Rückschlüsse auf kommerzielle Messenger:
Signal legt Kosten offen

Der über eine gemeinnützige Stiftung betriebene Messenger-Dienst Signal hat erstmals Details zu den Betriebskosten seines Dienstes offengelegt. Diese lassen auch Rückschlüsse auf die Konkurrenz zu - und wie diese ihre Angebote finanziert.
Messenger, Signal, Crypto-Messenger, Signal Desktop
Mockup WinFuture

Kleines, gut bezahltes Team

Wie die Signal-Foundation jetzt mitteilte, werden in diesem Jahr rund 40 Millionen Dollar benötigt, um die Signal-Plattform zu betreiben. Für das kommende Jahr rechnet man aufgrund verschiedener Kosten steigernder Entwicklungen mit rund 50 Millionen Dollar. Das ist durchaus eine Menge Geld für einen spendenfinanzierten Service, im Vergleich zur Konkurrenz kommt man aber wohl mit ziemlich überschaubaren Beträgen aus.

Der größte Posten im Budget ist das Personal. Rund 19 Millionen Dollar werden hier in diesem Jahr ausgegeben. Hinter dem Messenger steht gerade einmal ein Team von um die 50 Mitarbeitern, die in Vollzeit arbeiten. Neben Gehältern fallen hier Steuern, Verwaltungsausgaben und einiges mehr an. Und auch wenn man nicht die gleichen hippen Arbeitsumgebungen wie beispielsweise Google oder Apple bieten kann, sei man doch stolz darauf, die Mitarbeiter ordentlich zu bezahlen - das ist im Non-Profit-Bereich keineswegs der Standard.


Andere Messenger-Plattformen können in der Regel auch mehrere tausend Mitarbeiter zurückgreifen. Allerdings ist bei Signal auch einiges anders. So fallen hier unter anderem die zahlreichen Beschäftigten weg, die anderswo damit beschäftigt sind, die eigene Nutzerbasis irgendwie zu monetarisieren - meist über die Auswertung von Nutzerdaten, deren Ergebnisse dann auf vielfältige Weise ins Marketing einfließt.

Ordentlich Traffic

Für die technische Infrastruktur - also Server und Speichersysteme - fallen rund 14 Millionen Dollar jährlich an. Ein deutlich geringerer Posten ist der Traffic. Die Summe von 1,7 Millionen Dollar klingt hier zwar durchaus stattlich, was sich aber relativiert, wenn man bedenkt, dass die Signal-Plattform im Jahr rund 20 Petabyte Daten generiert. Deutlich teurer sind da mit 6 Millionen Dollar allein schon die Rechnungen der Netzbetreiber für die Zustellung der SMS für die Zwei-Wege-Authentifizierung. Dieser Posten ist zuletzt deutlich gestiegen, da die Telekommunikationsunternehmen auf die sinkenden Mengen verschickter SMS mit steigenden Preisen reagieren.

Mit der Offenlegung der Kosten wolle man nicht nur Transparenz gegenüber den Spendern herstellen und für mehr freiwillige Beiträge werben, erklärte Meredith Whittaker, Leiterin des Signal-Teams. Man wolle auch Aufmerksamkeit dafür erzeugen, wie die Konkurrenz ihre Dienste finanziert. Denn die Messenger werden allesamt kostenlos angeboten - und da sie jeweils von gewinnorientierten Unternehmen betrieben werden, ist es folgerichtig, dass diese irgendwie anders Erträge aus der Sache ziehen müssen - meist eben über die Verwertung der anfallenden Daten.

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!