Musk fordert Wikipedia-Boykott:
Lexikon sei unausgewogen und "woke"

Der Unternehmer macht wieder mit kontroversen Aussagen auf sich aufmerksam. Jetzt versucht er, Einfluss auf die Inhalte von Wikipedia zu nehmen. Durch manche Artikel der freien Online-Enzyklopädie sieht er sich und seine politischen Mitstreiter wohl ungerecht behandelt.
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Angriff auf Wikipedia

Elon Musk nutzt seine eigene Social-Media-Plattform X weiter, um seine ganz eigenen Ziele zu verfolgen. Dieses Mal versucht er, Wikipedia unter Druck zu setzen, um so indirekt Einfluss auf den Inhalt der Webseite zu nehmen. Dem Tech-Milliardär missfällt nämlich, dass das Online-Lexikon in den vergangenen zwölf Monaten etwas über 50 Millionen US-Dollar für "Sicherheit & Inklusion" sowie "Fairness" ausgegeben hat.

Diese im amerikanischen Sprachgebrauch als DEI (Diversity, Equity, Inclusion) bekannten strategischen Unternehmensziele sind für Musk und viele seiner Anhänger ein rotes Tuch. Sie legen einen besonderen Fokus auf Themen sozialer Gerechtigkeit wie etwa die Miteinbeziehung von Minderheiten. Solche Bemühungen werden von ihren Gegnern, die häufig aus einem politisch konservativen Umfeld stammen, teils abwertend als "woke" bezeichnet.


Aufruf zum Spenden-Stopp

Entsprechend nannte Musk die Online-Enzyklopädie in einem Post auf X zur Freude seiner Anhänger jetzt "Wokepedia" und rief dazu auf, solange die Spenden an die Webseite einzustellen, "bis sie ihre redaktionelle Kompetenz wieder ins Gleichgewicht bringen".

Mit dem Vorwurf einer unausgewogenen redaktionellen Kompetenz spielt Musk eventuell auf die Ergebnisse einer Studie des Manhattan Institute aus dem Sommer 2024 an. Darin hatte sich die konservativ ausgerichtete Einrichtung die politischen Inhalte auf Wikipedia angeschaut. Nach der Analyse etlicher Artikel kam man zu dem Ergebnis, dass "eine leichte bis mäßige Tendenz in Wikipedia-Artikeln [besteht], Personen des öffentlichen Lebens, die ideologisch rechts von der Mitte stehen, mit einer negativeren Stimmung zu assoziieren als Personen des öffentlichen Lebens, die ideologisch links von der Mitte stehen." Infografik Internetrecherche: Die Top 10 Wikipedia-Artikel 2023Internetrecherche: Die Top 10 Wikipedia-Artikel 2023
Indes gibt es aber auch Kritik an der Plattform von links. So schreibt etwa der britische Guardian darüber, dass Wikipedia laut Studien ein stark "männliches und prowestliches" Weltbild vermittelt und Minderheiten unterrepräsentiert sind. So seien zum Beispiel nur 16 Prozent der Redakteure Frauen.

Einfluss auch auf Politik

Das dürfte Musk vermutlich aber eher nicht stören. Stattdessen sieht er sich und seine politischen Mitstreiter, allem Anschein nach, ungerecht behandelt und versucht nun mit dem Boykottaufruf den Inhalt des freien Online-Lexikons indirekt zu steuern.

In den USA nimmt er als Berater von Donald Trump bereits direkten Einfluss auf politische Entscheidungen. Zuletzt wurde ein erster Gesetzesvorschlag unterbreitet, von dem seine Automobilfirma Tesla unmittelbar profitiert. Erst vor einer Woche sorgte Musk auch in Deutschland für Aufsehen, als er sich in die deutsche Politik einmischte und eine Empfehlung für die AfD aussprach. Kurz darauf legte er nach und beschimpfte Kanzler Olaf Scholz als "inkompetenten Trottel".

Zusammenfassung
  • Elon Musk ruft zum Boykott von Wikipedia wegen 'Wokeness' auf
  • Kritik an Wikipedias Ausgaben für 'Sicherheit & Inklusion' und 'Fairness'
  • Musk bezeichnet Wikipedia als 'Wokepedia' und fordert Spendenboykott
  • Studie deutet auf leichte Tendenz zugunsten links-orientierter Personen hin
  • Kritik an Wikipedia kommt auch von links, etwa wegen männlicher Dominanz
  • Musk mischt sich zunehmend in politische Entscheidungen ein
  • Kürzliche Kontroversen um Musks Äußerungen zur deutschen Politik

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