KI-Startup meint: Scraping von jedem Song im Internet ist 'fair use'
Es regt sich immer mehr Widerstand gegen KI-Firmen, die zum Teil urheberrechtlich geschützte Daten ohne Erlaubnis verwenden, um ihre Modelle zu trainieren. Ein Startup im Bereich Musik gibt das jetzt sogar unverhohlen zu. Alles 'fair use', meint man dort.
Bereits letzten Monat hatten Verlage wie Warner, Sony und Universal die beiden Unternehmen verklagt. Der Vorwurf: Zum Training der KI werde urheberrechtlich geschütztes Material ohne Erlaubnis per Scraping abgegriffen und verwendet. Anstatt diesen Vorwurf zu dementieren, geht Suno jetzt allerdings in die Offensive.
Das sieht die Recording Industry Association of America (RIAA), die die Klage gegen Suno und Udio mit angestrengt hatte, erwartungsgemäß etwas anders.
Siehe auch:
Training von KI sorgt für Unmut
Erst kürzlich meldeten sich CEOs mehrerer Webseiten zu Wort, die das KI-Startup Anthropic stark für sein Verhalten kritisierten. Denn um ihre künstliche Intelligenz zu trainieren, griff das Unternehmen massiv Daten von den Seiten ab und zwang durch die etlichen Anfragen die Server von iFixit und Freelancer.com beinahe in die Knie. Zudem hat Reddit gerade erst Microsoft verboten, Informationen von der Plattform zu KI-Trainingszwecken zu nutzen.Klage gegen Musik-Startups
Jetzt gibt es neuen Ärger, wie Engadget berichtet. Dieses Mal mit den Firmen Suno und Udio, die KI im Bereich Musik entwickeln. Mit deren Software soll es jedem möglich sein, Musik zu komponieren, auch wenn man von Noten, Harmonien und Instrumenten keinerlei Ahnung hat. Doch um ein funktionierendes Produkt bereitzustellen, müssen auch die Modelle von Suno und Udio mit Massen an Daten trainiert werden. Und das geschieht recht ungeniert und erneut unter fragwürdigen Umständen.Bereits letzten Monat hatten Verlage wie Warner, Sony und Universal die beiden Unternehmen verklagt. Der Vorwurf: Zum Training der KI werde urheberrechtlich geschütztes Material ohne Erlaubnis per Scraping abgegriffen und verwendet. Anstatt diesen Vorwurf zu dementieren, geht Suno jetzt allerdings in die Offensive.
Es ist kein Geheimnis, dass sich unter den zig Millionen Aufnahmen, mit denen das Modell von Suno trainiert wurde, vermutlich auch Aufnahmen befinden, deren Rechte den Klägern in diesem Fall gehören. [Die Trainingsdaten] enthalten im Wesentlichen alle Musikdateien von angemessener Qualität enthalten, die im offenen Internet zugänglich sind.
Abermals Berufung auf ‘fair use'
Allerdings sieht das Unternehmen auch kein Problem in diesem Umstand. Es sei ‘fair use', wenn eine Kopie eines geschützten Werks als Teil eines technischen Backend-Prozesses verwendet wird, um ein neues Produkt zu schaffen, das selbst keine Urheberrechte verletzt. Das vorgenommene Scraping sei demnach nicht illegal.Das sieht die Recording Industry Association of America (RIAA), die die Klage gegen Suno und Udio mit angestrengt hatte, erwartungsgemäß etwas anders.
Ihr Verstoß in industriellem Maßstab kann nicht als ‘fair use' bezeichnet werden. Es ist nicht fair, das Lebenswerk eines Künstlers zu stehlen, seinen Kernwert zu extrahieren und es neu zu verpacken, um direkt mit den Originalen zu konkurrieren.
Fehlende Gesetzgebung
Wie so oft im Fall neuer Technologien hinkt die Gesetzgebung deutlich hinter der Alltagsrealität hinterher. In Amerika dürfte das Urteil im Prozess gegen Suno und Udio für einen Präzedenzfall sorgen, der großen Einfluss auf zukünftige Urteile hat. Da das Rechtssystem in Deutschland nicht auf Common Law bzw. Fallrecht basiert, bei dem Urteile aus der Vergangenheit mitentscheidend sind, dürfte es hierzulande noch deutlich länger dauern, bis juristische Fragen rund um KI-Training und die dafür verwendeten Daten geklärt sind.
Zusammenfassung
- Kritik an KI-Unternehmen wächst wegen massivem Daten-Scraping
- Musik-KI-Startups Suno und Udio trainieren Modelle mit urheberrechtlich geschützten Daten
- Warner, Sony und Universal klagen gegen unrechtmäßige Nutzung ihrer Musik
- Suno und Udio sehen Scraping als "fair use" an, um neue Produkte zu entwickeln
- RIAA widerspricht, sieht großflächigen Verstoß gegen Urheberrechte
- Rechtslage hinkt technologischer Entwicklung nach, langsame Anpassung
Siehe auch:
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