Diesel-Skandal: VW-Thermofenster rechtswidrig, nun droht Fahrverbot

VW kassiert neue Gerichtsniederlage: Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Schleswig-Holstein erklärt Ther­mo­fens­ter in Die­sel­fahr­zeu­gen für il­le­gal. Millionen Auto­fah­rer könn­ten be­trof­fen sein - drohen nun Fahrverbote oder Nachrüstungen?
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VW verliert erneut vor Gericht

Der Diesel-Skandal ist für Volkswagen noch nicht überstanden. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein hat eine Abschalteinrichtung für die Diesel-Abgasreinigung von VW für rechtswidrig erklärt. Konkret geht es um das sogenannte Thermofenster, eine Software-Funktion, die bei niedrigen Temperaturen die Abgasreinigung reduziert. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) muss bei Rechtskraft des Urteils Volkswagen auffordern, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die betroffenen Autos nachzurüsten.

Das Verfahren betrifft formal zunächst nur den Volkswagen Golf Plus TDI mit 2,0-Liter-Motor der Abgasnorm Euro 5 und damit eine fünfstellige Zahl von Fahrzeugen. Wie das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, gilt das Urteil jedoch als Musterverfahren. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist die Entscheidung wegweisend für rund 7,8 Millionen Dieselfahrzeuge der Abgasnormen Euro 5 bis 6c mit ähnlicher Software, die noch auf deutschen Straßen unterwegs sind.


Thermofenster schaltet Abgasreinigung ab

Bei dem strittigen Thermofenster handelt es sich um eine Software, die dafür sorgt, dass die Abgasreinigung bei in Europa völlig üblichen Temperaturen von beispielsweise zehn Grad heruntergeregelt wird. Das Gericht bewertete die Abschaltung als nach europäischem Recht grundsätzlich unzulässige Abschalteinrichtung.

Die Umwelthilfe führt weitere Verfahren gegen Dieselfahrzeuge verschiedener Hersteller der Abgasstufen Euro 5 bis Euro 6c. Insgesamt seien mehr als 110 weitere Verfahren anhängig, die sich um Dieselfahrzeuge anderer Hersteller wie BMW und Mercedes drehen.

VW wehrt sich

KBA und VW sehen das Thermofenster als zulässig an. Es schütze vor unmittelbaren Risiken für den Motor in Form von Beschädigungen oder Unfällen. Der Konzern kündigte bereits an, vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen.

Volkswagen wird Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht einlegen. Das nicht rechtskräftige Urteil hat keine Maßnahmen des KBA, wie beispielsweise behördliche Stilllegungen von Fahrzeugen oder Hardware-Nachrüstungen wegen des Thermofensters, zur Folge.
VW-Sprecher, auf Anfrage der dpa

Drohen Millionen Autofahrern Fahrverbote?

Sollte das Urteil rechtskräftig werden, gerrät auch das Kraftfahrtbundesamt unter Handlungsdruck. Das Problem ist, dass eine Nachrüstung in vielen Fällen nicht möglich ist, da es keine serienmäßige Hardware gibt, die leicht in die älteren Modelle eingebaut werden könnte. Daher droht die Stilllegung der betroffenen Fahrzeuge.

Eine Stilllegungsverfügung des KBA wäre gleichbedeutend mit einem kompletten Fahrverbot - die betroffenen Fahrzeuge dürften dann nicht mehr genutzt werden. Dies würde Millionen von Dieselfahrern treffen.

Was denkt ihr über das Gerichtsurteil gegen VW? Sollten Millionen Dieselfahrer die Zeche für die Tricksereien der Hersteller zahlen müssen? Teilt eure Meinung in den Kommentaren mit.

Bin ich mit meinem Diesel betroffen?
Wenn Sie ein Fahrzeug mit der Abgasnorm Euro 5 oder Euro 6a bis 6c fahren, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es betroffen ist. Besonders Fahrzeuge mit dem VW-Motor EA189 (z. B. Golf Plus TDI 2.0) stehen im Fokus. Die Angabe zur Abgasnorm finden Sie im Fahrzeugschein unter Punkt 14.1.

Laut Experten könnten bis zu 10 Millionen Fahrzeuge betroffen sein - nicht nur von VW, sondern auch von Audi, BMW, Mercedes, Opel, Renault, Fiat und weiteren. Prüfen Sie Ihr Modell und halten Sie Rücksprache mit dem Hersteller oder Ihrer Werkstatt.
Was ist das Thermofenster genau?
Das Thermofenster ist eine Softwarefunktion, die die Abgasreinigung bei bestimmten Außentemperaturen reduziert oder abschaltet - meist unter 10 °C. Laut VW soll dies Motorschäden verhindern.

Kritiker wie die Deutsche Umwelthilfe sehen darin eine illegale Abschalteinrichtung. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein hat das Thermofenster nun als unzulässig eingestuft - mit potenziell weitreichenden Folgen.
Droht meinem Auto ein Fahrverbot?
Sollte das Urteil rechtskräftig werden, könnten betroffene Fahrzeuge ihre Zulassung verlieren. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) müsste dann entweder Nachrüstungen anordnen oder Stilllegungen veranlassen.

Aktuell ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, da VW eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht hat. Konkrete Maßnahmen wie Fahrverbote sind daher derzeit nicht umgesetzt.
Kann mein Diesel nachgerüstet werden?
Eine technische Nachrüstung ist laut Experten bei vielen älteren Dieseln kaum realisierbar. Es fehlen passende Systeme, und der Einbau wäre oft teuer und technisch aufwendig. Zudem könnten Haltbarkeit und Verbrauch leiden.

Fahrzeuge mit SCR-System (AdBlue) könnten eher angepasst werden, etwa durch eine höhere AdBlue-Einspritzrate. Für viele Euro-5-Modelle ist eine Nachrüstung jedoch wirtschaftlich und technisch fraglich.
Was bedeutet das Urteil für VW?
Das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein hat entschieden, dass das Software-Update mit Thermofenster unzulässig ist. VW darf dagegen keine Revision einlegen - versucht aber, dies per Beschwerde zu erzwingen.

Sollte das Urteil Bestand haben, hätte es Signalwirkung für über 110 weitere Verfahren. VW müsste dann Fahrzeuge nachrüsten oder stilllegen lassen - was auch andere Hersteller unter Druck setzen würde.
Kann ich mein Auto zurückgeben?
Ja, unter bestimmten Umständen. Laut Verbraucheranwälten könnten betroffene Diesel-Fahrer ihren Kauf rückabwickeln, wenn ein Mangel vorliegt. Gerichte haben bereits in ähnlichen Fällen zugunsten der Käufer entschieden.

Allerdings wird eine Nutzungsentschädigung abgezogen. Je älter das Fahrzeug, desto geringer fällt die Rückzahlung aus. Bei hochwertigen Modellen mit hohem Restwert kann sich eine Klage dennoch lohnen.
Wie geht es jetzt weiter?
VW hat angekündigt, Rechtsmittel beim Bundesverwaltungsgericht einzulegen. Solange über die Beschwerde zur Revision nicht entschieden ist, bleibt das Urteil nicht rechtskräftig.

Das KBA wartet auf die schriftliche Urteilsbegründung. Erst dann wird entschieden, ob Nachrüstungen oder Stilllegungen angeordnet werden. Bis dahin bleibt die Situation für Diesel-Fahrer offen.
Was fordert die Umwelthilfe genau?
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert, dass alle betroffenen Diesel-Pkw der Abgasnormen Euro 5 bis Euro 6c entweder nachgerüstet oder stillgelegt werden - auf Kosten der Hersteller.

Laut DUH-Chef Jürgen Resch betrifft das rund 7,8 Millionen Fahrzeuge. Ziel sei es, die Luftqualität zu verbessern und illegale Abschalteinrichtungen endgültig zu verbannen. Die DUH wird dabei von der NGO ClientEarth unterstützt.
Zusammenfassung
  • Schleswig-Holsteins Oberverwaltungsgericht erklärt VW-Thermofenster als illegal
  • Urteil zu Golf Plus TDI betrifft potenziell 7,8 Millionen Dieselfahrzeuge
  • Abgasreinigung wird bei Temperaturen unter zehn Grad heruntergeregelt
  • VW und KBA argumentieren mit Motorschutz und kündigen Rechtsmittel an
  • Bei rechtskräftigem Urteil könnte Stilllegung betroffener Fahrzeuge drohen
  • Deutsche Umwelthilfe führt über 110 weitere Verfahren gegen andere Hersteller

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