Traditionsunternehmen Kodak steht am Abgrund

Der US-Imaging-Konzern Eastman Kodak steht erneut am Abgrund. Aktuell soll das Unternehmen die Einleitung eines Insolvenzverfahrens vorbereiten. Mit einem Vollzug dessen sei in den kommenden Wochen zu rechnen, berichtete das 'Wall Street Journal' unter Berufung auf informierte Kreise. Dies könnte das endgültige Ende des 131 Jahre alten Traditionsunternehmens bedeuten, das einst zu den Schwergewichten der US-Wirtschaft gehörte und in den 1960er Jahren etwa mit dem heutigen Apple oder Google zu vergleichen war. Eine Rettung könnte durch zusätzliches Kapital erfolgen. Deshalb wird jetzt unter anderem Versucht, mit dem Verkauf eines Teils des umfangreichen Patent-Portfolios zusätzliche Beträge in die Kassen zu spülen.

Allerdings ist noch unsicher, ob dies gelingt. Deshalb musste man parallel die Prozesse einleiten, die einem Gläubigerschutz vorausgehen. Mit Banken werden bereits Verhandlungen über eine Finanzierung des Prozesses geführt, in dessen Rahmen das Unternehmen umstruktiert und saniert werden soll. Dafür wird aber wohl eine weitere Milliarde Dollar benötigt.

In seiner langen Geschichte hat Kodak zahlreiche bahnbrechende Erfindungen hervorgebracht und viele der Patente sind heute noch äußerst wertvoll. Dies stellt letztlich eine Art Lebensversicherung dar, mit der man auch während einer Insolvenzphase noch punkten kann.

Ironischerweise führte aber gerade eine eigene Erfindung an den jetzigen Tiefpunkt: 1975 entwickelte Kodak die Digitalkamera. Das Unternehmen konnte aber nie wirklich Kapital daraus schlagen. Viel zu lange konzentrierte man sich auf das Kerngeschäft mit Filmen und schlug sich auf Nebenschauplätzen herum - so stellte Kodak vor 20 Jahren beispielsweise Bad-Reinigungsmittel und medizinische Testgeräte her, später versuchte sich der Fotospezialist an Druckern.

Die großen Erfolge mit digitaler Fotografie feierten hingegen andere. Auch bei Druckern kann man sich bisher nur in geringem Maße gegen mächtige Konkurrenten wie Hewlett-Packard behaupten. So müssen die aktuell noch 19.000 Beschäftigten einer ungewissen Zukunft entgegensehen.
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