Zusammenfassung
  • Microsoft steigerte Umsatz um 15 Prozent auf 64,7 Milliarden Dollar
  • Nettogewinn wuchs um 10 Prozent auf 22 Milliarden Dollar
  • Anleger enttäuscht, Microsoft-Aktie fiel um bis zu 8 Prozent
  • Azure-Wachstum verlangsamt, nur 29 Prozent Zuwachs
  • Investitionen in KI-Infrastruktur um 80 Prozent gesteigert
  • Office und Microsoft 365 Umsatz wuchs um 12 Prozent
  • Xbox und Activision Blizzard Umsatz stieg um 61 Prozent

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Microsofts Aktienkurs in Euro
Beliebte Microsoft-Downloads
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!