Datenzentren: Europa scheitert eher an Strom und Wasser als an Chips

Europas Ausbau von Rechenzentren könnte nach Einschätzung des dänischen Unternehmens Grundfos weniger an fehlenden Chips als an knappen Wasser- und Energieressourcen scheitern. Hier bräuchte es einen Plan.
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Ruf nach besserer Planung

In einem neuen Bericht fordert der Pumpen- und Wassertechnikhersteller entsprechend einen politischen Rahmen, der Energie- und Wassereffizienz gemeinsam betrachtet. Demzufolge steigt die Bedeutung von Rechenzentren in Europa rasant. Die IT-Leistung aller Serverfarmen in der EU liege derzeit bei rund 10 Gigawatt und könnte bis 2030 auf 35 Gigawatt anwachsen.

Schon heute verbrauchen Rechenzentren aber etwa drei Prozent des europäischen Stroms. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte dieser Anteil laut Studienlage auf sieben bis neun Prozent steigen. Besonders im Fokus stehen daher die Kühlsysteme der Anlagen. Sie verursachen laut Grundfos einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs eines durchschnittlichen Rechenzentrums. Gleichzeitig benötigen große Hyperscale-Anlagen enorme Mengen Wasser, in manchen Fällen mehr als 18.000 Kubikmeter pro Tag. Dies entspricht fast dem, was auch größere Kraftwerke benötigen.


Die Autoren des Berichts warnen daher davor, dass der schnelle Ausbau von Rechenzentren Stromnetze, Wasserreserven und kommunale Infrastruktur zunehmend belaste. Ohne eine bessere Planung könnten schlecht platzierte oder ineffiziente Anlagen lokale Probleme verschärfen und Widerstand in der Bevölkerung hervorrufen.

Branche will aber eine Regulierung

Grundfos sieht jedoch auch Chancen für Europa. Wenn der Ausbau nachhaltig gestaltet werde, könne die EU international zum Vorbild für umweltverträgliche digitale Infrastruktur werden. Dafür schlägt das Unternehmen unter anderem verbindliche Vorgaben zur Wasser- und Energieeffizienz bei neuen Rechenzentren vor. Zudem fordert der Bericht einheitliche Standards zur Offenlegung von Umweltkennzahlen.

Die Debatte dürfte allerdings konfliktträchtig werden. Branchenverbände der Rechenzentrumsindustrie haben sich bereits kritisch zu geplanten Effizienzstandards der Europäischen Union geäußert. Dennoch plädiert Grundfos für staatliche Anreize wie Steuervergünstigungen, Förderprogramme und grüne Finanzierungsmodelle, um sparsame Kühltechnologien schneller zu verbreiten.

Auch die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren für Fernwärmenetze gilt laut Bericht als vielversprechend. Technisch sei dies oft möglich, schwieriger seien jedoch Abstimmungen zwischen Betreibern, Kommunen und Energieversorgern.

Zusammenfassung
  • Europa könnte beim Rechenzentrumsausbau eher an Wasser- und Strommangel scheitern
  • EU-Rechenzentren verbrauchen derzeit drei Prozent des europäischen Stroms
  • Hyperscale-Rechenzentren benötigen teils über 18000 Kubikmeter Wasser täglich
  • Kühlsysteme verursachen einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs von Rechenzentren
  • Grundfos fordert politischen Rahmen mit verbindlichen Effizienzvorgaben für neue Anlagen
  • Brancheverbände stehen geplanten EU-Effizienzstandards für Rechenzentren kritisch gegenüber
  • Abwärmenutzung aus Rechenzentren für Fernwärme gilt als vielversprechend, aber koordinationsintensiv

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