ZDK-Kritik: Künstlich erzeugte Zulassungen verfälschen E-Auto-Quote

Das Problem ist nicht neu, doch es verschärft sich zusehends: Die Zahl der Neuzulassungen von E-Fahrzeugen steigt laut den amt­li­chen Zulassungsstatistiken seit Jahresbeginn kontinuierlich - doch die Stimmung im Kfz-Gewerbe trübt sich weiter ein.
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E-Auto-Zahlen trügen: Händler schlagen Alarm

Denn seit zwei Jahren schrumpft die Nachfrage bei Privaten und die gewerblichen Zulassungen stagnieren. Einzig die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler stimulieren die Zulassungsstatistik, ohne echte Wertschöpfung im Automobilmarkt zu schaffen.

Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) unter rund 500 Autohäusern und Kfz-Betrieben. Die Ergebnisse zeigen die Problematik deutlich. Die Geschäftssituation vieler Autohäuser und Kfz-Betriebe ist deutlich angespannter, als es die offizielle Zulassungsstatistik vermuten lässt. Die wachsende Zahl an BEV-Neuzulassungen täuscht über die Realität im Handel hinweg.

Was statistisch als Erfolg erscheint, ist in der Realität häufig das Ergebnis von Eigenzulassungen durch Hersteller und Händler, Flottengeschäften oder taktischen Maßnahmen - nicht aber von echten Kundennachfragen im Handel.
Thomas Peckruhn, ZDK-Präsident

Eigenzulassungen explodieren, Privatnachfrage sinkt

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) warnt vor dieser Entwicklung. Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts bestätigen diese Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2025 haben sich die Eigenzulassungen batterieelektrischer Autos durch Hersteller und Handel im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2023 mehr als verdoppelt - auf 65.401 Fahrzeuge. Allein die Eigenzulassungen der Hersteller haben sich in zwei Jahren vervierfacht.

Gleichzeitig entwickelt sich die echte Nachfrage rückläufig. Die Zahl privater BEV-Neuzulassungen ging um neun Prozent auf 82.294 Fahrzeuge zurück. Ein Vergleich der kumulierten Zulassungen von Januar bis Juli der Jahre 2023 und 2025 zeigt, dass die gewerblichen Zulassungen von rein batterieelektrischen Fahrzeugen um 0,8 Prozent geschrumpft sind, wenn die Eigenzulassungen der Hersteller und Händler herausgerechnet werden.

Die privaten Neuzulassungen im gleichen Zeitraum liegen um 4,8 Prozent hinter 2023 zurück. Vier von fünf befragten Betrieben bewerten die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Förderung der Elektromobilität als unzureichend. Infografik Auslaufmodell Verbrenner: Wann kommt der Verkaufsstopp?Auslaufmodell Verbrenner: Wann kommt der Verkaufsstopp? Ganz oben auf der Wunschliste der Kfz-Branche stehen sinkende Strompreise, ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und mehr Transparenz bei den Ladetarifen.

Das Problem verschärft sich durch die Klimaziele: "Um die CO₂-Flottenziele bis 2035 zu erreichen, bräuchten wir bereits jetzt rund 100.000 zusätzliche BEV-Neuzulassungen, um einen Marktanteil von etwa 25 Prozent bei den Neuzulassungen zu erreichen. Davon sind wir weit entfernt. Seit dem Förder-Aus der Ampelkoalition kommt die Marktdurchdringung mit E-Fahrzeugen nur noch schleppend voran", warnt Peckruhn.

Wie seht ihr die Entwicklung des E-Auto-Markts? Spiegeln die offiziellen Zulassungszahlen eurer Meinung nach die Realität wider?

Warum steigen die E-Auto-Zulassungen?
Die amtlichen Statistiken zeigen steigende Neuzulassungen von E-Autos. Doch laut ZDK liegt das vor allem an Eigenzulassungen durch Hersteller und Händler, nicht an echter Kundennachfrage.

Diese Eigenzulassungen dienen oft taktischen Zwecken, etwa zur Erfüllung interner Verkaufsziele oder zur Verbesserung der CO₂-Bilanz. Sie verzerren das Bild eines wachsenden Marktes und täuschen über die tatsächliche Nachfrage hinweg.
Was sind Eigenzulassungen?
Eigenzulassungen sind Fahrzeuge, die von Herstellern oder Autohäusern selbst auf ihren Namen zugelassen werden, ohne dass ein Endkunde sie gekauft hat.

Sie erscheinen in der Statistik als Neuzulassungen, obwohl sie oft nur kurzfristig genutzt und später als "junge Gebrauchte" verkauft werden. Laut ZDK haben sich diese Zulassungen bei E-Autos seit 2023 vervierfacht.
Wie entwickelt sich die private Nachfrage?
Die private Nachfrage nach E-Autos ist rückläufig. Im ersten Halbjahr 2025 sank die Zahl privater BEV-Neuzulassungen um 9 % im Vergleich zu 2023.

Gründe sind das Ende der staatlichen Kaufprämie, hohe Strompreise und Unsicherheit über die politische Förderung. Ohne neue Anreize könnte sich dieser Trend fortsetzen.
Welche Kritik übt das Kfz-Gewerbe?
Der ZDK kritisiert, dass die Politik die Absatzkrise nicht wahrnimmt, da sie sich zu stark auf die amtlichen Zulassungszahlen verlässt.

Autohäuser und Werkstätten fordern gezielte Maßnahmen für Privatkunden, da aktuelle Förderungen vor allem gewerblichen Käufern zugutekommen. Ohne politische Impulse droht ein Rückschritt bei der Elektromobilität.
Welche Förderungen fehlen laut ZDK?
Laut ZDK sind sinkende Strompreise, ein schnellerer Ausbau der Ladeinfrastruktur und transparente Ladetarife entscheidend.

Zudem fordert der Verband eine Rückkehr zu wirksamen Kaufanreizen für Privatkunden. Aktuelle steuerliche Vorteile wie Superabschreibungen wirken nur bei gewerblichen Dienstwagen.
Zusammenfassung
  • BEV-Neuzulassungen steigen, während echte Nachfrage schrumpft
  • Eigenzulassungen von Herstellern haben sich seit 2023 vervierfacht
  • Kfz-Branche kritisiert unzureichende Fördermaßnahmen der Regierung
  • Private BEV-Neuzulassungen sind um neun Prozent zurückgegangen
  • Für Klimaziele werden 100.000 zusätzliche BEV-Neuzulassungen benötigt
  • Größere Autohäuser leiden stärker unter schwacher E-Auto-Nachfrage
  • Die Umfrage zeigt deutliche Diskrepanz zwischen Statistik und Handelspraxis

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