Russland warnt: Telegram-Krypto fehlerhaft - Betreiber dementiert

Laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB würde die Ukraine immer wieder an sensible Informationen von russischen Soldaten an der Front gelangen, weil die Verschlüsselung in Telegram brüchig ist. Der Betreiber des Messengers weist das allerdings zurück.
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Problem fürs Militär?

In einer am Samstag von der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti verbreiteten Mitteilung erklärte der FSB, die Nutzung der App in Kampfgebieten habe wiederholt das Leben russischer Militärangehöriger gefährdet. Ukrainische Spezialdienste seien in der Lage, über Sicherheitslücken in der Kryptografie von Telegram rasch an relevante Daten zu kommen und diese militärisch auszuwerten. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hervor.

Die Vorwürfe deuten auf eine weitere Verschärfung des Vorgehens gegen die in Russland weitverbreitete Plattform hin. Bereits vor mehr als einer Woche hatte die Medienaufsicht den Zugang zu Telegram eingeschränkt, weil das Unternehmen nach Darstellung der Behörden gegen Vorschriften zur lokalen Speicherung personenbezogener Daten verstoßen habe. Schon im August waren Sprach- und Videoanrufe über den Dienst blockiert worden.


Telegram gehört dem in Russland geborenen Unternehmer Pawel Durow und wird von Millionen Menschen im Land genutzt, darunter auch viele Soldaten und Militärblogger. Die Plattform ist Moskau dadurch auch ein Dorn im Auge, da die staatlichen Stellen die Kommunikation über Telegram nicht unter Kontrolle haben. Dies unterläuft die Anstrengungen des Kremls, ein sogenanntes "souveränes Internet" zu etablieren. In diesem Zusammenhang wurden bereits Plattformen wie YouTube, Instagram und WhatsApp eingeschränkt oder blockiert.

Versuchte Blockade

Die neuesten Beschränkungen stoßen jedoch selbst unter Unterstützern von Präsident Wladimir Putin auf Kritik. Mehrere militärnahe Blogger warnten auf Telegram, die Blockaden könnten auch die Kommunikation an der Front erheblich beeinträchtigen. Soldaten beklagten, es gebe derzeit keine praktikable Alternative zu dem Dienst.

Auch der russische Digitalminister Maksut Schadajew räumte ein, dass ausländische Geheimdienste unter Umständen Einblick in militärische Nachrichten nehmen könnten. Zugleich betonte er, Telegram werde für Soldaten vorerst nicht vollständig gesperrt.

Das Unternehmen selbst wies die Vorwürfe entschieden zurück. Man habe keine Hinweise auf eine Kompromittierung der Verschlüsselung gefunden, erklärte Telegram. Die Anschuldigungen seien erfunden und dienten lediglich dazu, ein Verbot der Plattform zu rechtfertigen und Nutzer auf eine staatlich kontrollierte Konkurrenz zu drängen, die umfassende Überwachung und Zensur ermögliche.

Zusammenfassung
  • FSB warnt vor Sicherheitslücken in Telegrams Verschlüsselungstechnik
  • Ukraine gelange laut FSB über Kryptografiefehler an Militärdaten
  • Russlands Medienaufsicht schränkte den Zugang zu Telegram bereits ein
  • Sprach- und Videoanrufe über Telegram wurden schon im August blockiert
  • Militärblogger warnen vor negativen Folgen der Telegram-Blockaden
  • Soldaten beklagen, dass es derzeit keine praktikable Alternative gibt
  • Telegram weist die Vorwürfe zurück und spricht von erfundenen Gründen

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