Bargeld wird kaum noch genutzt:
Schweden wird Kriminalitätshochburg

Schweden ist seit Jahren einer der Vorreiter dabei, das klassische Bargeld im Alltag durch digitale Bezahlvorgänge zu ersetzen. Im Zuge dessen ist das Land aber auch zu einer der Hochburgen der Online-Kriminalität geworden.
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Bargeld findet kaum noch statt

Bei einer Umfrage der schwedischen Zentralbank im Jahr 2022 gaben nur noch 8 Prozent der Verbraucher an, bei ihrem letzten Einkauf Bargeld genutzt zu haben. Dass der Bedarf an Münzen und Banknoten sehr gering ist, zeigt sich auch daran, dass Schweden gemeinsam mit dem Nachbarn Norwegen das dünnste Geldautomaten-Netz Europas vorzuweisen hat.

Eine zentrale Rolle spielt im Alltag hingegen die bereits 2002 eingeführte BankID. Dabei handelt es sich um ein einheitliches Authentifizierungs-Verfahren für Transaktionen, das von allen Beteiligten als Standard akzeptiert wird. Es wird von jedem erwachsenen Schweden durchschnittlich mehr als zweimal täglich genutzt und ist an allem beteiligt, von der Abgabe der Steuererklärung bis zur Bezahlung von Busfahrkarten.


Wahrnehmung vs. Realität

Der große Erfolg hängt durchaus auch damit zusammen, dass in der öffentlichen Wahrnehmung eher Bargeld mit Kriminalität in Verbindung gebracht wird. Dafür sorgten unter anderem diverse Raubüberfälle in den 1990er-Jahren. Bargeld kann gestohlen werden und es ist schlecht nachvollziehbar, ob es ehrlich erworben wurde. In der Realität sieht die Sache dann aber doch anders aus.

Laut eines Fortune-Berichts hat sich der Scha­den mit Betrugs­fällen rund um di­gi­ta­le Trans­ak­tio­nen binnen nur zwei Jahren von 2021 bis 2023 auf 1,2 Mil­li­ar­den schwe­di­sche Kro­nen - also etwas über 100 Mil­lio­nen Euro - ver­dop­pelt. Die Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den schätzen, dass die Größe der schwe­di­schen Schat­ten­wirt­schaft in­zwi­schen bis zu 2,5 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts des Lan­des aus­ma­chen könnte.

Es ist kompliziert

Um der digitalen Kriminalität entgegenzuwirken, haben die schwedischen Behörden Druck auf die Banken ausgeübt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen und es technisch versierten Kriminellen schwerer zu machen. Dabei handelt es sich jedoch um einen schwierigen Balanceakt. Wenn man zu weit geht, könnte dies die Wirtschaft bremsen, während zu wenig Maßnahmen das Vertrauen untergraben und legitime Unternehmen schädigen.

In ihrem Bemühen, die Kriminalität einzudämmen, hat die Regierung in diesem Jahr eine neue Behörde geschaffen, die sich ausschließlich mit der Verfolgung fehlerhafter Sozialleistungen befasst. Denn auch hier ist der Missbrauch massiv gestiegen, nachdem das BankID-System strukturelle Schwächen offenbart hatte.

Zusammenfassung
  • Schweden ersetzt seit Jahren Bargeld durch digitale Bezahlvorgänge
  • Nur 8 Prozent nutzten 2022 bei ihrem letzten Einkauf Bargeld
  • Schweden und Norwegen haben das dünnste Geldautomaten-Netz Europas
  • BankID ist ein einheitliches Authentifizierungs-Verfahren für Transaktionen
  • BankID wird durchschnittlich mehr als zweimal täglich von Erwachsenen genutzt
  • Bargeld wird in Schweden eher mit Kriminalität in Verbindung gebracht
  • Schaden durch digitale Betrugsfälle verdoppelte sich auf 1,2 Milliarden Kronen
  • Schwedische Schattenwirtschaft könnte bis zu 2,5 Prozent des BIP ausmachen
  • Behörden üben Druck auf Banken aus, um Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen
  • Neue Behörde zur Verfolgung fehlerhafter Sozialleistungen wurde geschaffen

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