Trotz Klimabedenken: EU beschließt lockere CO2-Regeln für Autobauer
Während die EU an E-Auto-Quoten festhält, ändert sie überraschend die Spielregeln: Autohersteller dürfen CO2-Grenzwerte nun über drei Jahre ausgleichen statt jährlich. Die Entscheidung fiel mit deutlicher Mehrheit - trotz Warnungen vor erheblichen Klimafolgen.
Die Neuregelung bedeutet konkret: Wenn Hersteller wie Volkswagen, BMW oder Mercedes die Vorgaben in diesem Jahr überschreiten, werden sie nicht automatisch mit Strafzahlungen belegt. Sie können diese vermeiden, indem sie in den Folgejahren 2026 und 2027 die Ziele übererfüllen. Die endgültige Bilanz wird erst 2028 gezogen.
"In einer Zeit von Werksschließungen, Gewinneinbrüchen und US-Autozöllen wären hohe Geldstrafen für die europäische Automobilindustrie fatal", erklärte der EU-Verkehrspolitiker Jens Gieseke (CDU). Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle von 25 Prozent auf europäische Autos belasten die Hersteller zusätzlich. Die USA sind für deutsche Autobauer ein wichtiger Markt - fast jeder dritte Porsche und jeder sechste BMW wurde 2024 in Nordamerika verkauft.
Verkehrsforscher Felix Creutzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnte, die Flexibilisierung könne zu einem Mehrausstoß von rund 30 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 führen. Der CO2-Flottengrenzwert sei "das wichtigste Instrument des Klimaschutzes im Verkehrsbereich", so Creutzig.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die Entscheidung als "ersten wichtigen Schritt". VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte: "Politisches Handeln bedeutet, nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch deren Erreichung zu ermöglichen." Angesichts globaler Herausforderungen und der momentan schleppenden Nachfrage nach E-Autos gebe es weiteren Handlungs- und Gesprächsbedarf.
Besonders umstritten bleibt das für 2035 geplante faktische Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Dieses sieht vor, dass ab 2035 nur noch Neuwagen zugelassen werden dürfen, die keine CO2-Emissionen verursachen - was de facto auf ein Aus für Benziner und Diesel hinausläuft, sofern keine klimaneutralen synthetischen Kraftstoffe zum Einsatz kommen.
Was haltet ihr von dieser Entscheidung? Ist die Lockerung der CO2-Vorgaben ein notwendiger Schritt zur Unterstützung der Autoindustrie oder ein Rückschritt für den Klimaschutz? Teilt eure Meinung in den Kommentaren.
Siehe auch:
Mehr Flexibilität bei CO2-Zielen
Das Europäische Parlament hat mit breiter Mehrheit (458 zu 101 Stimmen) beschlossen, Autoherstellern mehr Zeit für die Einhaltung der CO2-Grenzwerte einzuräumen. Die Unternehmen müssen die strengeren Emissionsvorgaben nicht mehr jährlich, sondern können sie über einen Dreijahreszeitraum (2025-2027) erfüllen. An den Grenzwerten selbst - 93,6 Gramm CO2 pro Kilometer - ändert sich nichts. Die EU-Staaten hatten dem Vorschlag der Kommission bereits am 7. Mai zugestimmt.Die Neuregelung bedeutet konkret: Wenn Hersteller wie Volkswagen, BMW oder Mercedes die Vorgaben in diesem Jahr überschreiten, werden sie nicht automatisch mit Strafzahlungen belegt. Sie können diese vermeiden, indem sie in den Folgejahren 2026 und 2027 die Ziele übererfüllen. Die endgültige Bilanz wird erst 2028 gezogen.
Entlastung für angeschlagene Branche
Hintergrund der Entscheidung ist die schwierige Situation der europäischen Automobilindustrie. Der Absatz von Elektrofahrzeugen entwickelt sich langsamer als erwartet - mit einem EU-Marktanteil von nur etwa 15 Prozent statt der angestrebten 25 Prozent. Gleichzeitig steht die Branche unter Druck durch internationale Konkurrenz, insbesondere aus China und den USA."In einer Zeit von Werksschließungen, Gewinneinbrüchen und US-Autozöllen wären hohe Geldstrafen für die europäische Automobilindustrie fatal", erklärte der EU-Verkehrspolitiker Jens Gieseke (CDU). Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle von 25 Prozent auf europäische Autos belasten die Hersteller zusätzlich. Die USA sind für deutsche Autobauer ein wichtiger Markt - fast jeder dritte Porsche und jeder sechste BMW wurde 2024 in Nordamerika verkauft.
Kontroverse um Klimaschutz
Die Entscheidung stößt nicht überall auf Zustimmung. Die Grünen-Fraktion stimmte gegen die Aufweichung der Vorgaben. Kai Tegethoff (Volt) kritisierte: "Die Extra-Zeit für die Autohersteller ist schlecht für das Klima, schadet der Autoindustrie und ignoriert die Nachfrage nach erschwinglichen und kleineren E-Autos made in Europe."Verkehrsforscher Felix Creutzig vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung warnte, die Flexibilisierung könne zu einem Mehrausstoß von rund 30 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 führen. Der CO2-Flottengrenzwert sei "das wichtigste Instrument des Klimaschutzes im Verkehrsbereich", so Creutzig.
Teil eines größeren Aktionsplans
Die Lockerung der CO2-Vorgaben ist Teil eines umfassenderen industriepolitischen Ansatzes der EU-Kommission. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Zukunft der europäischen Automobilindustrie zur Chefsache erklärt und Anfang des Jahres einen strategischen Dialog mit Branchenvertretern begonnen.Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die Entscheidung als "ersten wichtigen Schritt". VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte: "Politisches Handeln bedeutet, nicht nur Ziele zu setzen, sondern auch deren Erreichung zu ermöglichen." Angesichts globaler Herausforderungen und der momentan schleppenden Nachfrage nach E-Autos gebe es weiteren Handlungs- und Gesprächsbedarf.
CO2-Regulierung bereits seit 16 Jahren
Die EU-Flottengrenzwerte haben eine lange Geschichte. Bereits 2009 führte die Europäische Union (EU) erstmals verbindliche CO2-Emissionsnormen für Neuwagen ein. Damals lag der Grenzwert noch bei 130 Gramm CO2 pro Kilometer. Seitdem wurden die Vorgaben schrittweise verschärft. Die aktuelle Regelung ist Teil des "Fit for 55"-Pakets, mit dem die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 reduzieren will.Besonders umstritten bleibt das für 2035 geplante faktische Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Dieses sieht vor, dass ab 2035 nur noch Neuwagen zugelassen werden dürfen, die keine CO2-Emissionen verursachen - was de facto auf ein Aus für Benziner und Diesel hinausläuft, sofern keine klimaneutralen synthetischen Kraftstoffe zum Einsatz kommen.
Was haltet ihr von dieser Entscheidung? Ist die Lockerung der CO2-Vorgaben ein notwendiger Schritt zur Unterstützung der Autoindustrie oder ein Rückschritt für den Klimaschutz? Teilt eure Meinung in den Kommentaren.
Zusammenfassung
- EU-Parlament lockert CO2-Vorgaben für Autohersteller mit klarer Mehrheit
- Unternehmen dürfen Grenzwerte nun über drei Jahre statt jährlich erfüllen
- Hintergrund: Schwache E-Auto-Nachfrage und internationale Konkurrenz
- Grüne und Klimaforscher warnen vor negativen Auswirkungen aufs Klima
- Entscheidung ist Teil eines breiteren industriepolitischen Ansatzes der EU
- Automobilindustrie begrüßt Lockerung als 'ersten wichtigen Schritt'
- Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 bleibt weiterhin umstritten
Siehe auch:
- Neuer Citroën C-5 Elektro bleibt hinter 700-Kilometer-Ziel zurück
- Nach Millionenverlust: VW stellt Gebrauchtwagenplattform Heycar ein
- Autofahrer im Visier der EU: Mehr Kontrollen, Pflichten und Kosten
- FEST: Stellantis will große E-Auto-Akkus innerhalb von 18 Minuten laden
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Thema:
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