Telegram behauptet, sicherer als Signal zu sein und die Fachwelt lacht

Lange Zeit galt bei Messengern das Motto: Alles ist besser als Whats­App. Als Primus gilt Signal, auch Telegram war und ist bei Nutzern populär. Doch nun ist zwischen diesen beiden Diensten ein Kleinkrieg entbrannt, denn Telegram behauptet, sicherer als Signal zu sein.
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Durow: Telegram sicherer als Signal

Angefangen hat das Ganze mit einem Post von Pawel Durow bzw. Elon Musk (dazu siehe weiter unten). Denn Durow hat eine Behauptung aufgestellt, die so mancher als gewagt bezeichnet und das ist noch eine freundliche Formulierung. Denn der Telegram-Chef und Co-Gründer veröffentlichte auf seinem eigenen Netzwerk einen Beitrag, in dem er schreibt, dass seine eigene Plattform sicherer sei als das an sich als kryptografisch wasserdicht geltende Signal.

Das bezeichnete Matthew Green, Kryptografie-Experte an der Johns-Hopkins-Universität, als "ziemlich intensive Kampagne, um Signal als unsicher zu verleumden". Dabei wird Telegram offenbar von Elon Musk unterstützt: "Das Ziel scheint zu sein, Aktivisten dazu zu bringen, von dem verschlüsselten Signal zu dem meist unverschlüsselten Telegram zu wechseln."

Green stellt gleich zu Beginn fest, dass das Signal Protocol, das Signal selbst und auch andere Messenger verwenden, Open Source sei, von Kryptographen intensiv überprüft wird und als "Gold-Standard" für Krypto gilt. Telegram hingegen ist von Haus aus unverschlüsselt, man muss hier aktiv einen "geheimen Chat" aktivieren, um die Kryptografie zu nutzen. Freilich bedeutet Open Source bei Signal nicht, dass es niemals Bugs gebe, so Green, aber eben, dass viele Augen draufschauen.

Durows Versuch, seinen eigenen Dienst als sicherer als Signal darzustellen, erheitert Green (und auch andere Experten) regelrecht: "Das ist so, als würde man Ketchup als besser für dein Auto anpreisen als synthetisches Motoröl." In gleich mehreren Tweets erläutert Green, warum die Sicherheit bei Telegram nicht ansatzweise mit jener von Signal vergleichbar ist.

Er meint, dass es natürlich nicht ungewöhnlich ist, wenn ein CEO sagt: "Mein Produkt ist besser als dein Produkt." Aber wenn es um die Sicherheit geht - und du dich absichtlich dafür entschieden hast, den meisten Nutzern keine Sicherheit zu bieten - dann ist das eine Frage des Wettbewerbs und fühlt sich wie Bosheit an", so Green.

Signal antwortet

Auch Signal selbst hat sich dazu mittlerweile zu Wort gemeldet: "Telegram ist notorisch unsicher und arbeitet hinter den Kulissen routinemäßig mit Regierungen zusammen, während es gleichzeitig große Töne über (freie Rede) und Privatsphäre spuckt ", schrieb Signal-Chefin Meredith Whittaker dazu auf Twitter bzw. X. Auch sie meint, dass das bewusste Propaganda sei, um Nutzer von Signal zu vertreiben und zum Wechsel auf andere Plattformen zu bringen.

Begonnen hat das Ganze mit einem Beitrag von Elon Musk. Dieser antwortete auf einen Bericht des City Journal, wonach Signal über das Aufsichtsratsmitglied Katherine Maher (der Chefin des NPR) Verbindungen in die US-Regierung haben soll. Musk, kryptisch wie so oft, dazu: "Es gibt bekannte Schwachstellen bei Signal, die nicht behoben werden. Scheint seltsam ..."

Belege lieferte er dazu nicht und mittlerweile ist der Tweet auch mit einem Community-Kontext versehen, wonach es für Musks Behauptung keinerlei Hinweise gebe. Überraschend ist es übrigens nicht, dass der Artikel von City Journal und Musks Verschwörungsbehauptung verbunden sind: City Journal ist das Magazin des streng konservativen Think-Tanks Manhattan Institute for Policy Research.

Zusammenfassung
  • Signal galt als sicherer Messenger, Telegram behauptet nun das Gegenteil
  • Telegram-Chef Durow nennt seine Plattform sicherer als Signal
  • Kryptografie-Experte Green kritisiert Telegrams Kampagne gegen Signal
  • Telegram bietet standardmäßig keine Verschlüsselung, anders als Signal
  • Green vergleicht Durows Sicherheitsbehauptungen mit irreführender Werbung
  • Signal-Chefin Whittaker wirft Telegram vor, unsicher und regierungsnah zu sein
  • Musk äußert sich kritisch über Signal, liefert aber keine Belege für seine Behauptungen

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