Rechenzentrum-Boom Deutschland:
heisseluft.org zeigt Anlagen-Pläne

Gigantischer Stromhunger, versiegelte Flächen und knappe Wasser­reserven: Der Bau von 81 neuen Rechenzentren in Deutschland alarmiert verschiedene Netzaktivisten. Manche Betreiber errichten für die Anlagen sogar eigene fossile Kraftwerke.
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WinFuture/KI-generiert

    Karte offenbart Serverausbau

    Die Organisationen Algorithmwatch, Leitmotiv, das Heiße-Luft-Kollektiv und Frag den Staat haben auf der Website heisseluft.org eine interaktive Karte veröffentlicht. Das Projekt bündelt öffentlich zugängliche Informationen zu geplanten Rechenzentren in Deutschland. Derzeit befinden sich 81 Anlagen im Bau oder in der Planung. Die Umsetzung aller Vorhaben würde die verfügbare Rechenleistung deutlich erhöhen.

    Die Gesamtkapazität soll laut den gesammelten Daten um 5000 Megawatt steigen. Damit übertrifft das Volumen das offizielle Regierungsziel, die Leistung zu verdoppeln, um mehr als 2000 Megawatt. Kritisiert werden vor allem mangelnde Transparenz bei der Planung, ein hoher Wasserbedarf in Regionen mit akutem Grundwasserstress sowie eine weitreichende Flächenversiegelung durch Anlagen auf bisher unbebauten Gebieten.


    Kritik an hohem Energieverbrauch

    Neben dem Strombedarf rückt der lokale Wasserverbrauch in den Fokus. In der brandenburgischen Gemeinde Baruth konkurrieren beispielsweise ein Getränkekonzern und Amazon um die knappen Ressourcen. Wie die Plattform Frag den Staat berichtet, fehle es bei der Genehmigung oft an notwendiger Transparenz seitens der zuständigen Behörden.

    Die Aktivisten bemängeln zudem die geplante Neufassung des Energieeffizienzgesetzes. Der Entwurf sieht vor, dass Betreiber von Rechenzentren erst ab dem Jahr 2030 bilanziell vollständig auf erneuerbare Energien setzen müssen. Zuvor war das Jahr 2027 anvisiert worden. Um den hohen Strombedarf bis dahin zu decken, entstehen mancherorts neue Gaskraftwerke.

    Einige Serverfarmen, etwa im hessischen Maintal, sollen komplett abgekoppelt vom öffentlichen Stromnetz mit Erdgas betrieben werden. Auch das Argument der Schaffung neuer Arbeitsplätze trüge in der Realität oft nicht. In der niederländischen Gemeinde Hollands Kroon entstanden durch ein großes Datenzentrum statt der angekündigten 2000 Stellen lediglich rund 530 Arbeitsplätze.

    Industrie verteidigt Ausbaupläne

    Der Verband der Internetwirtschaft bewertet das Thema differenzierter. Deutschland hinke beim Ausbau der digitalen Infrastruktur im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Infrastruktur-Ingenieure betonen, dass moderne Serveranlagen keine starren Großverbraucher seien. Sie könnten durch ein intelligentes Lastmanagement Schwankungen im allgemeinen Stromnetz ausgleichen und so zur Stabilität der Energieversorgung beitragen. Infografik Entwicklung in Rechenzentren: KI lässt Stromverbrauch stark steigenEntwicklung in Rechenzentren: KI lässt Stromverbrauch stark steigen

    Stichpunkt Fernwärme

    Zudem wandelt sich der verbrauchte Strom im laufenden Betrieb fast vollständig in Wärme um. Die entstehende Abwärme weist ein Temperaturniveau von 35 bis 60 Grad Celsius auf. Sie eignet sich ideal für die Einspeisung in kommunale Wärmenetze. Auf diese Weise lassen sich umliegende Wohn- und Gewerbegebiete klimafreundlich beheizen.

    Ein weiterer Streitpunkt in der Debatte bleibt die Datensicherheit. Datenschützer weisen darauf hin, dass viele Betreiber aus den Vereinigten Staaten stammen. Die Firmen unterliegen dem Cloud Act. Das bedeutet, dass US-Behörden theoretisch auch Zugriff auf europäische Daten verlangen können, wenn die Informationen auf den entsprechenden Servern in Deutschland gespeichert sind.

    Wie bewertet ihr den aktuellen Ausbau der Rechenzentren in eurer Region? Teilt eure Gedanken und Bedenken mit uns in den Kommentaren!

    Zusammenfassung
    • Eine neue interaktive Karte zeigt 81 geplante Rechenzentren in Deutschland
    • Die geplante Kapazität soll um rund 5000 Megawatt gesteigert werden
    • Kritiker bemängeln den hohen Wasserverbrauch und die Flächenversiegelung
    • Die Pflicht für Ökostrom soll laut Gesetzentwurf auf 2030 verschoben werden
    • Die Internetwirtschaft verweist auf Netzentlastung und die Abwärmenutzung
    • Datenschützer warnen vor Zugriffen von US-Behörden durch den Cloud Act

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