Focus: Telekom liegt mit Bundesregierung im Clinch

Die Deutsche Telekom hält Ziele von Bundesregierung und CDU in Sachen Internet für unrealistisch. Dementsprechend äußerte sich der Deutschlandchef der Telekom, Niek Jan van Damme, im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin Focus. Es sei schlichtweg nicht möglich, bis Ende 2014 die anvisierten 75 Prozent Fläche der Bundesrepublik mit einer DSL-Leistung von 50 Mbit pro Sekunde zu versorgen, sagte van Damme laut Focus-Vorabmeldung. Wir verlegen kein Glasfaserkabel bis zur letzten Jagdhütte, das wäre nicht zu finanzieren."

Falls alle Unternehmen, die in dem Bereich Netzausbau tätig seien, ihre Projekte fortsetzten, könne das erklärte politische Ziel aus seiner Sicht bis Ende 2016 erreicht werden. Mehr Hoffnung auf schnelles Internet dürfen aber Bewohner von Großstädten haben. Laut van Damme will die Telekom noch dieses Jahr 44 Städte neu an das Glasfasernetz anschließen, zusätzlich zu den bereits 50 Orten. In den betroffenen Städten verdoppele sich dadurch das Internettempo auf 100 Mbit pro Sekunde.

Skeptisch sieht van Damme hingegen das CDU-Vorhaben, in deutschen Großstädten Internet per Hotspots kostenlos und flächendeckend verfügbar zu machen: "Das klingt ja gut. Nur ist mir nicht ganz klar, wer es bezahlen soll." In Berlin etwa würde ein solches Vorhaben zweistellige Millionensummen kosten.

Zumindest aus den jetzt bekannten Interview-Passagen geht nicht hervor, ob sich der Deutschland-Chef auch zum Vorhaben von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) äußerte, der Netzneutralität gesetzlich regeln will. Die ehemalig staatseigene Telekom sieht sich seit Bekanntwerden ihrer Drossel-Pläne in Sachen Flatrates zunehmend Kritik aus der Politik ausgesetzt. Verbraucherschützer kündigten zuletzt an, die Telekom-Pläne für gedrosselte Breitband-Verbindungen gerichtlich überprüfen zu lassen.
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