Nach Millionenverlust: VW stellt Gebrauchtwagenplattform Heycar ein

VW stellt seine Gebrauchtwagenplattform Heycar Mitte Mai ein. Trotz Investitionen von 300 Millionen Euro konnte sie gegen mobile.de und Autoscout24 nicht bestehen. Warum das ambitionierte Konzept scheiterte und was jetzt mit den Mitarbeitern geschieht.
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Heycar

VW verliert gegen mobile.de und Autoscout24

Volkswagen Financial Services (VWFS) wird seine Gebrauchtwagenplattform Heycar einstellen. In Deutschland soll bereits Mitte Mai Schluss sein, in Großbritannien folgt die Schließung einige Wochen später. Für den französischen Markt ist eine Liquidierung geplant, sobald die arbeitsrechtlichen Prüfungen abgeschlossen ist. Die VW-Tochter bestätigte, dass die Plattform nicht in die Insolvenz geht, sondern vollständig samt der Marke aufgegeben wird.

Von der Schließung sind insgesamt 126 Mitarbeiter betroffen, davon 26 in Deutschland. Der Konzern geht davon aus, dass er sich von einem Großteil der Belegschaft trennen muss. Lediglich für einige Mitarbeiter in Großbritannien wird geprüft, ob sie vom Unternehmen übernommen werden können, um das B2B-Gebrauchtwagengeschäft weiterzuführen. Zu Hochzeiten hatte Heycar noch rund 450 Beschäftigte. Infografik VW, Tesla & Co: Diese Hersteller führen Deutschlands E-Auto-Markt anVW, Tesla & Co: Diese Hersteller führen Deutschlands E-Auto-Markt an

Hohe Investitionen ohne erhofften Erfolg

Wie die Automobilwoche berichtet, investierte Volkswagen mindestens 300 Millionen Euro in die 2017 gestartete Plattform. Allein die jährlichen Marketingkosten sollen im mittleren zweistelligen Millionenbereich gelegen haben. Trotz Sponsoring-Aktivitäten beim Fußballclub Eintracht Braunschweig und TV-Werbung zur Primetime konnte Heycar aber nie die erhoffte Markenbekanntheit erreichen.

Der Konzern nennt mehrere Gründe für das Scheitern: "Wir haben die Entwicklung des digitalen Kaufverhaltens falsch eingeschätzt und die Marketingkosten unterschätzt", erklärte ein VWFS-Sprecher. Auch das Engagement der Händler blieb hinter den Erwartungen zurück.


Kampf gegen etablierte Marktführer aussichtslos

Heycar war mit dem ambitionierten Ziel angetreten, den Platzhirschen mobile.de und Autoscout24 Konkurrenz zu machen. Die Plattform setzte auf ein "Premium-Konzept" und bot ausschließlich Fahrzeuge an, die jünger als acht Jahre waren und weniger als 150.000 Kilometer auf dem Tacho hatten. Zudem erhielten alle Autos eine Garantie, um sich von den Wettbewerbern abzuheben.

Anfangs schien das Konzept vielversprechend: Neben Volkswagen beteiligten sich auch Mercedes-Benz, Renault und die Allianz an der Dachgesellschaft Mobility Trader Holding GmbH. Doch Mercedes-Benz stieg bereits im Frühjahr 2023 aus, die Allianz folgte ein Jahr später. Zuletzt hielt VWFS 78 Prozent an der Plattform, Volkswagen 13 Prozent und Renault 9 Prozent.

Veränderte Marktbedingungen beschleunigten das Ende

Laut einer Studie des Instituts für Automobilwirtschaft nutzten nur etwa 9 Prozent der Verbraucher Heycar zur Information über Gebrauchtwagen, während mobile.de (65 Prozent) und Autoscout24 (59 Prozent) deutlich höhere Nutzungsraten verzeichneten. Der jahrelange Vorsprung der etablierten Plattformen konnte trotz hoher Investitionen nicht aufgeholt werden.

Auch die Corona-Pandemie und die folgenden Krisenjahre trugen zum Niedergang bei. Das knappe Gebrauchtwagengebot mit steigenden Restwerten führte zwar zu Gewinnen bei VWFS, machte die Plattform aber zunehmend überflüssig. Zudem veränderte sich das Kaufverhalten der Verbraucher nicht wie erwartet - statt rein digitaler Käufe setzte sich ein "phygitaler" Ansatz durch, bei dem sich Kunden zwar online informieren, das Fahrzeug aber weiterhin im Autohaus testen möchten.

Strategische Neuausrichtung im Digitalgeschäft

Die Einstellung von Heycar reiht sich in eine Serie von Rückschlägen für Volkswagens Digitalstrategie ein. Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, mit eigenen Plattformen in verschiedenen Bereichen Fuß zu fassen. Neben Heycar gehörten dazu auch Cariad für Software-Entwicklung und die Mobilitätsplattform Moia, die ebenfalls mit Herausforderungen kämpfen.

Branchenexperten sehen in dem Rückzug ein Zeichen dafür, dass traditionelle Automobilhersteller die Komplexität und Dynamik digitaler Geschäftsmodelle oft unterschätzen. Der Aufbau einer erfolgreichen Online-Plattform erfordert nicht nur hohe Investitionen, sondern auch spezifisches Know-how und eine langfristige Strategie, die über das klassische Automobilgeschäft hinausgeht.

Was haltet ihr von Volkswagens Entscheidung, Heycar einzustellen? War der Versuch, gegen die etablierten Plattformen anzutreten, von Anfang an zum Scheitern verurteilt? Teilt eure Meinungen in den Kommentaren mit uns!

Zusammenfassung
  • VW stellt Gebrauchtwagenplattform Heycar trotz 300 Mio. € Investition ein
  • 126 Mitarbeiter betroffen, nur wenige können möglicherweise übernommen werden
  • Plattform konnte sich gegen mobile.de und Autoscout24 nicht durchsetzen
  • Fehleinschätzung des digitalen Kaufverhaltens und unterschätzte Marketingkosten
  • Engagement der Händler blieb hinter den Erwartungen zurück
  • Corona-Pandemie und veränderte Marktbedingungen trugen zum Scheitern bei
  • Rückschlag für VWs Digitalstrategie zeigt Herausforderungen für Autohersteller

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