Flock-Kameras gehackt: System erfasst weit mehr als Kennzeichen
Hacker haben eine Überwachungskamera von Flock Safety demontiert und ausgelesen. Die Aktion offenbart nun ein gigantisches Ausmaß der Datensammlung. Das System erfasst neben Kennzeichen auch Personen und schießt Millionen Fotos.
Die Hacker konnten auf das auf Android basierende Betriebssystem der Kamera zugreifen. Dabei entdeckten sie auf dem Speicher auch unverschlüsselte Partitionen. Das ermöglichte es ihnen, einen kryptografischen Schlüssel zu extrahieren, der den Zugriff auf tausende gespeicherte Mediendateien freigab. Die Analyse der Daten zeigt, dass die Kameras weitaus mehr Informationen sammeln, als dem Großteil der Öffentlichkeit bisher bekannt war.
Wie 404 Media in einer gemeinsamen Recherche mit Wired berichtet, erfasst die Software auf dem Gerät explizit auch Personen und Fahrräder. Bei der Durchsicht der Protokolle wurde deutlich, dass eine einzige Kamera in einem Zeitraum von 21 Tagen rund 50.200 Fahrzeuge fotografierte und dabei 1,6 Millionen Bilder erzeugte. Diese immense Datenmenge verdeutlicht das Ausmaß der dauerhaften Überwachung im öffentlichen Raum.
Ein vorbeifahrendes Auto löst im Durchschnitt 28 Aufnahmen aus. Die Algorithmen der Kamera isolieren dabei nicht nur das Nummernschild, sondern werten das gesamte Fahrzeug und dessen Umgebung aus. Zu den erfassten Objekten gehören unter anderem:
Flock Safety betonte in einer Stellungnahme, dass die unbefugte Demontage der Kameras illegal sei. Das Unternehmen verwies auf sein Programm zur Meldung von Schwachstellen, über das unabhängige Entwickler Fehler melden können. Gleichzeitig gaben die Hacker an, dass sie die Details der Software veröffentlichen wollen. Dadurch sollen andere Forscher das System weiter untersuchen und mögliche Sicherheitslücken aufdecken können.
Die ausgelesenen Protokolle zeigten zudem technische Probleme der Hardware. Das System verzeichnete Zehntausende Fehlermeldungen wegen mangelnden Speicherplatzes beim Speichern hochauflösender Bilder. Das führte zu regelmäßigen Abstürzen und Neustarts der Software auf der Kamera. Dadurch entstanden Lücken in der Überwachung, die die Zuverlässigkeit des gesamten Netzwerks einschränken.
Wie bewertet ihr den Einsatz solcher Kamerasysteme im öffentlichen Raum? Überwiegt für euch der Nutzen für die Sicherheit oder die Sorge um den Datenschutz? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!
Siehe auch:
Hackerangriff bei Flock Safety
Eine Gruppe von Hackern unter dem Namen stegan0gram hat in den USA eine Überwachungskamera des Herstellers Flock Safety demontiert und die darauf gespeicherten Daten ausgelesen. Die Aktion offenbart Einblicke in die Funktionsweise der sogenannten ALPR-Systeme. Das Kürzel steht für automatische Kennzeichenlesegeräte (Automatic License Plate Recognition), die vor allem von Polizeibehörden zur Strafverfolgung eingesetzt werden. Die Geräte sind an vielen Straßen installiert.Die Hacker konnten auf das auf Android basierende Betriebssystem der Kamera zugreifen. Dabei entdeckten sie auf dem Speicher auch unverschlüsselte Partitionen. Das ermöglichte es ihnen, einen kryptografischen Schlüssel zu extrahieren, der den Zugriff auf tausende gespeicherte Mediendateien freigab. Die Analyse der Daten zeigt, dass die Kameras weitaus mehr Informationen sammeln, als dem Großteil der Öffentlichkeit bisher bekannt war.
Wie 404 Media in einer gemeinsamen Recherche mit Wired berichtet, erfasst die Software auf dem Gerät explizit auch Personen und Fahrräder. Bei der Durchsicht der Protokolle wurde deutlich, dass eine einzige Kamera in einem Zeitraum von 21 Tagen rund 50.200 Fahrzeuge fotografierte und dabei 1,6 Millionen Bilder erzeugte. Diese immense Datenmenge verdeutlicht das Ausmaß der dauerhaften Überwachung im öffentlichen Raum.
Ein vorbeifahrendes Auto löst im Durchschnitt 28 Aufnahmen aus. Die Algorithmen der Kamera isolieren dabei nicht nur das Nummernschild, sondern werten das gesamte Fahrzeug und dessen Umgebung aus. Zu den erfassten Objekten gehören unter anderem:
- Aufkleber auf Stoßstangen
- Logos von Autohäusern
- Spezifische Aufnäher an Motorradtaschen
- Personen im direkten Erfassungsbereich
Kritik an der Datensammlung
Befürworter der Technologie argumentieren, dass solche Systeme bei der Aufklärung von Verbrechen helfen. Kritiker sehen in der flächendeckenden Erfassung jedoch einen massiven Eingriff in die Privatsphäre. Die gesammelten Daten werden oft in einem landesweiten Netzwerk geteilt, auf das tausende Behörden zugreifen können. Landesweit gibt es eine massive Protestwelle gegen die Flock-Systeme, erste Städte wie Boston haben diese auch schon entfernt.Flock Safety betonte in einer Stellungnahme, dass die unbefugte Demontage der Kameras illegal sei. Das Unternehmen verwies auf sein Programm zur Meldung von Schwachstellen, über das unabhängige Entwickler Fehler melden können. Gleichzeitig gaben die Hacker an, dass sie die Details der Software veröffentlichen wollen. Dadurch sollen andere Forscher das System weiter untersuchen und mögliche Sicherheitslücken aufdecken können.
Die ausgelesenen Protokolle zeigten zudem technische Probleme der Hardware. Das System verzeichnete Zehntausende Fehlermeldungen wegen mangelnden Speicherplatzes beim Speichern hochauflösender Bilder. Das führte zu regelmäßigen Abstürzen und Neustarts der Software auf der Kamera. Dadurch entstanden Lücken in der Überwachung, die die Zuverlässigkeit des gesamten Netzwerks einschränken.
Wie bewertet ihr den Einsatz solcher Kamerasysteme im öffentlichen Raum? Überwiegt für euch der Nutzen für die Sicherheit oder die Sorge um den Datenschutz? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!
Was erfassen Flock-Kameras wirklich?
Offiziell handelt es sich um Kennzeichenleser (ALPR). Hacker haben jedoch gezeigt, dass die Kameras auch Personen, Fahrräder und Details wie Autoaufkleber erfassen. Ein System generiert oft bis zu 28 Bilder pro vorbeifahrendem Fahrzeug.
Für IT-Profis bedeutet das: Die Überwachung geht weit über Metadaten von Autos hinaus. Angeblich soll die Software sogar spezifische Aufnäher auf Kleidung erkennen können, was tiefgreifende Datenschutzprobleme mit sich bringt.
Für IT-Profis bedeutet das: Die Überwachung geht weit über Metadaten von Autos hinaus. Angeblich soll die Software sogar spezifische Aufnäher auf Kleidung erkennen können, was tiefgreifende Datenschutzprobleme mit sich bringt.
Wer hat Zugriff auf diese Daten?
Die Daten landen in einer zentralen Cloud und werden oft in einem landesweiten Netzwerk geteilt. Selbst wenn Städte wie Boston die Weitergabe vertraglich ausschließen, sollen Daten laut Berichten dennoch an externe Behörden geflossen sein.
Das zeigt ein klassisches IT-Compliance-Problem: Verträge allein verhindern keinen Datenabfluss. Behörden nutzen die Systeme teils für fachfremde Abfragen, weshalb Datenschützer striktere Zugriffskontrollen und Audits fordern.
Das zeigt ein klassisches IT-Compliance-Problem: Verträge allein verhindern keinen Datenabfluss. Behörden nutzen die Systeme teils für fachfremde Abfragen, weshalb Datenschützer striktere Zugriffskontrollen und Audits fordern.
Wie sicher sind die Kamera-Daten?
Der Hersteller wirbt mit lokaler Verschlüsselung. Eine Hackergruppe namens stegan0gram konnte jedoch den Verschlüsselungs-Key direkt aus einer unverschlüsselten Partition der Hardware auslesen und so die Daten entschlüsseln.
Für IT-Administratoren ist dies ein bekanntes Risiko bei Edge-Geräten: Physischer Zugriff führt oft zur Kompromittierung.
Für IT-Administratoren ist dies ein bekanntes Risiko bei Edge-Geräten: Physischer Zugriff führt oft zur Kompromittierung.
Werden Gesichter auch erkannt?
Bislang gibt es keine Beweise für eine aktive Gesichtserkennung. Analysen der geleakten Software zeigten zwar Standard-Android-Funktionen zur Gesichtserkennung, diese waren jedoch nicht aktiviert oder im Einsatz.
Dennoch bleibt Wachsamkeit geboten. Da die Kameras Personen als Objekte erfassen und hochauflösende Bilder in die Cloud senden, wäre eine nachträgliche biometrische Auswertung auf den Servern theoretisch jederzeit nachrüstbar.
Dennoch bleibt Wachsamkeit geboten. Da die Kameras Personen als Objekte erfassen und hochauflösende Bilder in die Cloud senden, wäre eine nachträgliche biometrische Auswertung auf den Servern theoretisch jederzeit nachrüstbar.
Findet die Analyse lokal statt?
Nein, die Kameras fungieren hauptsächlich als intelligente Sensoren. Sie erkennen Bewegungen, passen die Belichtung an und schneiden relevante Bildbereiche aus. Die eigentliche Auswertung der Kennzeichen passiert in der Cloud.
Dieses Architekturmodell spart zwar lokale Rechenleistung, erzeugt aber enorme Datenströme über Mobilfunknetze. In einem Testzeitraum von 21 Tagen soll eine einzige Kamera rund 1,6 Millionen Bilder an die Server gesendet haben.
Dieses Architekturmodell spart zwar lokale Rechenleistung, erzeugt aber enorme Datenströme über Mobilfunknetze. In einem Testzeitraum von 21 Tagen soll eine einzige Kamera rund 1,6 Millionen Bilder an die Server gesendet haben.
Wie gelang der Hack der Kameras?
Die Hacker demontierten eine Kamera physisch und führten ein Reverse Engineering der Hardware durch. Dabei griffen sie auf das Android-basierte Betriebssystem zu und fanden unverschlüsselte Partitionen wie "vendor" und "media".
Der Hersteller spielt das Risiko herunter, da physischer Zugriff nötig sei. Aus IT-Sicht zeigt dieser Vorfall jedoch, dass IoT-Geräte im öffentlichen Raum ohne manipulationssichere Hardware extrem verwundbar sind.
Der Hersteller spielt das Risiko herunter, da physischer Zugriff nötig sei. Aus IT-Sicht zeigt dieser Vorfall jedoch, dass IoT-Geräte im öffentlichen Raum ohne manipulationssichere Hardware extrem verwundbar sind.
Gibt es Schutz vor der Erfassung?
Technisch ist es für Endanwender kaum möglich, sich der Erfassung im öffentlichen Raum zu entziehen. Die Kameras arbeiten passiv und erfassen alles, was in ihr Sichtfeld gerät - unabhängig davon, ob man ein Fahrzeug führt oder nicht.
Zusammenfassung
- Hacker demontierten eine Überwachungskamera des Herstellers Flock Safety
- Durch unverschlüsselte Partitionen gelang der Zugriff auf Mediendateien
- Die Kameras erfassen neben Kennzeichen auch Personen sowie Fahrräder
- Ein einziges Fahrzeug löst im Schnitt rund 28 Bildaufnahmen aus
- Die gesammelten Daten landen zur Auswertung in behördlichen Netzwerken
- Protokolle belegen zudem regelmäßige Softwareabstürze wegen Speichermangels
Siehe auch:
- Flock-Verträge gekündigt, Kameras abgebaut, Firma stellt sie wieder auf
- Ach kommt, bisschen Überwachung muss sein: Flock will "Kompromiss"
- "Der Imperator ist Flock-Fan": Darth Vader fordert mehr Überwachung
- Virale Kampagne ruft zur Flock-Kamera-Zerstörung zu Halloween auf
- Flock Sock: Kreativ und zerstörungsfrei gegen Massenüberwachung
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