Taiwan simuliert massiven Internet-Ausfall - 30 Min. kein mobiles Netz

Taiwan hat während seiner jährlichen Zivilschutzübungen erstmals das mobile Internet für Millionen Menschen praktisch ausgeschaltet. Die Maßnahme soll den Ernstfall einer möglichen chinesischen Invasion simulieren. Das öffentliche Leben kam zum Erliegen.
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Üben für den Ernstfall

China sieht Taiwan als Teil der eigenen Volksrepublik. Entsprechend groß sind die Spannungen zwischen Beijing und Taipeh. Die CIA warnte bereits im Februar vor einer bevorstehenden Invasion bis 2027. Zudem simuliert die chinesische Regierung Internet-Blockaden und greift Taiwan mit 2,6 Millionen Cyberattacken täglich an. Indes bereitet man sich im Herzen der weltweiten Chipindustrie auf einen möglichen militärischen Angriff vor.

So hat die taiwanesische Regierung im Rahmen der jährlich stattfindenden zehntägigen Han-Kuang-Militärübungen jetzt erstmals das mobile Internet in mehreren Metropolen wie Taipei für eine halbe Stunde fast vollständig abgeschaltet. Mit einer Drosselung auf 256 kbit/s waren lediglich noch einfache Textnachrichten möglich. Die Maßnahme soll die Zivilbevölkerung auf Kommunikationsausfälle bei einer potenziellen chinesischen Invasion vorbereiten.


Öffentliches Leben kommt zum Erliegen

Während das Mobilfunknetz künstlich auf ein Prozent der üblichen Kapazität verlangsamt wurde, blieben Festnetzverbindungen und WLAN-Netzwerke unangetastet. Begleitet wurde der simulierte Blackout von klassischen Luftschutzübungen. Sirenen heulten auf, während die Polizei den Verkehr stoppte und Passanten anwies, Schutz in Gebäuden zu suchen. Das öffentliche Leben kam in dieser Zeit nahezu vollständig zum Erliegen.

Wie Reuters berichtet, wurden selbst Rolltreppen in öffentlichen Gebäuden abgestellt. Fahrgäste der U-Bahn mussten in den unterirdischen Stationen ausharren. Solche urbanen Übungen fanden in der Vergangenheit oft unbemerkt statt. In diesem Jahr wurden sie bewusst disruptiver gestaltet, um den Realitätsgrad zu erhöhen und die Bevölkerung auf tatsächliche Kriegsszenarien einzustellen.

Ausbau des Zivilschutzes

Die Han-Kuang-Übungen finden bereits seit 1984 statt und bilden das Rückgrat der taiwanesischen Verteidigungsstrategie. Ursprünglich lag der Fokus rein auf militärischen Manövern, doch die zunehmende Bedrohung durch asymmetrische Kriegsführung erfordert nun auch die direkte Einbindung der Zivilgesellschaft. Digitale Infrastrukturen gelten als bevorzugtes Erstziel bei modernen Konflikten, weshalb die Aufrechterhaltung von Notfallkommunikation intensiv geprobt wird.

Zeitgleich inspizierte Präsident Lai Ching-te ein Krankenhaus in New Taipei. Dort wurde demonstriert, wie das Personal eine gewöhnliche Tiefgarage innerhalb von 48 Stunden in eine voll funktionsfähige Notaufnahme verwandeln kann. Begleitet wurde das Staatsoberhaupt von ausländischen Diplomaten, um die internationale Zusammenarbeit beim Zivilschutz in den Fokus zu rücken. Die Behörden simulieren dabei auch die medizinische Versorgung unter extremem Ressourcenmangel.

Militärische Operationen

Parallel zu den zivilen Maßnahmen probte das Militär die Abwehr einer feindlichen Seeblockade. Die Marine kooperierte dabei erstmals eng mit der Küstenwache, um Handelsschiffe sicher in osttaiwanesische Häfen zu eskortieren. Minensucher räumten fiktive Gefahren aus den Fahrrinnen.

Die immer weiter forcierte Einbindung der Zivilbevölkerung in solche realistischen Szenarien stärkt einerseits die Resilienz der Gesellschaft. Fachleute gehen davon aus, dass so eine Panik im Ernstfall vermieden werden kann. Andererseits bedeuten die massiven Einschränkungen, wie der Ausfall des mobilen Internets oder satellitengestützter Navigation, eine spürbare Belastung für den Alltag der Bürger in den Millionenmetropolen.

Glaubt ihr, dass eine Panik im Ernstfall durch solche Übungen wirklich vermieden werden kann? Teilt eure Gedanken mit uns in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Taiwan simuliert bei Übungen den Ernstfall einer chinesischen Invasion
  • Das mobile Internet wurde in mehreren Metropolen drastisch gedrosselt
  • Luftschutzübungen legten das öffentliche Leben für kurze Zeit lahm
  • In New Taipei wurde eine Tiefgarage in eine Notaufnahme verwandelt
  • Das Militär probte zudem die Abwehr einer feindlichen Seeblockade

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