Von wegen Energiepreise:
Deutsche Firmen an Krise selbst schuld
Die Wirtschaftskrise in Deutschland wird immer wieder gern auf die hohen Energiepreise zurückgeführt. Eine aktuelle Analyse eines Aktionärs-Verbandes kommt aber zu einem ganz anderen Ergebnis: Demnach sind die meisten Unternehmen selbst schuld an aktuellen Problemen.
Ganz ohne Belang sind die Energiekosten allerdings nicht - ihre Bedeutung liegt nur an ganz anderer Stelle, als oft vermutet wird. So haben deutsche Unternehmen schon lange mit einer Vielzahl von Faktoren zu kämpfen - darunter die Lohn- und Strukturkosten, die Regulatorik und der stärker gewordene internationale Wettbewerb in Schlüsselsektoren. Als dann die Energiekosten nach oben gingen, waren sie teils der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte - aber eben nicht die Grundlage der Schwierigkeiten.
Und auch hier hängt es stark von der Branche ab. In der chemischen Industrie oder bei den Energieversorgern sind die Energiekosten tatsächlich relevant. "Für den Großteil der deutschen Wirtschaft, von der Automobilindustrie über den Maschinenbau bis hin zur IT- und Gesundheitsbranche, spielen sie nur eine untergeordnete Rolle, wenn man sie in Relation zu anderen Kostenquellen betrachtet", so die Analyse. Strompreise für Unternehmen in Europa
Um aus der Krise herauszukommen, hilft es entsprechend nicht, einfach für billigere Energie zu sorgen. Vielmehr müsse an anderen Punkten angesetzt werden - insbesondere den Verwaltungsetagen in den Unternehmen. "Bei vergleichsweise niedriger Produktivität leisten sich viele Unternehmen immer noch altmodische Organisationsstrukturen mit aufgeblähten Verwaltungen und wenig effizienten, kaum digitalisierten Prozessen - so werden Strukturkosten in die Höhe getrieben", hieß es.
"Finanz- und Schuldenkrise, Corona und der Ukrainekonflikt sind schwierige exogene Herausforderungen. Das darf aber nicht verdecken, dass viele der aktuellen Probleme hausgemacht und das Resultat davon sind, dass Unternehmen wichtige Veränderungen schlicht über zwei Jahrzehnte verschlafen haben", erklärte Martin Geißler von der Strategieberatung Advyce, die an der Analyse beteiligt war.
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Viel zu lange gepennt
"Die Krise der deutschen Wirtschaft ist in weiten Teilen auf veraltete Strukturen, aufgeblähte Verwaltungen und eine erschreckend schwache Innovationskraft zurückzuführen. Die oftmals angeführten hohen Energiepreise spielen in den meisten Branchen lediglich eine untergeordnete Rolle", lautet das Fazit des "Standortradars Deutschland", das von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) veröffentlicht wurde.Ganz ohne Belang sind die Energiekosten allerdings nicht - ihre Bedeutung liegt nur an ganz anderer Stelle, als oft vermutet wird. So haben deutsche Unternehmen schon lange mit einer Vielzahl von Faktoren zu kämpfen - darunter die Lohn- und Strukturkosten, die Regulatorik und der stärker gewordene internationale Wettbewerb in Schlüsselsektoren. Als dann die Energiekosten nach oben gingen, waren sie teils der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte - aber eben nicht die Grundlage der Schwierigkeiten.
Und auch hier hängt es stark von der Branche ab. In der chemischen Industrie oder bei den Energieversorgern sind die Energiekosten tatsächlich relevant. "Für den Großteil der deutschen Wirtschaft, von der Automobilindustrie über den Maschinenbau bis hin zur IT- und Gesundheitsbranche, spielen sie nur eine untergeordnete Rolle, wenn man sie in Relation zu anderen Kostenquellen betrachtet", so die Analyse. Strompreise für Unternehmen in Europa
Um aus der Krise herauszukommen, hilft es entsprechend nicht, einfach für billigere Energie zu sorgen. Vielmehr müsse an anderen Punkten angesetzt werden - insbesondere den Verwaltungsetagen in den Unternehmen. "Bei vergleichsweise niedriger Produktivität leisten sich viele Unternehmen immer noch altmodische Organisationsstrukturen mit aufgeblähten Verwaltungen und wenig effizienten, kaum digitalisierten Prozessen - so werden Strukturkosten in die Höhe getrieben", hieß es.
Innovationen ankurbeln
Ein weiterer wesentlicher Faktor: "Mit einer durchschnittlichen Quote für Forschung & Entwicklung (F&E) von nur 4,6 Prozent ist die deutsche Wirtschaft international abgehängt", so die DSW-Analysten. In den USA würden die Unternehmen hingegen 10,2 Prozent ihrer Umsätze in diesen Bereich investieren. Da dieses Missverhältnis sich bereits seit 20 Jahren beobachten lässt, sei Deutschland eben nicht mehr die Innovationsmaschine auf dem Weltmarkt, die es einst war."Finanz- und Schuldenkrise, Corona und der Ukrainekonflikt sind schwierige exogene Herausforderungen. Das darf aber nicht verdecken, dass viele der aktuellen Probleme hausgemacht und das Resultat davon sind, dass Unternehmen wichtige Veränderungen schlicht über zwei Jahrzehnte verschlafen haben", erklärte Martin Geißler von der Strategieberatung Advyce, die an der Analyse beteiligt war.
Zusammenfassung
- Deutsche Wirtschaftskrise nicht primär durch hohe Energiepreise verursacht
- Veraltete Strukturen und schwache Innovationskraft als Hauptgründe identifiziert
- Energiekosten in den meisten Branchen von untergeordneter Bedeutung
- Aufgeblähte Verwaltungen und ineffiziente Prozesse treiben Strukturkosten
- Geringe Investitionen in Forschung und Entwicklung im internationalen Vergleich
- Viele Probleme sind durch Versäumnisse der letzten zwei Jahrzehnte entstanden
- Umstrukturierung und Innovationsförderung statt Fokus auf Energiepreissenkung nötig
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Christian Kahle
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