500-Millionen-Euro-Flop: Schwedens Gesundheitsplattform vor dem Aus
In Schweden scheitert die digitale Revolution im Gesundheitswesen spektakulär: Ein 500-Millionen-Euro-System musste nach nur drei Tagen wieder abgeschaltet werden. Die Gründe für den Fehlschlag sind alarmierend - besonders für Patienten.
Wie heise jetzt berichtet, steht das System nun aber auch aus neuem Kritikpunkten vor dem Aus. Eine externe Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zeigte erhebliche Mängel bei Projektführung und Systemvorbereitung. Das ursprünglich mit 190 Millionen Euro kalkulierte Projekt verschlingt mittlerweile etwa 500 Millionen Euro. Die für März 2025 geplante Systemerweiterung wurde zudem auf Sommer verschoben.
"Die Einführung von Millennium als zentrales System gleicht dem Gießen von flüssigem Zement in die Organisation", warnt Johan Magnusson, Professor für Informationssysteme an der Universität Göteborg. Bereits 2021 stoppten finnische Gesundheitsbezirke die Einführung nach deutlicher Kritik von Ärzten. Die Software sei für amerikanische, nicht für nordische Gesundheitssysteme konzipiert.
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Digitalisierung im Gesundheitswesen stockt
Ausgerechnet im Digitalisierungs-Vorreiterland Schweden droht ein Mammutprojekt zur Modernisierung des Gesundheitswesens zu scheitern. Die Oracle-Plattform Millennium, die in den südschwedischen Gesundheitsbezirken Västra Götaland und Skåne Dutzende veralteter IT-Systeme ersetzen sollte, musste nach nur drei Tagen Betrieb wieder abgeschaltet werden. Das Personal sah die Patientensicherheit gefährdet. Das war bereits im November, wie das Online-Magazin The Register damals berichtete.Wie heise jetzt berichtet, steht das System nun aber auch aus neuem Kritikpunkten vor dem Aus. Eine externe Prüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zeigte erhebliche Mängel bei Projektführung und Systemvorbereitung. Das ursprünglich mit 190 Millionen Euro kalkulierte Projekt verschlingt mittlerweile etwa 500 Millionen Euro. Die für März 2025 geplante Systemerweiterung wurde zudem auf Sommer verschoben.
Grundlegende Funktionen versagen
Was war beim ersten Start passiert? Die Probleme wiegen schwer, es gibt eine lange Liste an problematischen Vorfällen. Texte verschwinden ohne erkennbaren Grund aus Patientenakten, die Bestellung eines einzelnen Medikaments erfordert 34 Arbeitsschritte und mehr als 60 Mausklicks. In mehreren Abteilungen mussten Ärzte und Pflegekräfte auf Papierakten zurückgreifen. Eine Ärztin beschrieb das System in der Zeitung Göteborgsposten als "Hamsterrad der Hölle"."Die Einführung von Millennium als zentrales System gleicht dem Gießen von flüssigem Zement in die Organisation", warnt Johan Magnusson, Professor für Informationssysteme an der Universität Göteborg. Bereits 2021 stoppten finnische Gesundheitsbezirke die Einführung nach deutlicher Kritik von Ärzten. Die Software sei für amerikanische, nicht für nordische Gesundheitssysteme konzipiert.
Datenschutzbedenken bleiben
Schwedische Behörden äußern zusätzlich Bedenken beim Datenschutz: Der US-amerikanische "Cloud Act" könnte US-Behörden Zugriff auf sensible Patientendaten ermöglichen. Auch eine lokale Datenspeicherung in schwedischen Rechenzentren bietet keinen vollständigen Schutz vor diesem Szenario.Probleme auch international
Oracle hatte das System 2022 durch die Übernahme von Cerner rund 26 Milliarden Euro erworben. Das US-Veteranenministerium verzeichnete über 800 "schwerwiegende Leistungsstörungen" innerhalb von dreieinhalb Jahren. In Großbritannien wurde die Software sogar mit einem Todesfall in Verbindung gebracht.Wie steht ihr zur Digitalisierung im Gesundheitswesen? Teilt eure Erfahrungen mit digitalen Systemen in Krankenhäusern und Arztpraxen in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Oracle-Gesundheitsplattform in Schweden scheitert nach drei Tagen
- Massive Probleme gefährden Patientensicherheit und Arbeitsabläufe
- Projektkosten explodieren von 190 auf 500 Millionen Euro
- Systemeinführung gleicht 'Gießen von flüssigem Zement in Organisation'
- Finnland und USA melden ebenfalls Schwierigkeiten mit der Software
- Datenschutzbedenken wegen möglichem US-Behördenzugriff auf Patientendaten
- Externes Audit deckt erhebliche Mängel in Projektführung auf
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