Russland: WhatsApp-Sperre, weil System gegen Telegram zu schwach

Die russische Regierung hat gestern den Zugriff auf WhatsApp und andere Dienste aus dem Meta-Konzern wie Instagram großflächig gesperrt. Beo­bach­ter gehen davon aus, dass neben politischen Gründen vor allem tech­ni­sche Grün­de hinter der breitangelegten Sperre stecken.
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WhatsApp & Co. scheinen eher Kollateralschaden

Als Russland gestern begann, WhatsApp und andere Meta-Dienste vollständig zu sperren, wurde dies mit der Einstufung des Mutterkonzerns als "extremistisch" begründet. Schon kurz darauf meldeten sich Stimmen zu Wort, laut denen die vollständige Sperrung wohl vor allem technische Gründe hat und mit dem Vorgehen der russischen Regierung gegen Telegram zusammenhängt.

Weil die Kommunikation über Telegram aufgrund der vergleichsweise widerstandsfähigen Infrastruktur des Messengers von staatlichen russischen Stellen nur mit großem Aufwand behindert werden kann, habe man sich wohl zu einer Totalblockade von WhatsApp & Co entschieden.

Die sogenannten "TSPU"-Systeme, die russische Variante der "großen chinesischen Firewall", sei schlicht damit ausgelastet, die Kommunikation über Telegram zu behindern und habe aktuell nicht die Kapazitäten, um zusätzlich auch noch gegen WhatsApp, Instagram, Facebook, YouTube und andere Dienste gleichzeitig vorzugehen, erklärte ein Experte gegenüber dem Portal RBC News.

Telegram nutze eine widerstandsfähig gestaltete Architektur, bei der Daten auf verschiedensten Wegen an ihr Ziel gelangen, wobei Mirror-Server und Content Delivery Networks (CDNs) sowie die Verschlüsselung eine aufwendige Paket-Inspection nötig machen, wenn man versucht, den Traffic zu drosseln, so die Quellen.

WhatsApp sei einfacher gestaltet, beanspruche die Zensursysteme aber wie andere Webdienste zusätzlich, weshalb man sich bei der russischen Kommunikationsaufsicht, die inzwischen konstant auch als Zensurbehörde für das Internet bzw. das russische "RuNet" agiert, wohl entschieden habe, die Systeme mit einer Sperrung von WhatsApp zugunsten des Vorgehens gegen Telegram zu entlasten, hieß es weiter.

Zusammenfassung
  • Russland blockiert WhatsApp und weitere Meta-Dienste landesweit
  • Offiziell wird Meta als 'extremistisch' eingestuft als Grund für Sperre
  • Technische Gründe wahrscheinlicher: Zensursystem mit Telegram ausgelastet
  • Russische Firewall 'TSPU' hat nicht genügend Kapazität für mehrere Dienste
  • Telegram besitzt widerstandsfähige Infrastruktur mit Mirror-Servern und CDNs
  • WhatsApp-Sperre entlastet Zensursysteme für Kampf gegen Telegram

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