ITER: Neuer Zeitplan schiebt die erste Kernfusion weit nach hinten

Das Fusions-Projekt ITER hat einen neuen Fahrplan. Dieser stellt nun im Grunde die formale Anerkennung der massiven Verzögerungen bei der Umsetzung des Forschungsreaktors dar, die sich in den letzten Jahren schon andeuteten. Der Betrieb rückt in weite Ferne.
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2034 statt 2025

ITER ist von jeher nicht gerade ein Musterbeispiel für eine effiziente Entwicklungsarbeit. Das allerdings hat seine Gründe auch im Konzept des Projektes. Denn während viele andere Forschungssysteme im Fusionsbereich darauf ausgelegt sind, Erfolge bei der Technologieentwicklung zu bringen, soll ITER ausschließlich mit Komponenten und Know-how gebaut werden, die auch jedes einzelne Unterstützerland aus eigener Kraft aufbringen könnte.

Das macht unter anderem einen großen Aufwand bei der Koordination der Arbeiten notwendig und immer wieder müssen die einzelnen Schritte mit vielen anderen Fachbereichen abgestimmt werden. Das sorgte bereits in der Vergangenheit zu explodierenden Kosten und verzögerten Meilenstein-Terminen.


Das Kontrollgremium hat auf Grundlage der jüngsten Daten nun einen neuen Zeitplan aufgestellt. Nach dem ursprünglichen Konzept sollten die Tests mit den energiearmen, reinen Wasserstoffplasmen 2025 beginnen. Dieses Ziel ist aufgrund der Verzögerungen jedoch völlig unrealistisch geworden. Stattdessen werden die Tests nun auf 2034 terminiert. Dafür sollen dann aber auch schon umfangreichere Tests gefahren werden, als ursprünglich vorgesehen.

Richtiges Brennen in 15 Jahren

Der Betrieb mit voller Leistung unter Verwendung eines Deuterium/Tritium-Brennstoffgemischs wird sich um vier weitere Jahre verzögern. Selbst wenn dieser neue Zeitplan eingehalten wird, kann man frühestens 2039 mit Probeläufen rechnen, bei denen eine Energieproduktion durch Kernfusion durchgeführt wird.

Selbst wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt, werden wir also noch 15 Jahre warten müssen, bis der Reaktor erstmals richtig arbeitet. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Verzögerungen ist allerdings weiter gestiegen, da laut Ankündigung für den Bau der dem Plasma zugewandten Innenwand ein anderes Material (Wolfram statt Beryllium) verwendet werden soll. Viele andere Fusionsprojekte setzen inzwischen aber ebenfalls auf Wolfram, sodass es hier zu Engpässen bei der Versorgung kommen könnte.

Zusammenfassung
  • ITER-Projekt hat neuen Fahrplan wegen Verzögerungen
  • Effizienzprobleme bei ITER durch anspruchsvolles Konzept
  • Koordination und hohe Kosten verzögern Entwicklungsarbeit
  • Ursprünglicher Start der Wasserstoffplasmen-Tests auf 2034 verschoben
  • Vollbetrieb mit Deuterium/Tritium erst ab 2039 möglich
  • Mindestens 15 Jahre Wartezeit bis zur ersten Kernfusion
  • Materialwechsel zu Wolfram könnte weitere Verzögerungen verursachen

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