Cookies: Webseiten ignorieren vielfach Nutzereinstellungen

Cookie-Banner auf Webseiten sind Pflicht. Eine Untersuchung zeigt nun aber, dass beinahe alle analysierten Internetauftritte gegen Richtlinien verstoßen. Daten werden ohne Einwilligung und teilweise sogar trotz des Widerspruchs der Nutzer gesammelt.
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Cookie-Banner als Standard

Seit Jahren ist es gängige Praxis und gehört zum Alltag, wenn man im Internet unterwegs ist: Ruft man eine Webseite zum ersten Mal auf, begrüßt den Nutzer ein Cookie-Banner, über das Einstellungen vorgenommen werden können. Denn welche Informationen gesammelt werden dürfen, entscheidet der Besucher selbst. So die Theorie. Neuen Daten zufolge werden die Einstellungen der Nutzer von erschreckend vielen Webseiten aber einfach ignoriert.

Untersuchung deckt massive Regelverstöße auf

Das hat nun eine Studie (PDF) der ETH Zürich ergeben. Dabei wurden über ein automatisiertes Verfahren rund 97.000 Internetauftritte innerhalb der EU analysiert und die durch die Webseiten angeblich gesammelten Daten mit den tatsächlich gesammelten Daten verglichen. Infografik Tracking: Die Cookie-Skepsis ist in Finnland besonders großTracking: Die Cookie-Skepsis ist in Finnland besonders groß Den Ergebnissen zufolge besitzen 32 Prozent der überprüften Seiten nicht einmal das gesetzlich vorgeschriebene Cookie-Banner, über das entsprechende Einstellungen vorgenommen werden können. Bei über der Hälfte der Seiten (57 Prozent) wurden Personen zwar über Cookies informiert, bekamen aber keine Möglichkeit, diese abzulehnen.

In 73 Prozent der Fälle werden schon Cookies angelegt, bevor Nutzer überhaupt mit dem Cookie-Banner interagieren. Bei 77 Prozent der Webseiten reicht schon das bloße Schließen des Banners, damit Cookies angelegt werden.

Das erstaunlichste Ergebnis der Untersuchung ist jedoch, dass circa 65 Prozent der Webseiten, die Besucher nach ihren Cookie-Einstellungen fragen, die gemachten Angaben einfach ignorieren und trotzdem Daten speichern. Insgesamt verstießen so über 90 Prozent aller analysierten 97.000 Seiten gegen mindestens eine Datenschutzvorschrift.

Hohe Strafen drohen

Das ist insofern erstaunlich, als solche Verstöße zu hohen Geldstrafen führen können. Besonders Großkonzerne wie Microsoft, Facebook und Google mussten in der Vergangenheit Geldbußen von insgesamt 280 Millionen Euro zahlen. Doch auch kleinere Portale wie Focus.de wurden bereits aufgrund von Verstößen zur Kasse gebeten.

Offensichtlich herrscht ein großer Nachholbedarf, was die Kontrolle der Einhaltung von Richtlinien angeht. Nutzer können sich also auch nach dem lästigen Durcharbeiten eines Cookie-Banners nicht sicher sein, ob nicht doch unerwünschte Daten erhoben werden. Im Gegenteil: Das scheint der Untersuchung zufolge sogar relativ sicher.

Zusammenfassung
  • Cookie-Banner oft auf Webseiten, Nutzer entscheidet theoretisch selbst
  • Untersuchung der ETH Zürich zeigt Missachtung der Nutzereinstellungen
  • 32 Prozent der EU-Webseiten ohne gesetzlich vorgeschriebenes Cookie-Banner
  • 57 Prozent informieren über Cookies, bieten aber keine Ablehnungsoption
  • 73 Prozent legen Cookies vor Interaktion mit Banner an, 77 Prozent beim Schließen
  • 65 Prozent der Seiten ignorieren Nutzereinstellungen und speichern Daten
  • Über 90 Prozent der analysierten Seiten verstoßen gegen Datenschutzvorschriften

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