Microsofts Idee für Untersee-Rechenzentren lebt in China groß weiter

Unterwasser-Rechenzentren feiern derzeit ein Comeback. Eine chi­ne­sische Firma setzt voll auf den Ansatz, bei dem die Server in einer Metallröhre vom Wasser gekühlt werden. Microsoft hat das Konzept an den Nagel gehängt, doch in China lebt die Technologie weiter.
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Shanghai Haninanlyun Technology

Microsoft testete Konzept schon vor Jahren

Rechenzentren brauchen Kühlung und dies sorgt in vielen Ländern für Probleme wie eine allgemeine Knappheit oder eine Absenkung des Grundwasserspiegels. Microsoft hatte vor mittlerweile zehn Jahren mit dem sogenannten "Project Natick" experimentiert, bei dem man eine Kapsel mit der Länge eines großen Überseecontainers vor der Küste Schottlands versenkte. Darin liefen mehr als 800 Server, die etwa 30 Meter unter der Oberfläche durch Meerwasser gekühlt wurden.

Dabei stellte man fest, dass der Ansatz durchaus "zuverlässig, praktikabel und umweltschonend" umgesetzt werden konnte. Außerdem gab es weniger Probleme mit ausgefallener Hardware, weil die Server in einer mit Stickstoff gefüllten Umgebung liefen. Dennoch hat Microsoft "Project Natick" mittlerweile aufgegeben, auch wenn man offiziell weiter behauptet, das Ganze als Forschungs- und Entwicklungsplattform für neue Rechenzentren weiter nutzen zu wollen. Hainanlyun Technologe Unterwasser-RechenzentrumLangfristig sollen Server und Windkraftanlagen kombiniert werden

Kühlung mit Meerwasser, Strom durch Windkraft

Die chinesische Firma Hailanyun Technology, auch bekannt unter dem Namen "HiCloud", will das Konzept hinter Project Natick jetzt weiter nutzen. Zunächst will das Unternehmen vor der Küste der Millionenmetropole Shanghai ein Unterwasser-Rechenzentrum in zwei langen, luftdichten Röhren "versenken", dessen Energieversorgung zu 97 Prozent durch eine nahegelegene Windfarm erfolgen soll.

Insgesamt sollen 198 Server-Racks in den Unterwasser-Röhren laufen, in denen 396 bis 792 KI-fähige Server verbaut werden. Der Bau des Unterwasser-Rechenzentrums ist bereits in vollem Gange, wobei ab September offiziell der Betrieb aufgenommen werden soll. Die Kühlung erfolgt dabei mithilfe von Meerwasser, dass durch Radiatoren an den Enden der Röhren gepumpt wird, heißt es in dem Magazin Scientific American.


HiCloud erhofft sich unter anderem massive Einsparungen beim Energiebedarf, da durch die natürliche Kühlung etwa 30 Prozent weniger Energie nötig sein soll. Zuvor hatte Hainanlyun diverse Tests durchgeführt, bei denen man die Machbarkeit des Konzepts prüfte. Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf eine enorm schnelle Skalierung, nachdem man erst im Dezember 2022 in der Stadt Hainan mit einem kleinen Pilotprojekt gestartet war.

Die Macher des Projekts versuchen, Bedenken wegen einer möglichen Erwärmung des Meerwassers durch die Hitze der Server-Systeme zu zerstreuen. So habe sich die Temperatur in der direkten Umgebung eines Testaufbaus in einem Fluss im Jahr 2020 um weniger als ein Grad Celsius erhöht, wodurch "praktisch keine bemerkbaren Auswirkungen entstanden" seien.

Zusammenfassung
  • Chinesische Firma HiCloud nutzt Microsofts Unterwasser-Rechenzentren-Idee
  • Ursprüngliches Konzept von Microsoft vor zehn Jahren in Schottland getestet
  • Unterwasser-Server werden durch Meerwasser gekühlt und sparen 30 Prozent Energie
  • In Shanghai wurden zwei luftdichte Röhren mit KI-fähigen Servern versenkt
  • Energieversorgung erfolgt zu 97 Prozent durch eine nahegelegene Windfarm
  • Der Betrieb soll ab September 2025 mit bis zu 792 Servern starten
  • Tests zeigen minimale Erwärmung des umgebenden Wassers um weniger als 1 °C

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