Wirecard: Ex-Manager schildert die Bilanz-Fälschungen vor Gericht

Die ersten Verhandlungstage im Prozess um das deutsche Technologie-Unternehmen Wirecard scheinen das Bild zu bestätigen, das die Ermittler bisher zeichneten: Ganz bewusst wurden vom Management die Bilanzen in großem Stil geschönt.
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Wirecard galt einst als der aufsteigende Stern der deutschen IT-Branche. Als allerdings massive Unstimmigkeiten in der Buchhaltung aufflogen, brach das Unternehmen wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Unklar ist bis heute unter anderem, ob eine Milliardensumme in den Büchern überhaupt je existierte und wenn ja, wo diese abgeblieben ist. Eine der Führungspersonen ist außerdem seit Jahren flüchtig.

Gespannt wartete man daher auf die Aussage von Oliver Bellenhaus, der dem engsten Führungszirkel im Konzern angehörte. Dieser hatte sich nach der Einleitung der Ermittlungsverfahren direkt gestellt und bot sich als Kronzeuge an. Jetzt trat er in den Zeugenstand und schilderte, wie im Management gearbeitet wurde.


Panische Aktivität

"Der Wirtschaftsprüfer brauchte was, und dann entstand die Panik", erklärte Bellenhaus laut eines Berichtes des Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Dann habe man versucht, etwas Passendes zu basteln. Alles habe sich dabei ausschließlich um die Frage gedreht: "Ist der Wirtschaftsprüfer glücklich?" Die Bilanzen seien also jeweils so gefälscht worden, dass bei der Prüfung ein möglichst glattes Bild entstand.

In den Ermittlungen spielt auch immer wieder eine Rolle, was es mit Partnern in Asien auf sich hat, an die Wirecard angeblich einen großen Teil der Geschäfte ausgelagert hat und von denen dann wesentliche Teile des Konzerngewinns zurückgeflossen sein sollen. Bellenhaus erklärte vor Gericht, dass es diese nie gegeben habe. Hier haben also offenbar Scheinaktivitäten dem Zweck gedient, ein umfangreiches Geschäft vorzugaukeln und Gelder von Investoren und Banken zu verschieben.

Die Aussage des Ex-Managers dürfte für zwei seiner Kollegen ein Problem werden: Wirecard-Chef Markus Braun und Chefbuchhalter Stephan von Erffa stehen ebenfalls vor Gericht. Braun weist die Vorwürfe bisher strikt von sich, Erffa schweigt.

Zusammenfassung

  • Wirecard hat Bilanzen großflächig geschönt.
  • Management hat panisch reagiert als Unstimmigkeiten aufflogen
  • Ex-Manager Bellenhaus beschreibt Fälschung von Bilanzen als Kronzeuge.
  • Zweifel an Existenz von Milliardensumme in Büchern
  • Bellenhaus' Aussage wird für Wirecard-Chef und Chefbuchhalter problematisch sein.

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