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Stromausfall in Berlin: Netzbetreiber hat goldene Backup-Regel ignoriert
Nach dem tagelangen Stromausfall in Teilen der Bundeshauptstadt Berlin steht nun nicht nur die Suche nach den möglichen Tätern auf der Tagesordnung. Hinzu kommen Fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte und warum es so lange dauerte.
Hier stand natürlich schnell die Frage im Raum, warum es nicht möglich war, die betroffenen Gebiete binnen kurzer Zeit über eine Ausweichverbindung zu versorgen. Eine Antwort darauf findet sich nun in einem Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages, der WinFuture.de vorliegt.
Darin heißt es: "Grundsätzlich gilt im Strombereich die (n-1)-Regel: Sofern ein Betriebsmittel (Leistungstransformator, Generator oder Stromleitung) ausfällt, wird dies durch andere Betriebsmittel aufgefangen, damit der Gesamtbetrieb des Stromversorgungsnetzes aufrecht erhalten wird." Diese Redundanzregel sei durchaus auch bei der betroffenen Verbindung beachtet worden. Infografik Energieversorgung: Weshalb es zu Ausfällen kommt
Das Problem steckt hier allerdings im Detail: Wie aus dem Papier hervorgeht, liefen die Redundanz-Kabel über die gleiche Kabelbrücke. "Wäre nur eines der mehreren nebeneinanderliegenden Kabel ausgefallen, hätten die anderen die komplette Versorgung aufrechterhalten können. Aber aufgrund der räumlichen Nähe konnte ein Sabotageakt alle vier Kabel zerstören und damit das (n-1)-Kriterium aushebeln."
Entsprechend arbeitet das BMWE auch aus dem Berliner Fall, der bereits der zweite dieser Art ist, entsprechende Handlungsbedarfe und -optionen heraus, die man mit der Energiebranche besprechen will. Dazu gehört die "Überprüfung/Anpassung des n-1-Prinzips, auch mit Blick auf physische Angriffe, respektive unter Beachtung räumlicher Lagebezüge". Es soll also endlich sichergestellt werden, dass bei den zu erwartenden Ausfall-Szenarien auch solche Einwirkungen von außen mitgedacht und Backup-Leitungen räumlich getrennt installiert werden.
Siehe auch:
Die Sache mit der Redundanz
Ausgerechnet, als es in diesem Winter erstmals richtig kalt wurde, gab es am 3. Januar einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über dem Teltowkanal. In der Folge fielen mehrere 10- und 110-kV-Kabel der Mittel- und Hochspannungsebene aus. Es dauerte Tage, bis das Problem behoben werden konnte und der äußerste Südosten Berlins wieder Strom für Licht, Heizungen und vieles mehr erhielt.Hier stand natürlich schnell die Frage im Raum, warum es nicht möglich war, die betroffenen Gebiete binnen kurzer Zeit über eine Ausweichverbindung zu versorgen. Eine Antwort darauf findet sich nun in einem Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages, der WinFuture.de vorliegt.
Darin heißt es: "Grundsätzlich gilt im Strombereich die (n-1)-Regel: Sofern ein Betriebsmittel (Leistungstransformator, Generator oder Stromleitung) ausfällt, wird dies durch andere Betriebsmittel aufgefangen, damit der Gesamtbetrieb des Stromversorgungsnetzes aufrecht erhalten wird." Diese Redundanzregel sei durchaus auch bei der betroffenen Verbindung beachtet worden. Infografik Energieversorgung: Weshalb es zu Ausfällen kommt
Das Problem steckt hier allerdings im Detail: Wie aus dem Papier hervorgeht, liefen die Redundanz-Kabel über die gleiche Kabelbrücke. "Wäre nur eines der mehreren nebeneinanderliegenden Kabel ausgefallen, hätten die anderen die komplette Versorgung aufrechterhalten können. Aber aufgrund der räumlichen Nähe konnte ein Sabotageakt alle vier Kabel zerstören und damit das (n-1)-Kriterium aushebeln."
Man will lernen
Bei der Konzeption der Stromverbindung wurde also missachtet, was in der IT zu den goldenen Regeln beim Umgang mit Backups gehört: Eine Absicherung muss immer auch eine räumliche Komponente beinhalten. Eine Sicherungskopie bringt schlicht nichts, wenn sie auf einer anderen Partition der gleichen Festplatte liegt und diese dann kaputt geht. Ebenso sicher gehen Daten beispielsweise bei einem Wohnungsbrand verloren, wenn das Backup des PC-Speichers auf einem USB-Stick erfolgt, der dann auf dem Rechner liegt.Entsprechend arbeitet das BMWE auch aus dem Berliner Fall, der bereits der zweite dieser Art ist, entsprechende Handlungsbedarfe und -optionen heraus, die man mit der Energiebranche besprechen will. Dazu gehört die "Überprüfung/Anpassung des n-1-Prinzips, auch mit Blick auf physische Angriffe, respektive unter Beachtung räumlicher Lagebezüge". Es soll also endlich sichergestellt werden, dass bei den zu erwartenden Ausfall-Szenarien auch solche Einwirkungen von außen mitgedacht und Backup-Leitungen räumlich getrennt installiert werden.
Zusammenfassung
- Brandanschlag am 3. Januar führte zu tagelangem Stromausfall in Berlin
- Ausfall mehrerer 10- und 110-kV-Kabel der Mittel- und Hochspannungsebene
- Redundanz-Kabel verliefen über dieselbe Brücke und fielen gemeinsam aus
- Missachtung der räumlichen Trennung bei Backups führte zur Katastrophe
- BMWE plant Überprüfung des n-1-Prinzips unter Beachtung räumlicher Bezüge
- Zweiter Vorfall dieser Art zeigt dringenden Handlungsbedarf im Energiesektor
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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