Neue wilde Einblicke in Spionage-Aktivitäten von Ex-Wirecard-Manager
Der ehemalige und nach wie vor flüchtige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek soll einen Spionagering für Russland geleitet haben. In London stehen nun fünf mutmaßliche Agenten vor Gericht. Die Vorwürfe reichen von Überwachung bis hin zu Mordplänen gegen Kremlkritiker.
Laut britischer Staatsanwaltschaft soll Marsalek unter dem Decknamen "Rupert Ticz" als Drahtzieher fungiert haben. Die Anklage stützt sich auf rund 80.000 Chatnachrichten zwischen ihm und den Beschuldigten. Demnach koordinierte der Österreicher von Russland aus ein Netzwerk von Agenten, das quer durch Europa operierte.
Marsaleks Team observierte Grozev monatelang und sollen Grozev und seine Familie von einer Wohnung in Wien aus mit Kameras ausspioniert haben. Zudem wurde offenbar in sein Apartment eingebrochen und ein Laptop entwendet.
Neben Journalisten gerieten auch andere Personen ins Visier des Spionagerings. So soll ein US-Militärstützpunkt in Stuttgart ausgespäht worden sein, wo ukrainische Soldaten ausgebildet wurden. Zudem verfolgte man angeblich einen kasachischen Politiker und inszenierte einen Zwischenfall vor der Botschaft des Landes in London.
Das professionelle Vorgehen der Agenten wird durch das bei ihnen sichergestellte Equipment deutlich. Laut britischer Staatsanwaltschaft fand man bei Durchsuchungen:
Zwei der fünf Angeklagten haben sich bereits schuldig bekannt. Der Prozess gegen die übrigen drei wird voraussichtlich bis mindestens Januar 2025 andauern. Marsalek selbst befindet sich nach wie vor auf der Flucht. Ermittler vermuten, dass er sich in Russland aufhält.
Siehe auch:
Spionagering um Ex-Wirecard-Manager aufgedeckt
Der ohnehin schon an Sprengkraft reiche Wirecard-Skandal bekommt eine noch brisantere neue Dimension: Der ehemalige Vorstand Jan Marsalek soll nach seiner Flucht einen Spionagering für Russland geleitet haben. Dies geht aus Anklageschriften hervor, die derzeit in einem Prozess in London verhandelt werden. Fünf bulgarische Staatsangehörige stehen dort unter dem Verdacht der Spionage für Moskau vor Gericht.Laut britischer Staatsanwaltschaft soll Marsalek unter dem Decknamen "Rupert Ticz" als Drahtzieher fungiert haben. Die Anklage stützt sich auf rund 80.000 Chatnachrichten zwischen ihm und den Beschuldigten. Demnach koordinierte der Österreicher von Russland aus ein Netzwerk von Agenten, das quer durch Europa operierte.
Kremlkritiker und Journalisten im Visier
Wie der Spiegel berichtet, standen im Fokus der Spionageaktivitäten offenbar vor allem Kremlkritiker und Investigativjournalisten. Besonders der bulgarische Reporter Christo Grozev geriet ins Visier der Agenten. Grozev, der für die Plattform Bellingcat arbeitet, hatte zuvor brisante Recherchen zu russischen Geheimdienstoperationen veröffentlicht.Marsaleks Team observierte Grozev monatelang und sollen Grozev und seine Familie von einer Wohnung in Wien aus mit Kameras ausspioniert haben. Zudem wurde offenbar in sein Apartment eingebrochen und ein Laptop entwendet.
Entführungs- und Mordpläne
Noch alarmierender sind Hinweise auf mögliche Entführungs- oder sogar Mordpläne. Laut Anklageschrift diskutierten Marsalek und seine Handlanger in Chats darüber, Grozev zu kidnappen oder zu töten. Diese Pläne wurden aber glücklicherweise wieder verworfen.Neben Journalisten gerieten auch andere Personen ins Visier des Spionagerings. So soll ein US-Militärstützpunkt in Stuttgart ausgespäht worden sein, wo ukrainische Soldaten ausgebildet wurden. Zudem verfolgte man angeblich einen kasachischen Politiker und inszenierte einen Zwischenfall vor der Botschaft des Landes in London.
Das professionelle Vorgehen der Agenten wird durch das bei ihnen sichergestellte Equipment deutlich. Laut britischer Staatsanwaltschaft fand man bei Durchsuchungen:
- Über 220 Mobiltelefone
- Hunderte SIM-Karten
- Dutzende Aufnahmegeräte
- Drohnen
- Funkgeräte
Verbindungen zu russischen Geheimdiensten
Die Ermittler sind überzeugt, dass Marsalek im Auftrag russischer Geheimdienste handelte. In Chatnachrichten ist von "Freunden beim GRU" - dem russischen Militärgeheimdienst - und Treffen mit dem Inlandsgeheimdienst FSB die Rede.Zwei der fünf Angeklagten haben sich bereits schuldig bekannt. Der Prozess gegen die übrigen drei wird voraussichtlich bis mindestens Januar 2025 andauern. Marsalek selbst befindet sich nach wie vor auf der Flucht. Ermittler vermuten, dass er sich in Russland aufhält.
Zusammenfassung
- Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek soll Spionagering für Russland geleitet haben
- Fünf mutmaßliche Agenten stehen in London vor Gericht
- Marsalek koordinierte unter Decknamen 'Rupert Ticz' Netzwerk von Agenten
- Kremlkritiker und Journalisten waren Hauptziele der Spionageaktivitäten
- Bellingcat-Reporter Grozev wurde monatelang observiert und ausspioniert
- Mögliche Entführungs- und Mordpläne wurden in Chatnachrichten diskutiert
- Professionelles Equipment bei Agenten sichergestellt: Handys, SIM-Karten
Siehe auch:
- Wirecard-Skandal: Jetzt auch mit Verbindung zu russischen Spionen
- Wirecard: Ex-Manager schildert die Bilanz-Fälschungen vor Gericht
- Wirecard: Prozess zum größten Wirtschaftsskandal Deutschlands startet
- Größter Betrug der Nachkriegsgeschichte: Wirecard-Prozess beginnt
- Lügen und Betrug: IT-Zahlungsdienstleister Wirecard stellt Insolvenz
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