Bund plant Online-Bürgerportal für 500 Millionen Euro

Das Bundesinnenministerium will die gesamte bundesdeutsche Ver­wal­tung auf einem neuen Online-Bürgerportal vereinheitlichen. Wie die Wirt­schafts­wo­che unter Berufung auf das Ministerium berichtet, soll das Bür­ger­por­tal eine halbe Milliarde Euro kosten und bis 2022 fertig sein. Rund 5.500 Verwaltungsverfahren müssen dafür digitalisiert werden.
Behörde, E-Government, Formular
Mattes (Public Domain)

Infografik: The Digital Economy and Society Index (DESI) 2017The Digital Economy and Society Index (DESI) 2017
"Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen wir die gesamte deutsche Verwaltung digitalisieren - für Bürger und Unternehmen", sagte der zuständige Projektleiter des Bundesinnenministeriums Ernst Bürger der Wirtschaftswoche. Das laut Bürger "riesige Unterfangen" sei bereits vor ein paar Mo­na­ten angelaufen. Eine erste Beta-Version des Deutschen Bürgerportals soll bereits im August 2017 freigeschaltet werden.

Einheitliches Bund-Länder-Portal

Deutschland hängt bei der digitalen Verwaltung im Vergleich mit anderen Industrieländern und auch beim Netzausbau hinterher. Im Rahmen des Bundestagswahlkampfes hatten sowohl SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz als auch Angela Merkel (CDU) jüngst die Bedeutung der Digitalisierung und des Internet-Netzausbaus hervorgehoben und für das Projekt geworben. Bis das Deutsche Bürgerportal in fünf Jahren fertig ist, müssen die Projektverantwortlichen 5.500 Ver­wal­tungs­ver­fah­ren komplett digitalisieren und auf einem zentralen Portal verfügbar machen.

Innerhalb eines Portalverbundes sollen darüber sowohl Verfahren des Bundes als auch der 16 Bun­des­län­der zentral verwaltet werden können. Das System soll für eine intelligente Ver­knüp­fung aller einzelnen Portale unter einer einheitlichen Oberfläche sorgen. "Egal, wo sich der Bürger einloggt - er wird bei jedem Portal Zugriff auf alle Leistungen der deutschen Ver­wal­tung bekommen", sagt Bürger.

Deutschland im EU-Digital-Index nur auf Platz 11

Die Digitalisierung ist in Deutschland seit Jahren ein leidliches Thema. Wie ein im März 2017 vor­ge­leg­ter Überblick zum Vernetzungsgrad von Wirtschaft und Gesellschaft der EU-Mitgliedsstaaten zeigt, hat die Bundesrepublik zuletzt sogar wieder Boden verloren. Im aktuellen Digital Economy and Society Index (DESI) landet Deutschland nur auf Platz 11. Führend sind Dänemark, Finnland und Schweden. Wie die EU-Kommission feststellte, sei Deutschland zwar in den Bereichen Frequenzzuteilung, Internetnutzung und In­ter­net­ver­bin­dung Vorreiter. Bei der Interaktion von Verwaltung und Bürgern durch E-Government-Dienste bestünden aber noch große Herausforderungen. Lediglich 19 Prozent der deutschen Be­völ­ke­rung würden bislang solche Dienste nutzen.
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