Manipulierte Diesel-Software:
VW-Chefs werden auch bei uns angeklagt

Einer der größten Fälle von illegalen Software-Manipulationen hat nun doch auch in Deutschland weitergehende Konsequenzen. Die Staats­an­walt­schaft Braunschweig erhebt Anklage gegen eine Reihe von ehemaligen VW-Führungspersonen.
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Philip Halling (CC-SA 2.0)
Vielfach wurde bisher angenommen, dass die Verantwortlichen sich hier­zu­lan­de recht glimpf­lich aus der Affäre ziehen können, während in den USA bereits Manager ins Gefängnis ge­schickt wurden. Doch nun werden der Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess, sein Vor­gäng­er Martin Winterkorn und Dieter Pötsch, der dem Aufsichtsrat vorsitzt, sich vor Gericht verantworten müssen.

Im Herbst 2015 ging die US-Umweltschutzbehörde EPA mit der Erkenntnis an die Öf­fent­lich­keit, dass die Diesel-Fahrzeuge von VW mit einer manipulierten Steuerungs-Software aus­ge­stat­tet sind, die auf dem Prüfstand wesentlich weniger Emissionen zeigte, als ein Auto auf der Straße. Die Ermittler mussten in dem Fall der Frage nachgehen, wer zu welchem Zeit­punkt was wusste.

Was wusste Winterkorn?

Und ein wesentlicher Punkt in der Anklage dürf­ten nun Informationen über eine interne Sit­zung im Konzern sein, an der Ende Juli 2015 so­wohl der frisch ins Unternehmen gekommene Diess als auch Winterkorn teilgenommen haben sollen. Auf dieser soll das Thema der illegalen Ab­schalt­ein­rich­tun­gen bereits the­ma­ti­siert wor­den sein. Bevor die US-Behörden den Skandal öffentlich machten, war von Ak­ti­vi­tä­ten seitens der obersten Konzern­führung aber nichts zu vernehmen.

Seitens des Unternehmens versteht man allerdings nicht, warum die Manager nun persönlich angeklagt werden sollen. Immerhin hätten eigene Unter­su­chun­gen ergeben, dass die Vor­wür­fe gegen die drei Personen unbegründet sind. Die fehlende Aktivität resultierte demnach aus der Tatsache, dass den Vorständen von Experten zugesichert worden sei, dass man das Prob­lem sowohl technisch als auch rechtlich im Griff habe. Entsprechend hätte niemand ahnen können, dass das Unternehmen letztlich zu Milliarden-Zahlungen verdonnert wird.

Siehe auch: Abgasskandal: Gebrauchte modifizierte Dieselautos sind ein Verkaufs-Hit
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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