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90%+ Erneuerbare: Uruguay hat in aller Stille Energiewende gemeistert

Wenn es um die Umsetzung der Energiewende geht, richtet sich der Blick meist auf die technologisch fortschrittlichen Industriestaaten des Westens oder auf China. Unter dem Radar hat nun aber Uruguay die Abkehr von fossilen Energieträgern fast komplett abgeschlossen.
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Atomphysiker setzt auf Windkraft

Die ganze Sache begann in dem südamerikanischen Land vor rund 15 Jahren. Damals sprangen die Ölpreise sprunghaft nach oben und der Staat, dessen Energieversorgung fast komplett von importiertem Erdöl abhing, kam zunehmend in Bedrängnis. Der damalige Präsident Tabaré Vázquez wandte sich daraufhin Hilfe suchend an den Physiker Ramón Méndez Galain, der einen Plan zum Umbau der Energieversorgung entwickelte.

Die britische Tageszeitung The Guardian zog nun eine Bilanz: Heute hat Uruguay die fossilen Brennstoffe bei der Stromerzeugung fast vollständig abgeschafft. Je nach Wetterlage stammen zwischen 90 und 95 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. In manchen Jahren lag dieser Anteil sogar bei 98 Prozent.


"Ich hatte 14 Jahre lang im Ausland gearbeitet, und als ich zurückkam, gab es diese Energiekrise, aber die einzige Lösung, die die Leute anboten, war, ein Atomkraftwerk zu installieren - das war alles", erinnert sich Galain. "Ich war Atomphysiker und dachte, ich könnte dieses Problem ein wenig verstehen." Er selbst kam zu den Schluss, dass Kernenergie nicht die Lösung sein könne.

Armut stark gesenkt

Er veröffentlichte stattdessen ein Paper, in dem er darlegte, dass man besser vollkommen auf Windkraft setzen sollte. Bald darauf erhielt er einen Anruf, in dem er eingeladen wurde, Uruguays Energieminister zu werden und seinen Plan umzusetzen. "Stellen Sie sich meine Überraschung vor", sagt Galain. "Das war verrückt. Aber ich tat etwas noch Verrückteres: Ich habe angenommen."

Das Projekt entwickelte sich trotz großer Skepsis zu einer Erfolgsgeschichte. Während erst die Sorge um Arbeitsplätze im Energiesektor dominierte, stehen heute 50.000 zusätzliche Jobs unter dem Strich - was bei einer Bevölkerung von rund 3,5 Millionen Menschen eine enorme Zahl ist.

Zuweilen gibt es noch immer Widerspruch - insbesondere, weil die Stromrechnung nicht spürbar kleiner geworden ist, wo doch der Wind nichts kostet. Galain verweist hier darauf, dass die Preise für die Kilowattstunde zwar geringer sind, der Lebensstandard aber massiv gestiegen ist - nie zuvor hatten so viele Menschen große Fernseher und Klimaanlagen. Die Armutsquote ist durch die lokale Wertschöpfung der Energiewende von 40 auf 10 Prozent gesunken.

Zusammenfassung
  • Uruguay fast komplett von Fossilien unabhängig
  • Energiewende begann vor 15 Jahren
  • Strom zu 90 bis 95% aus erneuerbaren Quellen
  • Galain lehnte Kernenergie als Lösung ab
  • Windkraft als zentraler Pfeiler der Strategie
  • Erfolg: 50.000 neue Jobs geschaffen
  • Stromrechnung hoch, aber Lebensstandard gestiegen

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