Wikileaks publiziert geheime Guantanamo-Berichte
Die 779 Dokumente, die als geheim eingestuft wurden, stammen aus der Zeit von 2002 bis 2008 und enthalten Dossiers über die Gefangenen, darunter auch Risikoeinschätzungen von ranghohen Militärangehörigen. Wikileaks hat erneut mit einigen Redaktionen rund um den Globus zusammengearbeitet, um das Material aufzuarbeiten. Dazu gehören die New York Times, El Pais, der Guardian und die Washington Post. Der Spiegel ist diesmal nicht dabei. (Update - 11:40 Uhr - Inzwischen hat auch der Spiegel seine Berichte über die Guantanamo-Dokumente online.)
Derzeit stehen nur einige wenige Dokumente auf der Wikileaks-Website zur Verfügung. Täglich sollen nun weitere folgen. Bis alle Guantanamo-Dokumente zur Verfügung stehen, werden Monate vergehen, heißt es in einer Erklärung der Whistleblower. Für besonderes Aufsehen könnten die Berichte über die ersten 201 Gefangenen in Guantanamo sorgen, deren Identitäten bislang nicht öffentlich bekannt waren.
Die heutige Veröffentlichung der Guantanamo-Dokumente stellt den vierten Leak von US-Geheimnissen dar. Nach den Militärberichten aus Afghanistan und dem Irak folgten die Depeschen der US-Botschafter. All die Informationen sollen angeblich von Bradley Manning stammen, einem Private der US Army, der seit einigen Monaten inhaftiert ist. Der neueste Leak könnte den Druck auf den US-Generalstaatsanwalt Eric Holder erhöhen, von dem erwartet wird, dass er Anklage gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange erhebt, der sich derzeit in Großbritannien aufhält.
Das Pentagon erklärte in einer Stellungnahme, dass man es für "bedauerlich" hält, dass sich die Zeitungen an der Veröffentlichung der Guantanamo-Dokumente beteiligen, die von Wikileaks illegal beschafft wurden. "Die Dokumente enthalten geheime Informationen über ehemalige und aktuelle Insassen von Guantanamo und wir missbilligen die Veröffentlichung dieser heiklen Informationen."
Durch die Enthüllung von Wikileaks wurde bekannt, dass die US-Regierung Staaten wie China und Russland eingeladen hat, Häftlinge zu verhören. Ein Journalist von Al-Jazeera wurde inhaftiert, um an Informationen über die Arbeit des Nachrichtensenders zu gelangen, beispielsweise wie die Reporter ihre Arbeit erledigen. Die Häftlinge sind zwischen 14 und 89 Jahre alt und wurden teilweise festgenommen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren, heißt es in den ersten Analysen der beteiligten Zeitungen.
Interessanterweise merkt die New York Times an, dass man die Guantanamo-Dokumente nicht von Wikileaks erhalten hat, sondern von einer anderen Quelle. Der ehemalige Wikileaks-Aktivist Daniel Domscheit-Berg hatte in seinem Buch "Inside Wikileaks” darauf hingewiesen, dass das Verhältnis zwischen Julian Assange und den Medien sehr kompliziert ist, da der Australier sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie die Berichterstattung auszusehen hat. Nicht jede Redaktion ist gewillt, sich an die Vorschriften zu halten.
Dokumente: wikileaks.ch/gitmo
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Michael Diestelberg
Redakteur bei WinFuture
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