Lügen und Betrug: IT-Zahlungsdienstleister Wirecard stellt Insolvenz

Wirecard war lange Zeit der Traum vom deutschen IT-Global-Player, denn der Finanzdienstleister war für viele Lösungen im elektronischen und mobilen Zahlungsverkehr zuständig und stellte damit ein Fundament des E-Commerce dar. Doch der Traum ist nun geplatzt. Denn heute musste Wirecard seine Insolvenz anmelden. In einer Mitteilung schrieb das bör­sen­notierte Unternehmen: "Der Vorstand der Wire­card AG hat entschieden, für die Wire­card AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines In­sol­venz­ver­fah­rens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen."

Damit gibt es einen ersten Schlussstrich unter einen der möglicherweise größten Fi­nanz­skan­da­le der deutschen Geschichte. Konkret geht es um die knappe zwei Milliarden Euro, die in der Wirecard-Jahresbilanz stehen, aber in der Kasse schlichtweg fehlen. Dieses Geld sollte eigentlich bei zwei Banken auf den Philippinen liegen. Wirecard dementierte alle Vorwürfe zunächst kategorisch, mittlerweile scheint aber klar, dass das Geld wohl nie existiert hat. Infografik: Wirecard-Aktie stürzt ins BodenloseWirecard-Aktie stürzt ins Bodenlose

Wirecard-Erfolg basierte wohl auf Betrug

Zuvor hatte eine Wirtschaftsprüfungskanzlei dem Konzern die Unterschrift unter dem Jah­res­ab­schluss verweigert. In den Tagen kristallisierte sich heraus, dass es bei Wirecard nicht mit rechten Dingen zuging. Oder wie es die Süddeutsche Zeitung zusammenfasst, dass die "Erfolgsgeschichte des Unternehmens weitgehend auf Lügen basierte und mut­maß­lich ein gigantischer Betrug war".

Große Teile des Umsatzes sowie der fast ge­sam­te ausgewiesene Profit waren vermutlich frei erfunden. Ganz überraschend waren die Vor­wür­fe allerdings nicht, denn Financial Times hat bereits im Vorjahr berichtet, dass es bei Wire­card zu Scheingeschäften gekommen ist.

Ein Ziel dieser illegalen Wirecard-Manöver war vor allem, den Kurs der Aktie künstlich hoch­zu­trei­ben. Das ist mittlerweile Geschichte, denn das Papier hat heute rund 80 Prozent des Wer­tes eingebüßt und lag zwischenzeitlich bei 2,50 Euro. Seit dem Bekanntwerden des Bilanzskandals wurde der Börsenwert nahezu aus­ge­löscht, denn die Aktie verlor unter dem Strich 98 Prozent.

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