Britische Regierung: Kinder sollen gefälligst keine VPNs nutzen

Englands Kinderbeauftragte fordert eine Altersprüfung für VPN-Anbieter, um den neuen Online Safety Act zu stärken. Grund ist ein extremer Anstieg der VPN-Nutzung seit Juli, Jugendliche sollen nicht länger auf pornografische Inhalte zugreifen können.
Datenschutz, Privatsphäre, Vpn, Virtual Private Network, VPN-Anbieter

VPN-Boom nach Online Safety Act

Seit dem Inkrafttreten des britischen Online Safety Act am 25. Juli ist die Nachfrage nach VPN-Diensten in Großbritannien explosionsartig gestiegen. ProtonVPN meldete einen Anstieg der Neuanmeldungen um mehr als 1400 Prozent, auch andere Anbieter verzeichneten ähnliche Zuwächse. VPN-Apps stehen inzwischen an der Spitze der britischen App-Store-Charts.

Das Online Safety Act verpflichtet Plattformen mit pornografischen oder anderen vermeintlich "schädlichen" Inhalten dazu, das Alter ihrer Nutzer zu überprüfen. Dazu gehören nicht nur explizite Pornoseiten, sondern auch Social-Media-Plattformen wie Reddit, X (ehemals Twitter) und Discord. Die Altersverifikation erfolgt meist durch das Hochladen eines Ausweises oder eines Selfies.

Englands Kinderbeauftragte Dame Rachel de Souza sieht in VPNs eine gefährliche Lücke im Gesetz. Laut BBC warnte sie, dass VPNs "absolut ein Schlupfloch sind, das geschlossen werden muss". In ihrem neuen Bericht (PDF) empfiehlt sie der Regierung, VPN-Anbieter zur Implementierung "hocheffektiver Altersverifikation" zu verpflichten.


Beunruhigende Zahlen zum Jugendschutz

Die Sorgen von de Souza sind nicht von der Hand zu weisen, die Zahlen untermauern das: 70 Prozent der befragten 16- bis 21-jährigen Briten gaben an, vor ihrem 18. Geburtstag pornografische Inhalte online gesehen zu haben - ein Anstieg gegenüber 2023. Besonders beunruhigend: 58 Prozent hatten als Minderjährige Darstellungen von Strangulation gesehen, 44 Prozent Vergewaltigungsszenen.

Der Online Safety Act selbst hat eine lange Entstehungsgeschichte. Bereits 2019 wurde ein erster Entwurf veröffentlicht, doch erst nach jahrelangen Diskussionen und mehreren Überarbeitungen trat das Gesetz in Kraft. Es gilt als eines der umfassendsten Internetgesetze weltweit und verpflichtet Plattformen zu proaktiven Maßnahmen gegen schädliche Inhalte.

Kein VPN-Verbot

Die britische Regierung hat jedoch klargestellt, dass sie keine Pläne für ein VPN-Verbot hat. Ein Sprecher betonte gegenüber der BBC, dass VPNs "legale Werkzeuge für Erwachsene" seien. Allerdings drohte er Plattformen mit "harter Durchsetzung und hohen Geldstrafen", falls die jeweiligen Anbieter VPNs gezielt an Kinder bewerben würden.

VPNs (Virtual Private Networks) wurden ursprünglich in den 1990er Jahren für Unternehmen entwickelt, um sichere Verbindungen zwischen entfernten Standorten zu ermöglichen. Heute nutzen Millionen von Menschen VPNs für verschiedene Zwecke: vom Schutz der Privatsphäre über den Zugang zu geografisch gesperrten Inhalten bis hin zur sicheren Nutzung öffentlicher WLAN-Netze.

Technische Herausforderungen

Cybersicherheitsexperten warnen jedoch vor unbeabsichtigten "Kollateralschäden" einer VPN-Regulierung. Graeme Stewart von Check Point Software erklärte gegenüber The Register: "Der einzige Weg, es zu tun, ist schlecht." Eine solche Regulierung würde legitimen, verschlüsselten Datenverkehr blockieren und ganze Industriezweige gefährden.

Hinzu kommt, dass VPNs nicht nur zur Umgehung von Altersprüfungen genutzt werden. Schulen setzen sie ein, damit Schüler sicher auf interne Systeme, Prüfungsportale und Forschungsdatenbanken zugreifen können. Auch Journalisten, Aktivisten und Unternehmen sind auf VPNs angewiesen - sei es zum Schutz vor Überwachung oder für den sicheren Datenaustausch.

Großbritannien steht mit seiner Herangehensweise nicht allein da. In Frankreich trat bereits im Juni ein ähnliches Gesetz in Kraft, das Altersverifikation auf Pornoseiten vorschreibt. In den USA haben fast die Hälfte aller Bundesstaaten vergleichbare Gesetze verabschiedet, neun Staaten verlangen zusätzlich Altersprüfungen oder Elterneinverständnis für soziale Medien.

Was haltet ihr von der Forderung nach Altersprüfungen bei VPN-Anbietern? Seht ihr darin einen notwendigen Schritt zum Kinderschutz oder eine Gefahr für die digitale Privatsphäre?

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